Birr-Lupfig

Forstbetriebsleiter Richard Plüss geht in Pension

Seit 37 Jahren ist Richard Plüss für die Waldungen von Birr-Lupfig verantwortlich – zum Abschluss organisierte er einen Waldumgang.

Minutenlang hörte man das Heulen einer Motorsäge. Sägemehl sprang in alle Richtungen, als plötzlich ein lautes Knacken durch die Luft schallte und eine rund fünf Tonnen schwere Rotbuche mit einem dumpfen Ton auf den Waldboden aufprallte. Mit offenem Mundwerk beobachteten rund 200 Personen den dynamischen Fall eines 40 Meter hohen Baumes.

Sie alle hatten sich am Samstag bei der Waldhütte in Lupfig versammelt, um Förster Richard Plüss als abtretenden Betriebsleiter im Rahmen eines Waldumgangs zu ehren. Nach einer kurzen Begrüssung schritt Plüss voraus und verkündete: «Keine Angst, ich bin nicht mehr der Jüngste, ich laufe nicht schnell.» Mit seiner lockeren und humorvollen Art sorgte er stets für eine heitere Stimmung und führte die Besucher an sechs verschiedenen Posten vorbei, wo ihnen der Forstbetrieb nähergebracht wurde.

«Dem Wald geht es schlecht, sehr schlecht»

Gleich beim ersten Posten kam Plüss auf den Klimawandel zu sprechen. «Dem Wald geht es schlecht, sehr schlecht», sagte er mit ernster Miene. Nach seiner Aussage fügen Wassermangel, steigende Temperaturen und der CO2-Haushalt den Wäldern grosse Schäden zu. Die Hitze verursacht bei der Rotbuche tödliche Verbrennungen und fördert die Bildung von schwach belaubten Steilästen, die aufgrund ihrer Abbruchgefahr ein Risiko für die Waldbesucher bergen. Hinzu kommt der Borkenkäfer, der die Fichte befällt und gegen den sich der Baum infolge der starken Trockenheit nicht wehren kann.

Nur allein wegen dieses Schädlings mussten im Wald Birr-Lupfig seit Anfang Juni 600 Kubik Holz geschlagen werden. Hoffnung sieht Plüss in den jungen Generationen, weshalb er während des Rundgangs die Kinder zum Sammeln von Eicheln animierte und diese anschliessend in Töpfe pflanzen liess. Mit den daraus wachsenden Eichensprösslingen sollen dann im Frühling die durch den Borkenkäfer verursachten Löcher im Wald aufgefüllt werden.

Beim weiteren Rundgang bekamen die Besucher Einblicke in den Ausbildungsstützpunkt Birr-Lupfig, wo der Forstbetrieb Motorsägen-Kurse anbietet, in die Planung von Waldstrassen und sogar in den Jagdbetrieb. Nach der zweieinhalbstündigen Führung gab es beim Forstwerkhof zu Wurst und Brot in einem Festzelt eine kurze Verschnaufpause.

Unterbrochen wurde diese durch eine berührende Rede von Plüss. «37 Seiten zu meinen 37 Dienstjahren», scherzte er einleitend. Dann kam er auf die Veränderungen im Forstbetrieb zu sprechen. Früher generierte ein Förster mit der Holzerei Gewinn, heute ist dies ein Defizitgeschäft. Gewinnbringend seien hingegen Dienstleistungen, wie beispielsweise Spezialholzereien für die SBB. Dazu bedarf es allerdings einer starken Modernisierung und Umstrukturierung des Forstbetriebs, die Richard Plüss in die Wege geleitet hat und sein Neffe und Nachfolger Micha Plüss vorantreiben wird.

Micha Plüss erwarten somit grosse ökologische und ökonomische Herausforderungen. Doch dank seiner Ausbildung bei Richard Plüss und der langjährigen Berufserfahrung bringt der 50-jährige Ortsbürger die besten Voraussetzungen dafür mit sich.

Abschliessend verkündete Richard Plüss mit wässrigen Augen und beschlagener Stimme: «Es wird mir bestimmt einiges fehlen.» Zugleich fügte er jedoch hinzu: «Immerhin habe ich mehr Zeit zum Jassen.»

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