Brugg-Windisch
FHNW-Referenten: «Grossprojekte sind eine Chance für die Schweiz»

Das Resort von Samih Sawirirs in Andermatt dient Tourismusfachleuten der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) als Musterprojekt. Erfolgsrezepte sind: Eine guten Idee, intensive Gespräche mit allen Beteiligten und eine klare Organisation.

Dieter Minder
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Dozent Walter Hugentobler, Berater Benjamin Buser und Projektleiter Benno Bühlmann (von links)

Dozent Walter Hugentobler, Berater Benjamin Buser und Projektleiter Benno Bühlmann (von links)

Zur Verfügung gestellt

Können in der Schweiz noch Grossprojekte realisiert werden? Ja, und es sind Grossprojekte, die die Schweiz weiter bringen – so lauteten die Antworten, von Benno Bühlmann und Benjamin Buser im Campus Brugg Windisch der FHNW (siehe separater Text).

Mit dem Resortprojekt in Andermatt und der Verbindung der Skigebiete von Andermatt und Sedrun untermauerten sie ihre Aussagen. Voraussetzungen für den Erfolg sind, neben einer guten Idee, intensive Gespräche mit allen Beteiligten, und eine klare Organisation. Dann wird ein Projekt akzeptiert und kann realisiert werden.

Das öffentliche Interesse geht vor

Mit dem Rückzug der Armee stand Andermatt vor einer Umwälzung als Samih Sawiris, Investor aus Ägypten mit seiner Orascom Holding (ODH) 2005 Interesse an einem Ferienressort im Urserntal bekundete.

Walter Hugentobler: «Motivation für den Tourismus»

Professor Walter Hugentobler Ennetbaden, ist Dozent an der Hochschule für Wirtschaft (FHNW). An dieser Schule werden Betriebsökonomen (Bachelor) ausgebildet. Diese müssen im 3. Studienjahr einen Vertiefungskurs besuchen. Denjenigen zum Thema «Tourismus- und Eventmarketing» hat Hugentobler konzipiert. «Das Ziel dieser Vertiefungskurse liegt grundsätzlich darin, dass die Studierenden Schwerpunkte im Studium setzen können und vielleicht motiviert werden, in Zukunft in dieser Branche zu arbeiten», sagt er. Das Referat «Der Fall Andermatt» war die öffentliche Veranstaltung des Kurses. In weiteren Kursteilen werden unter anderem Roger Geissberger, der CEO der Knecht-Gruppe Windisch und Werner Twerenbold, Eigentümer der Twerenbold Reisen AG, Baden ihre Businessmodelle vorstellen.
Benno Bühlmann war bis Ende 2012 bei Kanton Uri tätig. Er war Vorsteher des Amts für Umweltschutz und zugleich Gesamtprojektleiter im Auftrag des Regierungsrats für die beiden Grossprojekte Tourismusresort Andermatt und Skigebietsverbindung Uri-Graubünden. Ab 1. Juli wird Bühlmann das Bundesamt für Bevölkerungsschutz leiten.
Benjamin Buser ist Projektleiter Stadt und Regionalwirtschaft bei der Ernst Basler + Partner. Er leitete die Nachhaltigkeitsanalyse für Skigebietserweiterung Urserntal-Oberalp. Als Planer und Berater hat er am Stadtentwicklungskonzept Brugg mitgewirkt und für die Entwicklungsplanung Baden gearbeitet. (DM)

Das Resort sollte einen 18-Loch-Golfplatz, 4 bis 6 Hotels der 4- oder 5-Sternklasse, Villen, Appartements mit zirka 3000 Betten und weiteren Anlagen in einem guten Skigebiet umfassen.

«Sawiris hatte die Vorstellung es müsse alles schnell und einfach vor sich gehen, die Urner Bevölkerung war sehr euphorisch», umriss Benno Bühlmann die Ausgangslage. In einem umfassenden Gesprächsprozess, gesteuert von der Kantonsregierung, wurden Ziele formuliert.

«Es wurde festgelegt, dass das öffentliche Interesse dem privaten Interesse übergeordnet bleibt, dass die schweizerischen Raumplanungsgrundsätze und das Umweltrecht eingehalten werden, dass die demokratischen Spielregeln beachten werden, dass das Projekt nachhaltig sein muss und dass es nicht um jeden Preis realisiert wird.»

Organisation ausserhalb der Verwaltung

Der Urner Regierungsrat beschloss, eine Projektorganisation ausserhalb der Verwaltungsstruktur aufzubauen und setzte Bühlmann als Projektleiter ein. Entsprechende Projektorganisationen wurden bei der ODH und in der Gemeinde Andermatt aufgebaut.

Die weiteren Planungsarbeiten erfolgten gemeinsam. Als Grundlage wurde ein Masterplan erstellt. «Das Dorf mit seinen Besonderheiten muss erhalten bleiben, es ist ein Ortsbild von nationaler Bedeutung», betonte Bühlmann.

«Die neuen Bauten sollten eine Ergänzung des bestehenden Siedlungsgebietes sein.» Als Rahmenbedingung galt, die Landschaftsmerkmale des Urserntals zu erhalten. In weiteren Planungsschritten wurden die Vorstellungen konkretisiert.

Damit wurde die Grundlage für das Resort geschaffen. Als dessen erstes Element wurde Ende Dezember das Hotel Chedi eröffnet. Weitere Bauarbeiten sind im Gange.

Mit dem Projekt wird der Bahnhof Andermatt verlegt. Er liegt damit näher beim Resort und beim Dorf und birgt eine Ausbauoption. Der Bahnhof steht, so Bühlmann, direkt über dem Gotthardtunnel.

Von einer Haltestelle im Tunnel könnte Andermatt mit einem Lift an die Gotthard-Bergstrecke angebunden werden. Die Idee der Portaalpina des Gotthard Basistunnels würde so, in anderer Form, doch noch zum Vorteil der Bergregion realisiert.

Nachhaltiges Projekt

Um das in die Jahre gekommene Skigebiet von Andermatt wieder konkurrenzfähig zu machen, werden neue Anlagen gebaut und dieses im Bereich des Oberalppasses mit dem Skigebiet von Sedrun verbunden.

Dazu wurde auch ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt, der der Frage nachging: «Leistet der Bau und Betrieb einer modernisierten und ausgebauten Skiinfrastruktur einen relevanten Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Region Urserntal/Oberalp?»

Im Bericht werden 14 Varianten untersucht und deren Vor- und Nachteile aufgezeigt. Fünf Varianten daraus werden als nachhaltig beurteilt. Welche ausgeführt wird, ist noch offen.

Weitere Informationen beim Kanton Uri, bei der Urner Kantonalbank, Ernst Basler + Partner