Birr-Lupfig
Fertig Post nach 31 Jahren: Das Ehepaar Meier geht in Pension – für die Grosskinder

Myrta und Ruedi Meier aus Mellingen haben 31 Jahre lang die Poststelle in Birr-Lupfig geführt – nun haben sie andere Pläne.

Janine Müller
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Sie sind verheiratet und haben lange Zeit zusammen gearbeitet: Ruedi Meier (Poststellenleiter) und Myrta Meier (Mitarbeiterin PostOffice).

Sie sind verheiratet und haben lange Zeit zusammen gearbeitet: Ruedi Meier (Poststellenleiter) und Myrta Meier (Mitarbeiterin PostOffice).

Janine Müller (jam)

31 Jahre lang haben sie auf der Poststelle Birr-Lupfig gearbeitet. Sie haben Kunden bedient, Briefe und Einzahlungen entgegengenommen, Päckli über den Tresen geschoben und vor allem: viele Geschichten gehört. Nun haben Myrta (60) und Ruedi Meier (61) beschlossen, sich früher pensionieren zu lassen. Myrta geniesst ihren Ruhestand bereits seit dem 30. November, Ruedi folgt ihr nächsten Freitag, am 31. März, in die Pension.

Es sei also keineswegs so, dass ihnen die Arbeit keinen Spass mehr gemacht hätte, sagen sie am Pausentisch in der Poststelle in Birr-Lupfig. Im Gegenteil. Aber als vor ein paar Monaten das dritte Grosskind auf die Welt kam, machten sich Myrta und Ruedi Meier erste Gedanken über eine Frühpensionierung. Denn für ihre Tochter war es das dritte Kind und sie möchte dennoch bei der Postfinance weiterarbeiten. Für Myrta, die bisher bereits die zwei anderen Enkelkinder betreut hat, war klar, dass sie sich auch um das dritte kümmern wird. Denn sie wollte ihrer Tochter unbedingt ermöglichen, dass diese weiterhin arbeiten kann. «Ich wusste aber auch, dass ich das alleine nicht mehr schaffe», sagt sie und schmunzelt. «Ich bin ja auch nicht mehr Mitte 20 wie damals, als ich Kinder hatte.»

Und so reifte der Plan, dass sich Ruedi und Myrta innerhalb weniger Monate früher pensionieren lassen. Myrta Meier sagt: «Ich bin froh, dass mir mein Mann bei der Grosskinder-Betreuung helfen wird.» Sie weiss, wie wertvoll die Unterstützung in der Kinderbetreuung ist. «Unsere Mütter haben uns damals, als wir drei Kinder hatten, ebenfalls so unterstützt, damit wir beide arbeiten gehen konnten», sagt Myrta Meier.

Liebe bei der Arbeit gefunden

Die Post hat bisher das Leben von Myrta und Ruedi Meier bestimmt. Myrta wusste mit 16 Jahren nach der Schule nicht so recht, was sie werden möchte. Der Posthalter von Mellingen, dem Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, fand dann, sie soll doch die Lehre bei ihm machen. Und so entschloss sie sich, die Lehre zur Betriebsassistentin (heute Mitarbeiterin PostOffice) bei der Post zu absolvieren. Sie wurde das Gesicht hinter dem Schalter. Und Ruedi, der in Niedergösgen aufgewachsen ist, absolvierte zuerst die Verkehrsschule in Olten. Viele Möglichkeiten standen ihm damals nach dem Abschluss offen. Die Swissair, die SBB oder doch die Post? Warum er sich ausgerechnet für die Post entschieden hat, weiss Ruedi Meier heute nicht mehr. «Mir war einfach wichtig, dass ich weiterhin mein Hobby, das Fussballspielen, ausüben kann. Das wäre bei der SBB oder Swissair schwierig geworden», sagt er. Und so wechselte er zur Post, machte seine Lehre auf den Poststellen in Schönenwerd und Suhr.

Post hat einen Nachfolger gefunden

Einen Nachfolger für Ruedi Meier hat die Post bereits gefunden. Der neue Poststellenleiter in Birr-Lupfig ist Rosano Maestri. Er ist 60 Jahre alt und in Villmergen wohnhaft. Rosano Maestri hat derzeit die Funktion als Poststellenleiter in Koblenz inne. Er wird die Stelle in Birr-Lupfig im Juni antreten. Bis dahin wird die Poststelle vorübergehend durch Ablösepersonal betreut. Das Spezielle: Ruedi Meier lernte Rosano Maestri bereits vor vielen Jahren bei seinem einjährigen Aufenthalt in Bellinzona kennen. Ruedi Meier konnte damals kaum ein Wort Italienisch und Rosano Maestri kaum Deutsch. Gemeinsam wurden sie in Bellinzona eingearbeitet. So schliesst sich der Kreis nach vielen Jahren.

Ohne die Post hätten sich Myrta und Ruedi wohl nicht einmal kennen gelernt. Es war im Jahr 1975, als beide auf der Poststelle in Mellingen ihre Arbeit aufnahmen. Dort lernten sie sich kennen und später auch lieben. Noch heute wohnen die beiden in Mellingen.

Die Arbeit ermöglichte es ihnen auch, die Schweiz kennenzulernen. So verbrachten sie gemeinsam je ein Jahr auf einer Poststelle in Bellinzona und in Genf. Das waren obligatorische Sprachaufenthalte im Tessin und in der Westschweiz. 1985 dann bewarb sich Ruedi Meier für die Posthalterstelle in Birr-Lupfig. Dabei geholfen hat, dass auch seine Frau bei der Post gearbeitet hat. «Damals war es noch üblich, dass ein Ehepaar eine Poststelle übernimmt», sagt Ruedi Meier.

Den Kundenkontakt geschätzt

All den Umstrukturierungen, Veränderungen – «die nicht immer einfach waren» – und dem Verkaufsdruck zum Trotz: Nie haben sie bereut, bei der Post zu arbeiten. Besonders den Kundenkontakt haben beide geschätzt.

Die Gespräche mit den Kunden sind es, die Myrta Meier in den ersten zwei Monaten ihrer Pension am meisten vermisst hat. «Ich hatte schon längi Ziiti», sagt sie. Viele Kunden haben Myrta und Ruedi Meier Persönliches aus deren Leben erzählt. Auch Reklamationen mussten sie die eine oder andere entgegennehmen. «Einer hat sich mal beschwert, dass er die Pöstler nicht mehr höre am Morgen, weil diese keine Benzintöffs mehr haben», nennt Ruedi Meier ein Beispiel.

Trauriges ist in ihrem Alltag ebenfalls vorgekommen. Schwer ums Herz wird es ihnen noch heute, wenn sie sich an den tödlichen Unfall eines 33-jährigen Arbeitskollegen von der Zustellung erinnern. Das sei furchtbar gewesen. Und Myrta Meier erinnert sich an einen alten Mann, der eine 200er-Note nicht wollte. «Die Noten wurden damals neu eingeführt und er wusste nicht, was er mit diesem Schein anfangen sollte», erzählt sie. «Er war so verwirrt, dass er die Note einfach loswerden wollte und sie dem nächsten Passanten in die Hand drückte.»

1975 wechselten Myrta und Ruedi Meier auf die Poststelle in Mellingen. Für Ruedi war es der erste Einsatzort nach der Lehre. Und Myrta arbeitete zuvor auf der Post in Wohlen und wurde in der gleichen Woche, in der Ruedi nach Mellingen kam, dorthin für eine Ferienablösung versetzt. Aus der anfänglichen Arbeits- wurde eine Liebesbeziehung.

Dass die Kunden den persönlichen Umgang geschätzt haben, zeigen die vielen Abschiedsgeschenke und Briefe an die Adresse von Myrta und Ruedi Meier. Post intern wird es nächste Woche ein Abschiedsessen geben.

Auf die gemeinsame Zeit so ganz ohne Arbeit freuen sich Ruedi und Myrta. Darauf, spontan Ausflüge unternehmen und soziale Kontakte wieder besser pflegen zu können. «Es ist schön, mit den Grosskindern auf Spaziergänge und auf Spielplätze zu gehen», sagt Ruedi Meier. Und sie wollen auch reisen. Aber nur in Europa. Norwegen und Schweden seien zuoberst auf der Liste. Reisen wollen sie – wie auch sonst – mit dem Postschiff.