Das Ortsmuseum Schürhof Windisch von Walter und Magdalena Spillmann bekam dieser Tage von der Gemeinde Windisch eine interessante Leihgabe zur dauerhaften Aufnahme: eine im Originalzustand und mit Originalzubehör erhaltene militärische «Fahrküche Modell 1909», im Volksmund Gulaschkanone genannt. Sie wird am traditionellen Trottenfest vom 11. Oktober in Betrieb genommen, mit Holz befeuert und für die Pot-au-feu-Aufbereitung eingesetzt. Dieses wird aus hygienischen Gründen allerdings nicht in den beiden alten, je 110 Liter fassenden Behältern gekocht, sondern von der Zentrum-Metzg angeliefert und im Chromstahleinsatz in der Gulaschkanone aufgewärmt. Alsdann wird es in der Festwirtschaft serviert.

Anleitung mit Menüvorschlägen

Für die Schweizer Armee gab das Militärdepartement 1902 eine «Anleitung über die Zubereitung der Speisen im militärischen Haushalte» heraus. Einleitend schrieb es: «Nur ein richtig genährter Mann ist den Anforderungen gewachsen, welche das Kriegshandwerk an Leib und Seele stellt. Unter mangelhafter Ernährung leidet vorab das körperliche Wohlbefinden, schliesslich aber auch die ganze soldatische Tüchtigkeit des Mannes.» Integriert in die Anleitung waren Menüvorschläge; bei den Hauptmahlzeiten war das Standardgericht Suppe mit Spatz. Die Fleischportion wurde auf 375 Gramm festgelegt.

Grosser Wert wurde der Zubereitung beigemessen. Ab 1880 gelangten im Feld sogenannte Wagenküchen, zwei- oder vierrädrig, für die Kavallerie und Artillerie zum Einsatz. Ab 1903 entwickelte die Konstruktionswerkstätte Thun eine Fahrküche für die Infanterie und die Genietruppen. 1909 sprachen Bundesrat und –versammlung einen Kredit von 1,24 Mio. Franken für den Bau von 460 dieser «Fahrküche Modell 1909».

1951 ausgeschieden

Die meisten Fahrküchen wurden 1951 ausgemustert und an interessierte Zivilschutzorganisationen (ZSO) und Gemeinden abgegeben. Dabei griff auch Windisch zu. Zu längeren Einsätzen kam die fahrende Küche allerdings nicht bei der ZSO, sondern bei der Feuerwehr: Diese führte zwischen 1974 und 1990 alljährlich am Muttertag einen Suppentag durch, wobei Suppe mit Spatz, in der Gulaschkanone gekocht, den bis zu 900 Besuchern ausgeschenkt wurde. Der Reinerlös floss der Heilpädagogischen Schule zu. 14 Mal amtierte Ueli Braun als Koch.

Er wird auch am bevorstehenden Trottenfest beim Betrieb Hand anlegen. Nach 1990 wurde die Fahrküche eingemottet, bis sie nun reaktiviert wird, eine neue Bleibe gefunden hat und die nötige Pflege erhalten wird.

Trottenfest Windisch am Sonntag, 11. Oktober, 11-17 Uhr, mit Traubenpressen der Villiger Winzer, Küferhandwerk-Vorführung, Mosten und Pot-au-feu.