Windisch/Villigen
Feldherr Cäsar: «Lampenfieber? Höchstens beim ersten Mal»

Der 11-jährige Noah Giger aus Villigen spielt den Feldherrn Cäsar im Freilichtspektakel «De Schacher Sepp» – und er liebt das Schauspielern. Das Singen allerdings nicht so.

Elisabeth Feller
Merken
Drucken
Teilen
Noah Giger spielt den Feldherrn Cäsar.

Noah Giger spielt den Feldherrn Cäsar.

Mario Heller

Die Fantasie treibt wilde Blüten, geht es um den römischen Staatsmann und Feldherrn Gaius Julius Cäsar. Er ist in den besten Jahren und mit einer weissen, voluminösen Toga bekleidet. Er ist stattlich, ja riesig.

Und: Er trägt einen goldenen Lorbeerkranz. Nun betritt ein völlig anderer Cäsar die Szene: blutjung, schlank, nicht gross. Auch sein Haupt ziert ein goldener Kranz. Darüber hinaus zeichnet sich der kleine Cäsar aber durch eine Besonderheit aus: Ihm wachsen Flügel, denn er ist ein ... Engel.

«De Schacher Sepp» Aufführungen hinter der Turnhalle Dorf in Windisch.

Bis 22. August. Zusatzaufführungen am 26. und 28. August, jeweils um 20.15 Uhr. Vorverkauf von Mo–Fr 079 857 57 22 oder www.freilichtspektakel.ch

Cäsar lächelt und blickt seine Schwester an, die im Gartenrestaurant kritisch den Flug einer nach gesüsstem Mineralwasser gierenden Wespe beäugt. Über Noah Gigers Gesicht huscht ein Lächeln. Vielleicht amüsiert sich der 11-Jährige, dass sein Gegenüber begeistert ist über seine Rolle im Windischer Freilichtspektakel «De Schacher Sepp».

Seit dem 23. Juli und noch bis Ende August steht der Schüler aus Villigen Abend für Abend auf der Bühne und spielt eine der grössten Figuren der Weltgeschichte: nicht als Erwachsener, sondern als ganz in Weiss gekleideten, die Zuschauerherzen im Sturm erobernden Buben, der vom Himmel das Treiben auf der Erde betrachtet.

Dort gibt Noahs Vater Fabian den Taglöhner Hannes, den er schon bei der ersten «Schacher Sepp»-Produktion 2005 verkörpert hat. Papa Giger war es denn auch, der Noah und dessen 8-jährige Schwester Jeannine ermutigt hat, als Kinderdarsteller mitzumachen.

Wie oft musste Noah denn proben? «Och, gar nicht so viel», sagt der und erwähnt vor allem ein Probenweekend, bei dem die mitwirkenden Kinder von Regisseur Rico Spring so richtig eingefuchst wurden. Und: Hat der junge Protagonist bei der Premiere am 23. Juli Lampenfieber gehabt?

Er schaut zu seiner Schwester hinüber, die ihre Mutter Irene fragend anblickt: «Weshalb hat es so viele Wespen?» Die Mutter beruhigt und Noah antwortet cool: «Lampenfieber? Höchstens beim ersten Mal; aber dann gewöhnt man sich daran, im Rampenlicht zu stehen.»

Ein gutes Gefühl auf der Bühne

Die Vorstellung beginnt für den Sechstklässler schon lange vor der offiziellen Zeit. «Ich muss bereits um 18.30 Uhr an Ort und Stelle sein, denn dann werde ich geschminkt.» Pausenlos im Einsatz sind weder er noch Jeannine.

Die Zeit zwischen den Auftritten wird hinter den Kulissen auch schon mal mit Kartenspielen überbrückt. «Darf ich auch noch etwas sagen?», fragt Jeannine schüchtern und blickt ihr Gegenüber aus kornblumenblauen Augen an. Klar. «Es ist ein gutes Gefühl, auf der Bühne zu stehen.» Bruder Noah nickt – er kann das nur bestätigen.

Was macht den Geschwistern besonders Spass? «Halleluja», sagen sie wie aus einem Mund. «Wir singen das ganz laut und ganz falsch und dann lachen die Zuschauer jedes Mal.» Jeannine freut sich überdies noch auf etwas anderes: das Verbeugen.

Würden die Kinder gerne wieder einmal auf der Bühne stehen? «O ja.» Die beiden waren schon öfter im Theater und haben dort zum Beispiel ein Musical wie «The Lion King» gesehen. Die Hauptrolle, so Noah, würde er ja noch so gerne spielen, wenn er – ein leises Seufzen – bloss nicht singen müsste. «Dabei kannst du das doch so gut», sagt die Mutter.

Das ist Zukunftsmusik; jetzt stehen erst einmal die nächsten Schacher-Sepp-Vorstellungen an. Danach werden die Geschwister wohl wieder mehr Zeit für ihre Hobbys haben. Und das sind für Noah «Gitarre spielen und Karate» und für Jeannine «Hip-Hop und Reiten».