Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierquartett Nr. 1 g-Moll weist drei Sätze auf – dasselbe trifft auf Friedrich Theodor Fröhlichs Klavierquartett d-Moll zu. In der Stadtkirche Brugg fand am Sonntagabend die Erstaufführung der vom Amadeus-Verlag neu veröffentlichten Noten statt. Aber nur auf dem Papier des Programmhefts zum dritten Fröhlich-Tag. Denn der vierte Satz – Finale. Allegro non troppo – hat sich der Drucklegung verweigert.

Dabei, sagt der Geiger Sebastian Bohren, sei gerade dieser ein sehr langer und, fügen wir hinzu, ein sehr intensiver dazu. Zwar nicht mehr derart überschäumend und spritzig wie der vorangegangene – ein Scherzo. Presto – aber wiederum einer, dessen melodische Prägnanz und unerwartete Stimmungswechsel beeindrucken.

Heitere Grundstimmung

Der Brugger Komponist schrieb das Klavierquartett 1835; ein Jahr später setzte der damals 33-Jährige seinem Leben ein Ende. Wiewohl das Werk in Moll gehalten ist, lockt Fröhlich die Zuhörer auf eine falsche Fährte. Denn dieses überrascht durch eine insgesamt heitere Grundstimmung, eine verschwenderische Fülle eingängiger Ideen sowie zahlreiche Verweise auf Fröhlich-Zeitgenossen wie etwa Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Maria von Weber, aber auch auf Franz Schubert und Frédéric Chopin.

Von allen klingt etwas an in Fröhlichs Klavierquartett, was die Zuhörer permanent über die Urheberschaft rätseln lässt. Kein Wunder, so Sebastian Bohren, habe gerade dieser Umstand ihm sowie dem Pianisten Benjamin Engeli, der Cellistin Maja Weber und dem Bratschisten Lech Uszynski bei den Proben Spass gemacht. Wie sehr, ist dann auch im Konzert hör-, und sichtbar. Man kann das Spiel des Quartetts mit einem nach allen Regeln der Kunst ausgetüftelten, schwierigen Ballspiel vergleichen. Man wirft sich den Ball zu, dabei ist der schwungvoll-elegante Wurf ebenso wichtig wie das elegante Auffangen des Balls.

Deswegen darf nie etwas schwer, sondern leicht und spielerisch wirken. Man höre nur einmal, wie locker und nobel Benjamin Engeli seinen virtuosen Klavierpart spielt und sich dabei nie in den Vordergrund spielt oder wie die Streicher die Figurationen im Kopfsatz liebevoll auskosten und mit kantabler Wärme beseelen.

Musiker stehen im Dialog

So lässt man sich begeistern von einer Interpretation, die ein echter Dialog zwischen dem Klavier und den Streichern ist. Damit bestätigt sich der vorgängige Eindruck bei Mozarts erstem Klavierquartett g-Moll. Auch hier gehen die wesentlichen Impulse vom Klavier aus.

Benjamin Engeli gestaltet die virtuosen Läufe ganz klar und perfekt auf die drei Streicher abgestimmt. Und diese erweisen sich auch bei Mozarts Klavierquartett als Teamplayer, die auf jede noch so kleinste Anregung des Pianisten sofort reagieren – und zwar so, dass Mozarts feine Klangbalance in jedem Augenblick gewahrt bleibt und zu bewundern ist.