«Es ist nicht so, dass Scherz das Wasser bis zum Hals stehen würde», betonte Gemeindeammann Hans Vogel an einem Informationsanlass zum Thema «Finanzielle Ausgangslage und Perspektiven» eines Zusammenschlusses von Lupfig und Scherz. «Scherz kann mit viel Selbstvertrauen in Verhandlungen einsteigen.»

Vorerst geht es aber noch nicht um formelle Verhandlungen, sondern um Sondierungen. Sie gehen auf eine Befragung der Einwohnerinnen und Einwohner von Scherz zurück. Bei dieser Befragung war es darum gegangen, die Stärken und Schwächen der Gemeinde herauszukristallisieren. Gestellt wurde dabei auch die Frage nach einem Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde. In der repräsentativen Umfrage hatten gut 50 Prozent angegeben, dass sie sich einen Zusammenschluss vorstellen könnten.

Aufgrund des Ergebnisses der Umfrage sondierte der Gemeinderat bei verschiedenen Gemeinden. «Das Resultat», so Hans Vogel, «war eher frustrierend. Es scheint, als ob die Braut Scherz zu wenig attraktiv wäre.» Immerhin kam eine sehr vorsichtige positive Reaktion aus Lupfig. In der Folge trafen sich die Gemeinderäte von Scherz und Lupfig zu einer Klausur.

Vogel: «Keine Leichen im Keller»

«Es zeigte sich, dass die Motive und die Interessenlage in beiden Gemeinden völlig verschieden sind», sagte Hans Vogel. «Das hat dazu geführt, dass in einem ersten Schritt die finanziellen Aspekte abgeklärt werden sollen, bevor ein Antrag auf Aufnahme formeller Verhandlungen gestellt wird.»

Inzwischen liegt ein Bericht über die finanziellen Aspekte eines Zusammenschlusses vor. Der Bericht, der auf den Rechnungsabschlüssen 2011 basiert, kommt zum Schluss, dass die finanziellen Voraussetzungen für einen Zusammenschluss positiv sind. Hindernisse sieht der Bericht weder bei der Nettoverschuldung (Lupfig 5,2 Millionen Franken, Scherz 0,6 Millionen Franken) noch bei den anstehenden Investitionen (Lupfig 13 Millionen Franken, Scherz 2,6 Millionen Franken) oder bei den Eigenwirtschaftsbetrieben. Hans Vogel: «Es gibt keine Leichen im Keller, aber leider auch keine angenehmen Überraschungen.»

Zu den finanziellen Folgen eines Zusammenschlusses hält der Bericht fest, dass bei den Steuern Mindereinnahmen von 0,4 Millionen Franken zu erwarten wären. Das bei der Annahme, dass bei einem Zusammenschluss der Steuerfuss von Lupfig von derzeit 95 Prozent beibehalten würde. (Scherz bezieht zurzeit 122 Prozent.) Das Synergiepotenzial wird grob auf jährlich 0,25 Millionen Franken geschätzt. Vom Kanton wären ein Beitrag von 1,5 Millionen Franken sowie 30 000 Franken an die Prozesskosten zu erwarten. «Die Finanzen», stellte Hans Vogel fest, «sind jedenfalls kein Hindernis, einen Zusammenschluss weiter zu verfolgen.»

Als nächster Schritt wird im Juni in Lupfig ein Informationsanlass stattfinden. Weitere Informationsveranstaltungen sind für anfangs September geplant. Im Herbst werden die beiden Gemeinderäte entscheiden, ob an die Wintergemeindeversammlungen Anträge über die Aufnahme formeller Verhandlungen gestellt werden.

«Ich freue mich auf den Prozess», erklärte Hans Vogel. «Es geht darum, sich grundsätzliche Fragen über die Zukunft unserer Gemeinde zu machen. Wenn wir selbstständig bleiben wollen, werden wir wissen weshalb. Ohne den Prozess wissen wir es nicht.»