Brugg
FC-Aarau-Schal führt zum Streit - zwei Basel Fans vor Gericht verurteilt

Das Bezirksgericht verurteilt zwei junge Männer zu bedingten Freiheitsstrafen. Die FC-Basel Fans schlugen einen Aarau-Fan auf dem Heimweg nieder.

Claudia Meier
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Dem Kläger wurde am Bahnhof Brugg der FC-Aarau-Schal entrissen (Symbolbild).

Dem Kläger wurde am Bahnhof Brugg der FC-Aarau-Schal entrissen (Symbolbild).

Chris Iseli

An einem Montagabend im Mai 2015 kam Stefan alleine von einem Fussballmatch in Aarau zurück. Als er am Bahnhof Brugg auf den Anschluss-Bus wartete, stiegen Kevin und Luca (alle drei Namen geändert) auf Gleis 1 aus einem Zug. Diese identifizierten Stefan als FC-Aarau-Fan, weil er eine Fahne in der Hand hielt und einen entsprechenden Schal trug. Ohne ein Wort zu sagen, traten Kevin und Luca von der Seite her auf Stefan zu. Kevin entriss ihm die Fahne und Luca schlug Stefan ins Gesicht. Das Gerangel ging am Boden weiter, bis Kevin auch den Schal hatte. Die damals 19-jährigen Angreifer flüchteten daraufhin durch die Unterführung Richtung Windisch.

Der verletzte Stefan folgte ihnen und fotografierte sie mit dem Handy. Dann ging der damals 24-Jährige auf die Toilette. Luca stellte ihm nach, packte Stefan und forderte ihn auf, das Foto zu löschen. «Es war bedrohlich in diesem engen Raum und ich wusste nicht, ob Luca weiterschlägt und wer draussen wartet», sagte Stefan diese Woche vor dem Gesamtgericht in Brugg. Alles ging sehr schnell. Stefan konnte sich losreissen und zum Busterminal rennen.

Kevin zerstörte die FC-Aarau-Fahne und warf sie auf der Windischer Seite in den Kübel. Der entrissene Schal wurde später von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt.

Gewalt schon länger ein Thema

Kevin und Luca, beide in Jeans und schwarzer Kapuzenjacke vor Gericht, sind oft zusammen unterwegs und kennen sich seit der 1. Schulklasse. Gewalt ist bei beiden FC-Basel-Fans schon einige Zeit ein Thema. Häufig sind auch noch Alkohol oder Betäubungsmittel im Spiel. So mussten sich beide Beschuldigte wegen mehrerer Delikte vor Gericht verantworten.

An der Fasnacht 2016 in Mellingen war Kevin in eine zunächst verbale Auseinandersetzung verwickelt, ehe er kurz nach Mitternacht Beni (Name geändert) die rechte Faust mit voller Wucht ins Gesicht schlug und weglief. «Ich schlug zu, weil ich mich bedroht fühlte», erklärte er Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven.

Rayonverbot: Gericht ist nicht zuständig

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach forderte in Kevins Anklageschrift für die Dauer von fünf Jahren folgendes Rayonverbot: «Dem Beschuldigten wird verboten, sich während laufender Spiele der Super und Challenge League (Meisterschafts-, Schweizercup- oder Freundschaftsspiele) sowie drei Stunden davor und danach im Umkreis von 500 Metern zu den jeweiligen Austragungsorten aufzuhalten.»

Das Gesamtgericht sei auf diesen Antrag nicht eingegangen, hiess es an der Urteilsverkündigung. Für Rayonverbote zuständig ist die Kantonspolizei. Kevin hat bereits ein Stadionverbot, das noch bis September 2018 Gültigkeit hat. Lucas Stadionverbot lief am Tag vor dem Gerichtsprozess ab. (CM)

Beni zog sich beim Faustschlag einen doppelten Kieferbruch zu, musste zweimal operiert werden und hat heute noch immer kein Gefühl auf der linken Seite der Unterlippe. Vor Gericht wurde das Opfer von Anwältin Renate Senn vertreten. Diese forderte in ihrem Plädoyer für den Mandanten erfolgreich eine Genugtuung von 5000 Franken.

Keine vier Monate nach dem Fasnachts-Vorfall geriet Kevin in Frick auf der Autobahn in eine Polizeikontrolle. Er befand sich in einem nicht fahrfähigen Zustand, weil er – wie in den drei Jahren zuvor regelmässig – Cannabis konsumiert hatte.

Drohung gegen Beamte

Neben dem Vorfall mit dem FC-Aarau-Fan am Bahnhof Brugg war Luca wegen drei weiterer Handlungen angeklagt. Im April 2015 hielt er sich mit einem Kollgen in Diegten beim Aussichtspunkt «Rotiflue» auf. Durch einen Funkenschlag von der unbewachten Feuerstelle ausgelöst, gerieten angrenzende Bäume und Büsche in Brand.

Nach einem Fussballspiel des FC Basel fiel Luca im August 2015 dem Zugbegleiter im Zug nach Brugg durch äusserst aggressives Verhalten auf. Es kam zum Handgemenge und zu Beschimpfungen. Ebenfalls zu einem Gerangel kam es im Oktober 2015 mit einem Polizisten der Stadtpolizei Baden, der als Zeuge vor dem Gericht aussagte. Luca spielte die Anklagepunkte herunter, konnte sich nicht mehr an alle Details erinnern, zeigte keine Reue und entschuldigte sich – im Gegensatz zu Kevin – nicht.

Bewährungshilfe angeordnet

Der Staatsanwalt beantragte für Kevin bei einer Probezeit von 3 Jahren eine bedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten, eine Busse von 1000 Franken sowie ein mehrjähriges Rayonverbot. In Lucas Fall forderte er 34 Monate teilbedingte Freiheitsstrafe sowie eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen. Zudem müssten die beiden Beschuldigten für Stefan solidarisch für die von der Versicherung nicht gedeckten Spitalkosten über 657 Franken und eine Genugtuung von 500 Franken aufkommen.

Lucas Verteidiger, Harold Külling, plädierte für 8 Monate Freiheitsstrafe bedingt, während Kevins Verteidiger, Roland Miotti, 12 Monate als angemessen erachtete. Das Gesamtgericht verurteilte Luca zu 17 Monaten Freiheitsstrafe, einer Geldstrafe sowie einer Busse und Kevin zu 13 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer Busse. Die Probezeit beträgt
3 Jahre. Beide bekommen eine Bewährungshilfe, die ein Antiaggressionstraining prüft.

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