Bezirksgericht Brugg

Fehlende Beweise für Quälerei: Freispruch für Ex-Katzenbesitzerin

Die beiden Katzen Sunny und Sonny sollen vernachlässigt worden sein, so die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach.

Die beiden Katzen Sunny und Sonny sollen vernachlässigt worden sein, so die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach.

Einer 24-Jährigen wurde vorgeworfen, dass sie sich zu wenig um ihre Katzen gekümmert habe – ihr drohten Geldstrafe und Busse. Die Indizien deuten auf Tierquälerei, aber die Beweise reichen nicht.

Die beiden Katzen Sunny und Sonny sollen vernachlässigt worden sein, so die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach.

Die beschuldigte Besitzerin sei tagelang ausser Haus gewesen, ohne für die Betreuung ihrer beiden Katzen in der Wohnung in Veltheim gesorgt zu haben.

Während der Abwesenheit hätten die Tiere mehrere Tage ohne Wasser und Futter auskommen müssen, heisst es in der Anklageschrift. Die Nachbarn bestätigten dabei, dass die Briefkästen der Beschuldigten in dieser Zeit nicht geleert wurden.

Darüber hinaus sei nur eine Kotschale für zwei Katzen vorhanden und die Wohnung für die Tiere generell unhygienisch gewesen.

Die in der Wohnung herumliegenden Bierflaschen stellten ausserdem ein Sicherheitsrisiko dar, erklärt die Staatsanwaltschaft. Sie wirft der Beschuldigten Tierquälerei und eine Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz vor und fordert eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 60 Franken sowie eine Busse in der Höhe von 600 Franken.

Vorwürfe allesamt bestritten

Die 24-jährige Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe: «Ich war damals eigentlich jeden Tag zu Hause. Nur weil ich den Briefkasten nicht geleert habe, heisst das nicht, dass ich abwesend war», erklärt sie.

Da sie zumeist negative Post erhalten hätte, liess sie den Inhalt während dieser Zeit in den Kästen. Die damalige psychische Verfassung sei ihrem Verteidiger zufolge der Grund dafür gewesen.

Die Katzen hätten derweil genügend Trockenfutter gehabt, die Futterschalen seien immer dann aufgefüllt worden, wenn sie leer waren. «Das Fenster war zudem immer offen», bekräftigt die Beschuldigte.

So hätten die Tiere jederzeit hinaus- und hineingehen können. Es sei daher auch regelmässig vorgekommen, dass sie «drei, vier Tage frei herumstreunten, bevor sie wieder nach Hause kamen. Sie waren aber auch sehr gerne zu Hause», meint sie.

Ihr Vermieter habe die beiden Katzen derweil immer wieder angefüttert. Die Katzen wollten teilweise nicht mehr zurück, weil dieses Futter teurer als ihr eigenes gewesen sei. «Ich habe ihm gesagt, dass dies nicht in Ordnung ist.» Mittlerweile besitzt die Beschuldigte allerdings keine Katzen mehr: «Ich habe gemerkt, dass ich zuerst auf mich schauen muss», räumt sie ein.

Stets genügend Auslauf

Der Verteidiger erklärt, dass die Vorwürfe keineswegs nachweisbar seien. Von einer Vernachlässigung könne insbesondere deshalb keine Rede sein, da die Tiere der Beschuldigten keine Hauskatzen seien, wie er mehrmals betont.

«Katzen sind Jäger. Sie haben keine Schwierigkeiten damit, draussen Nahrung und Wasser zu finden.» Die Vierbeiner hätten stets viel Auslauf genossen. Somit seien auch zwei Kotschalen nicht nötig. Dementsprechend fordert er einen Freispruch in allen Anklagepunkten.

Der Gerichtspräsident Hans Rudolf Rohr ist zwar der Ansicht, dass das Verhalten der Beschuldigten zumindest aufgrund der Indizien in Richtung Tierquälerei gehen könnte.

Gerade bei der Frage, ob sie ihre Katzen gemäss der Anklage tagelang in der Wohnung allein liess, widersprechen sich die beiden Parteien weiterhin. Der Gerichtspräsident – selbst ein Katzenbesitzer – betont aber, dass die Tiere damals nicht vernachlässigt ausgesehen haben.

«Es liegen keine Beweise vor, die die Vorwürfe rechtfertigen», schliesst er seine Begründung ab. Die Beschuldigte wird deshalb in allen Anklagepunkten freigesprochen.

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