Sie seien sich keines Fehlers bewusst, haben die Beschuldigten festgehalten. Vor den Schranken des Bezirksgerichts Brugg standen gestern ein Chauffeur und sein Chef – beide wegen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz. Bauchweh schien ihnen die Verhandlung nicht zu machen, bereitwillig und freundlich gaben sie Auskunft.

An einem Morgen Ende April des letzten Jahres war der 30-jährige Chauffeur aus dem Bezirk Brugg mit seinem Lieferwagen samt Anhänger auf der Autobahn Richtung Zürich unterwegs. Die Bremskraft des Anhängers allerdings, stellte sich in einer Polizeikontrolle heraus, war ungenügend. «Führen eines Motorfahrzeugs, das den Vorschriften nicht entspricht», hiess denn auch der Vorwurf im Strafbefehl.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Busse von 700 Franken. Beim 50-jährigen Geschäftsführer, der seinem Angestellten das Fahrzeug «in nicht vorschriftsgemässem Zustand» überlassen habe, betrug die Busse sogar 1000 Franken. Als Chef der Transportfirma – der Fahrzeughalterin – sei er verantwortlich für die Betriebssicherheit.

Kontrolle der Bremsen ist Routine

Der Chauffeur versicherte der Gerichtspräsidentin Franziska Roth, dass er die Bremsen immer kontrolliere, wenn er den Anhänger ankupple. Das sei Routine. An besagtem Morgen sei ihm nichts Aussergewöhnliches aufgefallen. Sonst hätte er seinen Chef informiert. Dieser seinerseits schilderte, dass der Zustand seiner Fahrzeuge regelmässig überprüft und die Chauffeure geschult würden. Aber natürlich, fügte er an, könne er selbst nicht jeden Tag jedes Fahrzeug inspizieren. Sonst käme er nicht mehr zum Arbeiten, sagte er und musste lachen.

Gegen den Strafbefehl Einsprache erhoben haben die Beschuldigten, weil ihnen nicht klar war, was sie anders hätten machen können. Denn sei die Bremse eines Anhängers defekt, sei dies zu hören und beim Fahren auch zu spüren, sagten sie übereinstimmend. Eine abschliessende Beurteilung aber, wie hoch die Bremskraft sei – ob über 50 oder gar nur noch 30 Prozent –, sei nur auf einem entsprechenden Prüfstand in einer Werkstatt möglich.

Verteidiger fordert Freisprüche

Verteidiger Serge Flury aus Aarau betonte, dass weder bei der Kontrolle der Bremsen noch auf der Fahrt etwas feststellbar war. Für den Chauffeur habe deshalb keine Veranlassung bestanden, sich beim Geschäftsführer zu melden. Hätte der Fahrer aber einen Mangel bemerkt, hätte er diesen umgehend beheben lassen.

«Der Chauffeur verschafft sich keinen Vorteil, wenn der Anhänger über eine reduzierte Bremskraft verfügt. Er würde sich auch selbst gefährden», hob Flury hervor. Der Fahrer habe also weder fahrlässig noch vorsätzlich gehandelt, ein Verschulden sei nicht begründet und eine Sorgfaltspflichtverletzung nicht gegeben.

Beim Geschäftsführer, fuhr der Rechtsanwalt fort, sei nicht ersichtlich, was diesem überhaupt vorgeworfen werde, ob er wissentlich oder sorglos gehandelt haben soll. Flury forderte für die Beschuldigten einen Freispruch.

Diesen Ausführungen folgte das Gericht. Es sprach beide Männer von Schuld und Strafe frei, die Kosten gehen zulasten der Staatskasse. Die Strafbefehle genügten nicht vollständig, begründete Gerichtspräsidentin Franziska Roth. Die Vorwürfe seien nicht restlos klar und es fehle die Definition der Sorgfaltspflichtverletzung. Die Beschuldigten hätten nicht genau wissen können, was ihr Verschulden sei und was sie falsch gemacht hätten.