Sarah P. (Name der Redaktion bekannt) und Mohamed Tounsi sind mit den Nerven am Ende. Seit sie im Juli in ihre Wohnung in Windisch gezogen sind, leiden sie unter unliebsamen Mitbewohnern.

Bei drei Fenstern haben sich in den Rollladenkästen Spatzen und Fledermäuse eingenistet. Vor allem die Fledermäuse machen ihnen zu schaffen. Meistens geht es um 8 Uhr abends los: Die Tiere flattern vor der Scheibe herum und hinterlassen dort ihren Kot. Sie machen Klopfgeräusche und geben Schreie von sich. Deswegen kann die Familie nicht mehr richtig schlafen, besonders der zwei Monate alte Sohn Adam leidet. Beim Lüften flogen schon öfters Fledermäuse und Vögel in die Wohnung rein. «Ein Freund von mir nennt unsere Wohnung Transsilvanien», sagt Tounsi. Das Paar wirft dem Vermieter vor, ihnen vor ihrem Einzug nichts von diesem Problem erzählt zu haben.

Von nichts gewusst

Dieser bestreitet, davon gewusst zu haben. Er räumt zwar ein, dass in der Vergangenheit verschiedene Mieter in diesem Haus Probleme mit Vögeln gehabt hätten. Doch die entsprechenden Stellen seien abgedichtet worden. Nachdem sich P. und Tounsi beschwert hatten, leitete der Vermieter Massnahmen ein. Eine Putzfrau wurde vorbeigeschickt, um den Dreck zu beseitigen, und ein Fledermaus-Spezialist wurde damit beauftragt, sich die Sache anzuschauen. Er befand, dass der Zugang zu der Unterkunft der Fledermäuse aufgrund Schutzbestimmungen erst zugemacht werden darf, wenn sichergestellt ist, dass die Tiere in ihr Winterquartier ausgeflogen sind.

Der Kantonale Fledermausschutz-Beauftrage Andres Beck meint dazu: «Meistens sind die Fledermäuse nur eine kurze Jahreszeit da. Aber je nach Art muss man schauen, was man macht. Eine Möglichkeit wäre es, in der Nähe Fledermauskästen zu installieren, sodass die Tiere dort hineingehen anstatt in die Rollladenkästen.» Die Tiere weichen darauf aus, weil sie durch die Sanierung von Häusern und die Abholzung wichtige Unterschlupfmöglichkeiten verlieren.

Gitter als Notfalllösung

Als Notfalllösung sollten bei P. und Tounsi Gitter installiert werden, die verhindern, dass die Fledermäuse in die Wohnung fliegen. Dafür habe er einen Handwerker vorbeigeschickt, erzählt der Vermieter, aber das Paar habe sich nicht an den Termin gehalten.

P. und Tounsi bestätigen, dass sie nicht zu Hause waren. Sie hätten gedacht, der Handwerker würde selbstständig in die Wohnung reingehen und hätten deswegen die Türe offen gelassen.

Kurzzeitig weigerte sich das Paar, die Miete zu bezahlen, erst sollte das Problem behoben werden. Doch nachdem der Vermieter mit Kündigung gedroht hatte, beglichen sie die ausstehende Miete. «Wir wollen nicht noch weitere Probleme», sagt P. Die AZ hat beim Mieterinnen- und Mieterverband Aargau nachgefragt, wie die Rechtslage ist. Geschäftsleiterin Sarah Spielmann erklärt: «Wurde dies im Voraus mit dem Vermieter so vereinbart, müssen die Mieter dem Handwerker den Zutritt gewähren, damit dieser den Mangel beheben kann. Einfach keine Miete mehr zu bezahlen, war falsch. Bleibt der Vermieter bei einem Mangel untätig, kann man mit der Mietzinshinterlegung bei der Schlichtungsbehörde Druck machen. Für die Dauer des Mangels steht den Mietern eine Mietzinsreduktion zu. Aber auch da sollten die Mieter keinesfalls die Miete von sich aus reduzieren.»

Nun hat die junge Familie genug. Sie sucht nach einer neuen Bleibe, eine ohne tierische Untermieter.