Brugg-Windisch

FHNW Campus: «Die Leute sollen sehen, wohin die Steuergelder geflossen sind»

Rolf Schaeren (Stv. Direktor der FHNW, links) und Projektleiter Markus Rudolf freuen sich: «Die Herstellung von Plastikbechern ist für unsere kleinen und grossen Besucher bestimmt spannend.»

Rolf Schaeren (Stv. Direktor der FHNW, links) und Projektleiter Markus Rudolf freuen sich: «Die Herstellung von Plastikbechern ist für unsere kleinen und grossen Besucher bestimmt spannend.»

Am Campus fiebern alle dem Tag der offenen Tür am Samstag entgegen. Auf die Besucher wartet ein vielseitiges Programm, für die Vorbereitung und die Durchführung des Besuchstages sind 500 Helfer im Einsatz.

Vorfreude gemischt mit einer Prise Anspannung: So lässt sich die Befindlichkeit im Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) derzeit auf den Punkt bringen. Alle und alles ist ausgerichtet auf den Anlass schlechthin – den Tag der offenen Tür am Samstag. Über ein Jahr lang wurde daraufhin geplant – nun soll das Gedachte in die Realität umgesetzt werden. Der 190-Millionen-Franken schwere Campus ist zwar im Herbst 2013 eröffnet worden, «doch wir wollten mit dem Tag der offenen Tür zuwarten, bis auch das Gebäude 4 fertig war», sagt Projektleiter Markus Rudolf (Hochschule für Technik, Institut für Geistes- und Sozialwissenschaften IGS).

Jetzt steht das Herz im Zentrum

Stand vor einem Jahr das Äussere, der Campus-Koloss, im Zentrum, steht am Samstag das Innere – «das Herz», wie Rudolf betont – im Fokus. Rudolf Schaeren (Stv. Direktor der FHNW) verweist in diesem Zusammenhang «auf die überwältigende Zustimmung der Aargauer Bevölkerung zum Campus, die mich noch heute freut» und Rudolf doppelt nach: «Am
13. September wollen wir zeigen, dass der Campus nicht bloss für die Studierenden, sondern eben auch für die Bevölkerung da ist.»

Nicht zuletzt soll das Publikum sehen können, wohin die Steuergelder geflossen sind. «Ihm soll überdies erst recht oder vermehrt bewusst werden, dass im Campus die Pädagogische Hochschule, die Hochschule für Technik sowie die Hochschule für Wirtschaft vereint sind. «Was wollt ihr überhaupt zeigen? Ihr seid doch eine Schule»: Diese Fragen bekam Markus Rudolf im Vorfeld der Veranstaltung öfters zu hören. «Ja, wie ‹stellt› man eine Schule dar?» Ganz sicher nicht mit einer staubtrockenen Aufbereitung.

Nein, anregend, lustvoll und witzig soll es jetzt mit der Unterstützung von 500 vor und hinter den Kulissen wirkenden Helferinnen und Helfern zu- und hergehen. An Vielseitigkeit ist das Programm kaum zu übertreffen, weshalb Annette Lüthy (Kommunikation) von «vielen Schaufenstern» spricht, in die kleine und grosse Besucher blicken können.

«Das ist ein Mehrwertbecher»

Ein Schaufenster haben wir uns gestern herausgepickt und näher angeschaut. Wir haben das Kunststofflabor aufgesucht. Mit seinen Maschinen gleicht es eher einer Fabrik. Vorne türmen sich unzählige Plastikbecher in den Farben Orange, Pink, Grün, Gelb und Violett. Darob müsste jedes Kind jauchzen vor Freude, denken die Besucher. Aber nur um der knalligen Farben willen stehen die Becher selbstverständlich nicht im Kunststofflabor. «Hier produzieren wir aus Granulat gebrauchsfertige Trinkbecher», erläutert der Kunststofftechnologe Daniel Zürcher, nimmt einen Becher zur Hand, lässt diesen auf den Boden fallen und setzt den Fuss darauf. Und was passiert?

Weder verformt sich der Becher, noch zerfällt er in einzelne Teile. Alle Achtung. Der Becher muss aber auch relativ aggressive Stoffe, wie sie in einzelnen Getränken enthalten sind, verkraften können. Kommt hinzu, dass er sich überdies nicht bockig zeigen darf, wenn man ihn in die Geschirrspülmaschine steckt oder im alltäglichen Gebrauch überstrapaziert. «Das ist ein Mehrzweckbecher», sagt Daniel Zürcher lächelnd.

Nicht aus Teufels Küche

Der Kunststofftechnologe geht zu einem Sack, holt Granulat heraus und schüttet es in einen Zylinder. Die Becher werden im sogenannten Spritzgussverfahren hergestellt. Dabei wird mit einer Spritzgiessmaschine der jeweilige Werkstoff verflüssigt (plastifiziert) und in eine Form – dem Spritzgiesswerkzeug – unter Druck eingespritzt. Im Werkzeug geht der Werkstoff sodann durch Abkühlung oder eine Vernetzungsreaktion wieder in einen festen Zustand über und wird nach dem Öffnen als Fertigteil entnommen. Das liest sich «papieren» und kann somit nicht wiedergeben, was das Publikum am Samstag live zu sehen bekommt: die Produktion von Trinkbechern.

Tüpfelchen auf dem i der Demonstration ist die Sirupbar. Die nigelnagelneuen Becher werden mit einem kühlen Getränk gefüllt. Aus des Teufels Küche kommt dieses nicht, wiewohl im Sirup ein Stäbchen mit Trockeneis steckt. Resultat: Es dampft. So, als ob Goethes Mephisto unter dichten Dampfwolken aus den Bodenspalten stiege.

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