Mit der gestrigen Ankündigung, Beznau 1 nach einem rund dreijährigen Unterbruch wieder in Betrieb zu nehmen, sind auch die Atomkraftkritiker präsent auf allen Kanälen. Diesen Sonntag laden sie ein ins Kulturhaus Odeon in Brugg zum «Halbwertszeit-Filmfestival».

Mit dieser jährlichen Veranstaltungsreihe wird erinnert an die Katastrophe von Fukushima am 11. März 2011. Nach einem Erdbeben und der Überflutung durch einen Tsunami kam es zu Kernschmelzen in den Reaktorblöcken im Atomkraftwerk an der japanischen Ostküste. Radioaktives Material wurde freigesetzt.

Japan einen Tag nach der Katastrophe im Jahr 2011: 

Das «Halbwertszeit-Filmfestival» will die Folgen aufzeigen und den Betroffenen eine Stimme geben. Engagierte Filmemacher, die sich mit den Geschehnissen in den verstrahlten Gebieten befassen, erhalten eine Plattform.

Vieles noch nicht gewusst

Diesmal werden zwei Filme gezeigt des Regisseurs und Juristen Hiroyuki Kawai: «Nuclear Japan» und «Renewable Japan» – erstmals versehen mit deutschen Untertiteln vom erfahrenen Fernsehjournalisten und -produzenten Hartmut Idzko.

Es handle sich sozusagen um Premieren in der Schweiz, freut sich Atomkraftkritiker und Mitorganisator Heini Glauser aus Windisch. Er spricht von zwei sehr detaillierten Werken. Sogar Filmer Hartmut Idzko, der lange in Japan lebte, habe ihm gesagt, dass viel gezeigt werde, was er noch nicht gewusst habe.

Kurz: «Es sind spannende Ersthand-Informationen», sagt Glauser. Die Filme können uns sehr viel lernen, fährt der Windischer fort. «Grosse Fehler sollten von der Menschheit ja nicht wiederholt werden.» Und mit dem Entscheid des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) und des Stromversorgers Axpo, Beznau 1 wieder anzustellen, gewinnen sie an zusätzlicher, trauriger Aktualität, ergänzt er.

Fukushima-Effekt soll nachwirken

Der Ausdruck Halbwertszeit bezeichnet die Zeitspanne, in der sich die radioaktive Strahlung um die Hälfte verringert. Beim Filmfestival steht der Begriff laut den Organisatoren auch dafür, «wie lange der Fukushima-Effekt in unserem Gedächtnis nachwirkt und die Debatte um den Atomausstieg, die Energiewende und unseren Ressourcenverbrauch mitbestimmt».

Glauser pflichtet bei: Die Herausforderung bei der Organisation einer solchen Veranstaltung bestehe auch darin, die Aufmerksamkeit auf ein Ereignis vor sieben Jahren zu lenken – «dies in einer Zeit mit enorm schnellem News-Umlauf».