Bezirk Brugg
Finanzausgleichs-Revision der reformierten Kirche hat Konsequenzen – vor allem für Thalheim

Die Revision des Finanzausgleichs der reformierten Landeskirche sorgt in Thalheim für Veränderungen. Für andere Kirchen hat es kaum Folgen.

Andrina Wiggli
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Die Kirchgemeinde Thalheim muss die Pfarrstelle reduzieren.

Die Kirchgemeinde Thalheim muss die Pfarrstelle reduzieren.

Der Finanzausgleichfonds der reformierten Landeskirche Aargau wurde in den letzten Jahren zu stark belastet und die Reserven wären in absehbarer Zeit aufgebraucht. Grund genug, das Reglement per 1. Januar 2019 zu revidieren. Neu erhalten nur neun und nicht mehr zwölf Kirchgemeinden einen Beitrag.

Bis anhin wurde bei einem Defizit bis zu 40 Prozent des Aufwands durch den Finanzausgleich gedeckt, ungeachtet der Finanzkraft der jeweiligen Gemeinde. Die einzige Bedingung war, dass der Steuerfuss mindestens 21 Prozent betragen muss. Neu werden nur noch finanzschwache Gemeinden unterstützt. Als finanzschwach gilt eine Kirchgemeinde, wenn ihre Steuerkraft pro Mitglied unter 75 Prozent der durchschnittlichen Steuerkraft pro Mitglieder aller Kirchgemeinden liegt. Zudem wird neu nicht mehr das gesamte Defizit, sondern nur ein errechneter Anspruch ausgeglichen. Es soll als Anreiz dienen, strukturelle Schwächen zu bereinigen.

Die Dekanin der Region, Verena Salvisberg, begrüsst die Änderungen. «Der Finanzausgleich ist fairer organisiert», so Salvisberg. Beiträge werden weiterhin ausbezahlt, sie sind allerdings anders verteilt. Die Autonomie der Kirchgemeinden bleibt aber unverändert bestehen. Wie die strukturellen Defizite angepasst werden – durch Reduktion von Stellenvolumen, Einsparungen dank Fusionen mit anderen Gemeinden oder anderweitig –, bleibt der jeweiligen Kirche selbst überlassen.

Für viele ohne direkte Folgen

Die Auswirkungen der Teilrevision auf die einzelnen Kirchgemeinden im Bezirk Brugg sind unterschiedlich. Der Grossteil spürt die Veränderungen des Finanzausgleichs kaum. Dennoch ist die finanzielle Situation schwieriger geworden. Die schwindenden Mitgliederzahlen führen zu rückläufigen Steuereinnahmen. In Brugg wurden bisher keine Beiträge aus dem Finanzausgleich bezogen und daher ist Brugg «von der neuen Regelung nicht betroffen», sagt Hansjörg Lüscher, Kirchengutsverwalter der Kirchgemeinde Brugg. Auch in Windisch muss man aufgrund der sinkenden Mitgliederzahlen sparen und eng budgetieren. «Die Sparmassnahmen müssen wegen der Revision des Finanzausgleichs aber nicht speziell angepasst werden», erläutert Anita Gisler vom Sekretariat der Kirche Windisch.

Anders sieht es für die Kirchgemeinde Thalheim aus. Sie ist vom neuen Finanzausgleich stark betroffen. Künftig wird die Kirchgemeinde keine Beiträge mehr aus dem Fonds erhalten. «Aus Kostengründen wollen wir die Pfarrstelle von 80 auf 60 Prozent herabsetzen», sagt Silvia Schneider-Roth, Präsidentin der Kirchenpflege Thalheim. Zudem wurden die Laienprediger, die an den Freisonntagen des Pfarrers predigten, gestrichen und durch das Projekt «Kirche unterwegs» ersetzt. An diesen Sonntagen wird ein Gottesdienst in den Nachbargemeinden Veltheim oder Auenstein besucht. Eine Fusion wurde ebenfalls angedacht, ist vorerst aber nicht das Ziel der Kirchgemeinde.

Eine andere Sachlage zeigt sich bei den Baubeiträgen. Um Baubeiträge der reformierten Landeskirche Aargau erhalten zu können, muss eine Gemeinde nicht finanzschwach sein. Denn auch für finanzstarke, aber kleine Gemeinden können Baubeiträge Sinn machen. Der Unterhalt der historischen Substanz ist stets ein grosser Posten im Budget.

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