Die aktuelle Klimadebatte ist in aller Munde. Einige zehntausend Jugendliche gehen wöchentlich auf die Strassen. Auch Erwachsene demonstrieren vermehrt mit. Nicht nur in der Schweiz wird protestiert; auf der ganzen Welt halten die Demonstranten ihre Transparente und Plakate in die Luft. Der CO2-Ausstoss soll reduziert und der Klimawandel gestoppt werden. Die Klimastreik-Demonstranten fordern auf unzähligen Plakaten unter anderem eine Reduktion der Flugzeug-Nutzung.

«Zürich-New York retour stösst gleich viel CO2 aus wie 292-mal Zürich–Paris retour mit dem Zug», stand beispielsweise auf einem Plakat am Badener Klimastreik. Verzichten die Schweizer nun vermehrt auf das Flugzeug? Beeinflusst der Klimastreik das Reiseverhalten?

Keine Einbusse bei Knecht-Reisen

Knecht-Reisen verneint dies klar. «Die Reiselust von Herr und Frau Schweizer ist ungebremst. Wir operieren zur Zeit auf dem Kurs des Vorjahres», sagt Matthias Reimann, Mediensprecher von Knecht-Reisen. Sie würden keine Einbussen verspüren und hätten nach wie vor viele Buchungen. Bei der Brugger Bevölkerung seien die Inseln im Indischen Ozean besonders beliebt. Generell sei der ganze asiatische Raum hoch im Kurs. «Thailand oder Vietnam scheinen auf dem Schweizer Markt verlässliche Werte zu sein.» Im Frühling würden für die Kanarischen Inseln sowie den Urlaub am Roten Meer zudem erfreuliche Buchungszahlen erzielt werden. «Der Anteil von Flugreisen beträgt bei uns etwa 90 % des gesamten Reisevolumens.»

Auch bei «Christina Gloor Reisen» zeigt sich ein ähnliches Bild. Viele Menschen würden der Buchungstendenz «Ferien zurück in die Natur» nachgehen. «Die meisten buchen eine Reise mit dem Flugzeug», sagt Gloor.

Auch bei TUI merkt man nichts

Der Touristikkonzern TUI, der rund 60 seiner 1800 Filialen in der Schweiz hat, spürt ebenfalls keine negativen Auswirkungen aufgrund des Klimastreiks. Im Gegenteil: Länder wie die Türkei und Ägypten seien wieder im Aufwind. Die Türkei habe sogar ein Buchungsplus von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Reisen nach Griechenland oder Kreuzfahrten werden von den Schweizern vermehrt gebucht.

Bei der Brugger TUI-Filiale sind die Inseln im Indischen Ozean (Malediven und Mauritius) im Frühling sehr gefragt. Hinzu kommen die Kanaren und Mallorca, die seit Jahren für hohe Buchungszahlen sorgen. Wenn die Brugger über die Ostertage eine Städtereise machen, so gehe diese vor allem nach Lissabon, Barcelona oder Tel Aviv.

«Die meisten TUI-Kunden reisen mit dem Flugzeug in die Ferien. Die Buchungen liegen auf Vorjahresniveau. Trotz der Klimadebatte reisen die Kunden weiterhin und das ist auch gut so», sagt Bianca Schmidt, zuständig für Marketing und Kommunikation der Tui Schweiz. Das Unternehmen setze sich schon seit Jahren für eine «ökologische und soziale Umwelt» ein. Mit der ‹Tui Care Foundation› hätten die Feriengäste die Möglichkeit, lokale Bewohner zu unterstützen oder ein Hotel zu buchen, dass wenig Wasser verbraucht und geringen «Food Waste» betreibt.

So können die Gäste ihr Gewissen beruhigen. Denn in den Süden zu fliegen und dort an der Sonne CO2 zu kompensieren, ist für viele schliesslich doch schöner, als in der Schweiz zu bleiben und ganz auf das Fliegen zu verzichten.

Man passt sich den Trends an

Skandinavien und Island sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Die Wikinger erfreuen sich grosser Beliebtheit. Auch in Brugg zeigt die Kurve nach oben. «Die Länder gelten als Trenddestinationen. Insbesondere während den Frühlingsferien nimmt die Nachfrage zu», sagt Aline Vocat von «Island Tours» in Brugg. Aufgrund der grossen Distanz würden auch bei ihnen fast alle Kunden mit dem Flugzeug reisen. Bei «Island Tours» werde aber aktiv kompensiert. Seit Beginn des Jahres werden Reisen mit Elektro- und Hybrid-Mietwagen angeboten. Ausserdem ziele man darauf, den Kunden Hotels anzubieten, die mit einem Umwelt-Label ausgezeichnet sind. «Gerade weil Island und Norwegen ihre Stromproduktion zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugen, machen Mietfahrzeuge mit alternativen Antrieben grossen Sinn», sagt Vocat.

Die Reiseanbieter von Brugg merken folglich noch nichts vom Klimastreik. Die Nachfrage sei konstant und das Flugzeug immer noch das beliebteste Transportmittel. Trotzdem passen sie sich den aktuellen Trends an und bringen vermehrt klimafreundliche Reisemöglichkeiten auf den Markt. Die Anpassungsfähigkeit ist entscheidend.