Wenn es nach der Firma Antalis in Lupfig geht, könnten jedes Jahr National- und Ständeratswahlen stattfinden. Der Wahlherbst hat sich jedenfalls positiv auf die Auftragslage des Grosshändlers für Papier, Verpackungsmaterialien sowie Anbieter von Produkten für die visuelle Kommunikation und Logistikdienstleistungen ausgewirkt, so Geschäftsführer Jürg Pletscher. Das Unternehmen, das 1879 unter dem Namen Mühlebach gegründet wurde, ist mittlerweile Teil einer französischen Gruppe mit Vertretungen in 44 Ländern. Für die Schweiz ist alles in Lupfig zentralisiert. In der Westschweiz wird nur eine Verkaufsstelle betrieben. Antalis bietet hier rund 300 Arbeitsplätze an und generierte 2014 einen Jahresumsatz von 198 Millionen Franken.

Jürg Pletscher ist sich bewusst, dass die Papierbranche in einer enormen Umbruchphase steckt und es schwierig wird, die Vorjahreszahlen zu erreichen. «Seit 2008 sind in der Schweiz knapp 1000 Druckereien verschwunden», erklärt er an diesem Dienstagabend den Gästen der Herbstversammlung, die von der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) Region Brugg organisiert wurde.

Transportwesen ausgelagert

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses stellt für Pletscher eine zusätzliche Herausforderung dar. Hingegen ortet der Geschäftsführer noch Potenzial bei den Luxusprodukten und insbesondere in der Feinlogistik. Das Transportwesen wurde zwar vor sechs Jahren ausgelagert. Trotzdem sind in der Schweiz rund 35 Lastwagen mit dem Antalis-Schriftzug unterwegs. An einem guten Tag werden in Lupfig rund 350 Tonnen Material umgeschlagen – zwei Drittel des Transports erfolgen über die Strassen und ein Drittel über den direkten Eisenbahnanschluss. «Für Unternehmen wie die SBB oder Coop verwalten wir auch das Werbematerial», so Pletscher weiter. Das ist mit ein Grund, warum Antalis unter anderem zwei Hochregallager und ein Lager-System mit 18’000 Boxen betreibt. Die Software wird laufend verfeinert.

Andreas Heinemann, Präsident der AIHK Region Brugg, weist auf eine kürzlich durchgeführte Umfrage bei Brugger Firmen hin. Bei der Strukturveränderung zeige sich, dass das Tempo generell zunimmt und die strategische Ausrichtung immer wieder hinterfragt werden muss, so Heinemann. «Nur die Innovationskraft kann unser Überleben sichern.»