«Es gibt Überlegungen, unsere Buslinie 1 bis zum Brugger Bahnhof zu verlängern», sagt Stefan Kalt, der Direktor der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW). Ein solcher Entscheid liege aber schliesslich nicht bei der RVBW, sondern beim Besteller, also beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), betont Kalt.

Tatsächlich sieht das «Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr 2013» vom BVU unter anderem vor, das Busnetz anzupassen im Raum Gebenstorf–Brugg/Turgi. «Wenn der Kanton nicht ein Sparprogramm durchlaufen würde, wäre die Realisation wahrscheinlich per Fahrplanwechsel 2018 – also im Dezember 2017 – umgesetzt worden», fährt Kalt fort. Die RVBW seien aber vom Kanton angehalten worden, eine solche Erweiterung noch nicht zu planen. Sollte es eines Tages soweit kommen, wird laut Direktor «voraussichtlich die RVBW AG diese Leistung erbringen, da es sich auf der Linie 1 um eine Erweiterung eines bestehenden Angebots handelt».

In der Arbeitsgruppe «Öffentlicher Verkehr» des regionalen Planungsverbands Brugg Regio sei dieses Thema auch schon diskutiert worden, sagt Geschäftsstellenleiterin Verena Rohrer auf Nachfrage der az. «Das Vorhaben scheiterte dann aber an den hohen Kosten und der ungenügend stabilen Lage der doch sehr langen RVBW-Linie 1 ab Würenlos via Wettingen, Baden und Gebentorf bis Brugg.»

Anschluss aufs Schnellzugnetz

Sinnvoll wäre laut Rohrer eine solche Verlängerung nur, wenn am Bahnhof Brugg die Anschlüsse an das übergeordnete Schnellzugnetz hergestellt werden könnten. «Ob und wann eine solche Verlängerung der Linie 1 umgesetzt wird, ist noch offen und es bestehen keine Termine», sagt sie nach Rücksprache von Seite Kanton. Die Gemeinde Gebenstorf, die Mitglied von Brugg Regio ist, sei mit drei Buslinien bereits heute sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen, so Rohrer. Auch die Verbindung Gebenstorf–Windisch–Brugg existiere seit dem Jahr 2005 mit der Buslinie 362 (Brugg–Mellingen –Heitersberg), die zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abend im Halbstundentakt verkehrt.

Aktuell geplant ist laut Verena Rohrer, die Linie 357 Gebenstorf–Vogelsang–Turgi (–Untersiggenthal–Würenlingen) auf dem Abschnitt Gebenstorf–Turgi aufzuwerten. Mit anderen Worten: Heute gilt hier der Stundentakt, künftig soll der Halbstundentakt angeboten werden. «Die Umsetzung in der momentan finanziell angespannten Lage ist aber noch nicht gesichert», sagt die Brugg Regio-Leiterin.

Fusion erfordert Abklärungen

Aus der Fahrplankommission werden laut Verena Rohrer derzeit folgende zwei Themen weiterverfolgt: Einerseits geht es darum, als Abendangebot einen Rundkurs Villigen–Brugg zu prüfen. Andererseits geht es um eine mögliche Verlängerung der Linie Scherz bis nach Lupfig, was im Zusammenhang mit der Fusion Lupfig-Scherz per Januar 2018 von Bedeutung ist. Verena Rohrer erklärt: «Grundsätzlich erzeugen Gemeindefusionen keine für den öV relevanten, neuen Verkehrsbeziehungen. Dennoch entstehen Bedürfnisse, die im Einzelfall abgeklärt werden müssen, wie beispielsweise der Schulverkehr.» Im vorliegenden Fall würde eine Linienverlängerung von Scherz nach Lupfig ein zusätzliches Fahrzeug benötigen und somit die Kosten nahezu verdoppeln.

Das «Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr 2013» sieht folgende Prioritäten vor: In den nächsten 10 Jahren sollen vor allem in den urbanen Räumen und bei den wichtigen Zubringer-Buslinien zu den Bahnhöfen in den ländlichen Entwicklungsachsen die Busnetze beziehungsweise das Busangebot schwerpunktmässig entwickelt und optimiert werden.

Allerdings seien im ländlichen Entwicklungsraum dem Ausbau der Busnetze und -angebote häufig Grenzen gesetzt. Ein wesentlicher Faktor für die Veränderungen des Busangebots bilde da erfahrungsgemäss die Entwicklung der Schulstandorte. Anpassungen im Busnetz werden daher meistens den aktuellen Bedürfnissen entsprechend kurzfristig vorgenommen.