«So viel ist sicher: Werden beide Organisationen gleichzeitig zu einem Einsatz aufgeboten, ist die Lage ernst», hält Patrick Vogt, Leiter Ausbildung der Feuerwehr Brugg, fest, während neben ihm Angehörige der Feuerwehr zusammen mit Zivilschutzangehörigen eine Strebenleiter aufrichten. Will heissen: Die zu erwartenden Gefahren sind entsprechend gross. «Da müssen alle Abläufe reibungslos funktionieren, die Handgriffe sitzen – und vor allem: das gegenseitige Vertrauen garantiert sein», erklärt Vogt.

Und wie elementar diese Erkenntnis ist, lässt sich nur schon an dem Geschehen, das sich im Hintergrund abspielt, erahnen: Die schwere, lange Strebenleiter erweist sich als einigermassen tückisch für die, die den Umgang mit ihr nicht gewohnt sind. Man begreift, dass den Helfern in der Hitze des Gefechts schlimmstenfalls gar die eigenen Gerätschaften zum Verhängnis werden können. Dem gilt es vorzubeugen.

Feuerwehr und Zivilschutz sind zwei der fünf Partnerorganisationen im Verbundsystem des Bevölkerungsschutzes. So die Idee auf dem Papier. Wenn eine Partnerschaft aber auch wirklich als solche funktionieren soll, ist es unabdingbar, dass sich die Beteiligten kennen: Wie denken und funktionieren die anderen? Über welche Fertigkeiten verfügen sie, was kann man von ihnen verlangen, was nicht? Mit welchem Hilfsmaterial, welchem Werkzeug arbeiten sie?

Konzept ist kein Papiertiger

Damit dieses Partnerkonzept kein Papiertiger bleibt, hat nun die ZSO Brugg Region ihren Bereitschaftszug «Tiger» mit den Profis der Feuerwehr Brugg zusammengebracht. Unter dem Motto «Drill, Grill & Chill» organisierte die Feuerwehr Brugg zwei Übungen, in die das Dutzend Pioniere des Bereitschaftszuges «Tiger» der ZSO Brugg Region integriert worden sind.

In gemischten Teams waren diverse Posten zu absolvieren, die mit typischen Szenarien aus dem Feuerwehralltag aufwarteten: Die Bergung einer unter einem Fahrzeug eingeklemmten Person mittels Luftkissen etwa oder die Etablierung eines Fluchtwegs über eine Leiter für einen in einem Gebäude eingeschlossenen Atemschutztrupp. Im Mittelpunkt stand dabei weniger Tempo und technische Perfektion als vielmehr die «interkulturelle Verständigung»: Wie gehen Zivilschutzpioniere aber auch Feuerwehrleute damit um, wenn sie plötzlich Befehle aus ungewohntem Mund erhalten? Im Ernstfall ist es nämlich durchaus denkbar, dass die Beteiligten blitzschnell improvisieren und Teams ad hoc aus den gerade verfügbaren Kräften organisationsübergreifend zusammenstellen müssen. «Ein Gruppenführer hat eine enorme Verantwortung», sagt Patrick Vogt. Der Gruppenführer, gehöre er der Feuerwehr oder dem Zivilschutz an, ist es, der letztlich entscheidet, wer wie eingesetzt werden kann und darf. Und das geht eben nur, wenn dieser weiss, mit wem er es zu tun hat.

Bilanz fällt positiv aus

Die Bilanz, die beide Seiten aus dieser Übung ziehen, fällt ausgesprochen positiv aus. Der Zivilschutz erweist sich als wertvolle und vollwertige Unterstützung für die Feuerwehr. Florian Isenring und Robert M. Stöckli, die Kommandanten der Feuerwehr Brugg respektive der ZSO Brugg Region zeigten sich bei den Schlussbesprechungen hocherfreut über die reibungslose Zusammenarbeit. Stöckli erinnerte indes daran, dass der Zivilschutz keinesfalls in die klassischen Kernkompetenzen der Feuerwehr – wie beispielsweise die Brandbekämpfung – vordringen könne oder wolle. Kooperationen ergeben sich vor allem bei Ausnahmeereignissen, die grosse Teile der Bevölkerung betreffen – zum Beispiel bei Hochwassersituationen. Hier aber sei der Zivilschutz längst nicht mehr auf blosse Aufräumarbeiten oder Ähnliches beschränkt, sondern könne auf Augenhöhe mit der Feuerwehr mithalten. (AZ)