Die Arbeitsgruppen für die Fusion von Brugg und Schinznach-Bad haben ihre Arbeit beendet. Mittlerweile haben die beiden Gemeinden die Schlussberichte auf ihren Websites aufgeschaltet. Allerdings: Heikle Themen wie Finanzen oder Steuern sowie was mit dem Oberstufenstandort im Schenkenbergertal passiert, wenn Schinznach-Bad seine Oberstufenschüler nach Brugg schickt, werden nicht angesprochen.

Jede Arbeitsgruppe hat ein Fazit gezogen und informiert darüber, welche Vor- oder Nachteile für den jeweiligen untersuchten Bereich resultieren. Über Dutzende von Seiten wird der Bestand von Gebäuden, Personal und bestehenden Verträgen aufgeführt. Zudem schlussfolgern die Arbeitsgruppen, welche Probleme auftauchen könnten und wo noch Unklarheit besteht. Und so lautet das Fazit nach Themenbereich:

Bildung: Die Schule Schinznach-Bad wird in die Schule Brugg integriert. Kindergarten und Primarschule sollen in Schinznach-Bad bleiben. Vorgesehen ist, dass die Oberstufenschüler nach Brugg in die Schule gehen. Die Arbeitsgruppe führt an, dass durch die Auflösung der Schulpflege in Schinznach-Bad der Bedarf an Behördenmitgliedern reduziert werden kann. Zudem könnten Schulgelder und Besoldungsanteile eingespart werden. Weiter würden die Kinder von Schinznach-Bad neu von der Schulsozialarbeit profitieren.

Für Brugg schaue bei einer Fusion kein nennenswerter Vorteil heraus, hält die Arbeitsgruppe fest. Als Nachteil wird herausgestrichen, dass die Organisation der Schule durch den zusätzlichen Standort aufwendiger und dass auch die direkte Kommunikation schwieriger werden. Als weiterer Nachteil wird der Schulweg für die Oberstufenschüler aufgeführt, vor allem für die Realschüler (der Standort ist in Lauffohr) sei der Weg weit. Für Schinznach-Bad falle zudem ein Teil der Selbstbestimmung in der Primarschule weg, weil die Schulbehörde nicht mehr vor Ort sei. Und für Brugg werde die Herausfordung grösser, die dezentrale Struktur der Schule zu organisieren.

Raumentwicklung, Land- und Forstwirtschaft: Diese Arbeitsgruppe hält sich bei ihren Ausführungen kurz. Bezüglich Fusion erwartet sie keine Probleme, hält aber fest: «Brugg wünscht sich eine gemeinsame BNO-Revision, damit nicht mit zwei unterschiedlichen Bauordnungen gearbeitet werden muss.» Zudem müsse die Auslastung und Organisation der Brugger Abteilung Planung und Bau genauer überprüft werden.

Im Bereich Forst sieht es so aus, dass der Waldbestand von Schinznach-Bad bei einer Fusion aus dem Forstbetrieb Birretholz ausgelöst und in die Gemeinde Brugg integriert wird. Die dadurch entstandene grössere Bewirtschaftungsfläche bedingt voraussichtlich eine neue Vereinbarung zwischen der Stadt Brugg und dem Forstbetrieb Brugg. Die Betreuung des Walds wird durch den Forstbetrieb Brugg übernommen.

Sicherheit: Bezüglich Regionalpolizei werde die Fusion keine Probleme verursachen, da beide Gemeinden bereits Mitglieder der Repol sind, hält die Arbeitsgruppe fest. Gleich verhält es sich beim Zivilschutz und beim Schiesswesen. Anders sieht es bei der Thematik Feuerwehr aus. «Der Feuerwehrverband Schenkenbergertal ist über die Fusionsabsicht von Schinznach-Bad und Brugg nicht erfreut», heisst es im Bericht. «Besonders auch, da sich mit dem Ausscheiden von Schinznach-Bad keine Reduktion der Grössenklasse ergibt.» Zudem plant der Verband ein neues Feuerwehrmagazin. Mit dem Austritt von Schinznach-Bad fallen höhere Kosten für Veltheim und Schinznach an. Es sei auch möglich, dass die Feuerwehrangehörigen von Schinznach-Bad aus emotionalen Gründen nicht in die Feuerwehr Brugg wechseln werden. Zudem brauche es weiterhin einen Feuerwehr-Aussenstandort in Schinznach-Bad, damit die Einsatzminuten eingehalten werden können.

Eigenwirtschaftsbetriebe: Die Arbeitsgruppe hält fest, dass die räumlich grösseren Infrastrukturnetze organisatorische Vorteile ergeben. Auch werde die Qualität bezüglich Planung und Unterhalt gesteigert, personelle Engpässe könnten besser aufgefangen werden. Zudem könnte der Pikettdienst auf mehr Schultern verteilt werden. Allerdings wird die Bevölkerung von Schinznach-Bad durch das Verlegen von Maschinen und Personal eine persönliche Ansprechperson vor Ort verlieren. Trotzdem befürwortet die Arbeitsgruppe den Fusionsprozess aus Sicht der Eigenwirtschaftsbetriebe.

Soziales, Gesundheit, Alter, Jugend, Kultur, Vereine: Im Grossen und Ganzen sieht die Arbeitsgruppe vor allem Vorteile in einer Fusion. Allgemein gehalten gäbe es kaum Nachteile bei einem Zusammenschluss. Allerdings hält die Arbeitsgruppe fest, dass der Weg zur Verwaltung für die Einwohner von Schinznach-Bad länger wird, und dass der direkte und vertraute Bezug zur Verwaltung und des Gemeinderats zur Bevölkerung verloren gehe. Das Stichwort «Verlust der Identität» fällt. Traditionelle und bisher persönliche Anlässe werden zu Grossanlässen oder gehen ganz verloren. Die Vorteile eines Zusammenschlusses ortet die Arbeitsgruppe beispielsweise bei den personellen Ressourcen. So könnten Ortsparteien und Vereine neue Mitglieder gewinnen. Zudem könne Schinznach-Bad von einem voll ausgebauten Sozialdienst profitieren. Das Jugend- und Altersangebot ist in Brugg ebenfalls grösser.

Hochbau, Liegenschaften, Schwimmbad, Friedhof: Ein besonderes Augenmerk hat diese Arbeitsgruppe auf den Bereich Schwimmbad gelegt. So steht im Fazit: «Der Stadtrat Brugg in der heutigen Zusammensetzung ist der Auffassung, dass nach einer allfälligen Fusion mit der Gemeinde Schinznach-Bad die Beteiligung der Gemeinde Schinznach-Bad am Schwimmbad Schinznach aus Kostengründen geprüft werden muss.» Die Beteiligung an zwei Freibädern werde voraussichtlich längerfristig finanziell nicht verkraftbar sein. Nach einer allfälligen Fusion würde der Stadtrat Brugg per Ende 2021 eine Kündigung des Gemeindevertrags mit Wirkung per 1.1.2026 prüfen müssen.

Besondere Vor- oder Nachteile für die restlichen Liegenschaften und Orte wie Friedhof oder Sportanlagen werden im Bericht nicht erwähnt. Allerdings dürfte die Distanz zu Schinznach-Bad für die Abteilung Planung und Bau sowie für den Werkdienst zu Mehraufwand führen. Auch der Weg zum Bestattungsamt sei für Personen aus Schinznach-Bad aufwendiger bei einer allfälligen Fusion.