Damit Studierende für die internationale Arbeitswelt gewappnet sind, müssen sie mehr kennen als die Schweizer Realität. Deshalb setzt die Fachhochschule Nordwestschweiz auf die kulturellen Austauschseminare Focus India, Insight China und connectUS. Studierenden aus der Region wird dadurch ein dreiwöchiger Aufenthalt in den beiden asiatischen Ländern und in den USA ermöglicht.

In den letzten drei Wochen war die diesjährige Delegation Studierender im Ausland unterwegs. Im Campus Brugg/Windisch erzählten sie gestern von ihren Eindrücken. «In China ist alles 200 Mal grösser als hier», sagte Maschinenbaustudent Thomas Schmid. Dieses Jahr stand die Reise unter dem Thema: «Von ‹made in China› zu ‹designed in China›». Gemäss Schmid würden in China zunehmend nicht nur Pläne von westlichen Firmen umgesetzt, sondern immer mehr Produkte gänzlich am Ort konzipiert und hergestellt.

Die Studierenden besuchten Niederlassungen von Schweizer Firmen wie Schindler, Nestlé oder die zur Kabelwerke Brugg gehörende Firma Geobrugg.«In China schiessen grosse Städte wie Pilze aus dem Boden», sagt Samuel Merker, der an der FHNW International Management studiert. Um ausländisches Kapital anzuziehen, hätte die chinesische Regierung einige gigantische Hightechzentren gebaut, wie Maschinenbaustudent Simon Hugentobler erzählt.

In Indien würden ebenfalls grosse technologische Zentren samt Bildungsstätten und Flughafen gebaut, weitab von den bereits existierenden Städten. «Wir haben die Baustelle einer Wirtschaftsschule besucht, die mitten im Nichts liegt», erzählt Maschinenbaustudent Benjamin Gugger. Auch in Indien besuchten die Studierenden Schweizer Firmen wie Novartis, Integra oder die ABB. Verglichen mit der Schweiz würden in Indien viel mehr Menschen in einer Fabrik arbeiten. «Die Werke scheinen sehr eng bei so vielen Leuten», sagt Gugger. Als markantester Unterschied zur Schweiz sind den Studierenden die in Indien herrschenden Kontraste aufgefallen zwischen Arm und Reich oder Modern und Archaisch. «In der Firma MDH ist der Chef heute noch ein Guru, vor dem die Arbeiter knien müssen», sagt Preisig.

Amerikaner probieren einfach aus

In den USA fand Wirtschaftsstudent Francesco Vinci vor allem an der multikulturellen Gesellschaft Gefallen. Und die Unternehmermentalität der Amerikaner sei eine völlig andere: «Während wir Schweizer uns detaillierte Pläne ausdenken, probieren die Amerikaner eine Idee einfach mal aus.» Als weiteren Unterschied fiel ihm die Sportpflicht an den Elitehochschulen Harvard und MIT auf. «Wer dort 100 Yards nicht in einer gewissen Zeit schwimmen kann, bekommt keinen Abschluss», sagt er.

Die amerikanischen Studenten schienen Vinci verbissener. Oft seien sie gar am Samstagabend an der Hochschule anzutreffen. «ETH-Abgänger, die nun im MIT studieren, haben mir gesagt, dass dort alles eine Nummer grösser ist», erzählt Vinci.