Windisch

Fast «ausgetrocknet»: Die Gastroszene befindet sich im Wandel

Der Gemeinde sind beim Beizen-Schwund die Hände gebunden. Das Angebot verkleinert sich, doch ausgetrocknet ist es laut Gemeindepräsidentin Heidi Ammon nicht. Es wäre aber förderlich, wenn die Erlebnisgemeinde auch gastronomisch mehr zu bieten hätte.

Windischer Feinschmecker haben es in letzter Zeit nicht einfach: Sie müssen die bereits vollzogene beziehungsweise geplante Schliessung zwei ihrer Traditionsbeizen verkraften. Per 1. Oktober 2018 ging die «Sonne» nach 184 Jahren für immer zu. Grund waren gesundheitliche Probleme der Wirtin Christine Fricker, die ihr ein Weiterführen der Beiz verunmöglichten.

Gerade als die Windischer diese Nachricht etwas verdaut hatten, kam die nächste Schockmeldung: Das Restaurant «Güggeli-Waage» wird per Ende April schliessen. Der Pachtvertrag mit dem Wirte-Ehepaar Esther und Thomas Schäublin wird nach fünf Jahren nicht mehr verlängert. Immerhin gibt es hier ein Trostpflaster. Die knusprigen Güggeli, die Schäublin von Lieferant Kneuss bezieht, werden weiterhin im «Güggeli-Sternen» in Bözberg angeboten.

Auf den ersten Blick ausgetrocknet

Auch der Gemeinderat Windisch bedauere die jetzige Situation in der Gastroszene, wie Gemeindepräsidentin Heidi Ammon auf Anfrage sagt. Mit der bereits erfolgten und der noch bevorstehenden Schliessung der zwei Beizen «wird die an sich schon kleine Gastroszene in Windisch noch kleiner. Dass es die im Zentrum stehenden Betriebe trifft, lässt die Gastroszene in Windisch auf den ersten Blick wirklich als ausgetrocknet erscheinen.»

Doch Ammon weist auf die noch bestehenden kulinarischen Angebote in Windisch hin: «Mit den Restaurants Kurve und Löwen in Unterwindisch ist dieses Quartier nach wie vor gut versorgt – die Quartierbewohner pflegen die Einkehr in diese Lokale. Das Chapfquartier hat mit dem Restaurant Trattoria Windisch einen Treffpunkt und im Reutenenquartier stehen das Restaurant Vindonissa sowie die EG-Bar den Quartierbewohnern als Treffpunkte zur Verfügung.»

Gemeinde sind Hände gebunden

Zudem dürfen gemäss Gemeindepräsidentin Ammon auch die anderen Verpflegungsmöglichkeiten in der Gemeinde nicht ausser Acht gelassen werden. «Verschiedene Institutionen bieten ebenfalls Verpflegungsmöglichkeiten für die Öffentlichkeit an: das Begegnungszentrum Königsfelden, die Cafeteria zur Platane im Kloster Königsfelden, das Mikado Café im Reutenenquartier oder die Mensa und die Cafeteria auf dem Campusareal.»

In Bezug auf die Schliessungen sind der Gemeinde die Hände gebunden. «Weder ist die Gemeinde Grundeigentümerin dieser Liegenschaften noch zählt es zu unseren Aufgaben, einen Gastrobetrieb zu führen», sagt Ammon. Von der Schliessung der «Sonne» habe der Gemeinderat aus der Presse erfahren. Über das Ende der «Güggeli-Waage» sei er im Vorfeld der Ankündigung informiert worden. «Dabei wurde uns auch zugesichert, dass das Restaurant Waage nach einer kurzen Schliessung im Spätsommer beziehungsweise Herbst wieder eröffnet werden soll. Es wird sicher eine andere Menükarte bereitstehen, aber der Betrieb als Restaurant wird aufrechterhalten.»

Die allfälligen Sorgen von Vereinen, nun keinen Platz mehr für ihre Generalversammlungen zu haben, kann Ammon zerstreuen. «Der Lindenpark, das Mikado und la Cantina verfügen über Räumlichkeiten, die auch von den Vereinen für ihre GV genutzt werden können. Die Gemeinde selber kann auch Räumlichkeiten in der Bossartschüür, dem Gemeindehaus und den Schulanlagen zur Verfügung stellen, der Ausschank von Getränken muss da aber selber organisiert werden.»

Hemmschwellen überwinden

Es sei unbestritten, dass es förderlich wäre, wenn «die Erlebnis-Gemeinde Windisch mit dem Legionärspfad, der Kirche Königsfelden und dem Naherholungsgebiet rund ums Wasserschloss» auch im Gastrobereich mehr zu bieten hätte, sagt Ammon. «Einen Gastrobetrieb erfolgreich zu betreiben, erfordert Ausdauer, Durchhaltewillen und ganz viel Engagement. Wer ist heute noch gewillt, im Schichtbetrieb zu arbeiten und auf der anderen Seite die Dienstleistung gebührend zu bezahlen?» Mit der Areal-Entwicklung Fehlmannmatte sei die Zielsetzung seitens Gemeinde und Investor zudem klar gewesen: Man habe einen Gastrobetrieb ins Areal bringen wollen. «Mit dem Anbieter Subway ist uns das nur bedingt gelungen.»

Gemeindepräsidentin Heidi Ammon appelliert an die Bevölkerung, die aufgezählten Verpflegungsmöglichkeiten in Windisch einmal zu besuchen. «Man muss vielleicht die Hemmschwelle ‹Alter›, ‹Psychiatrie›, ‹Behinderte› überwinden, aber das Angebot ist sehr ausgewogen und das Preis-Leistungs-Verhältnis ausgezeichnet.»

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