Windisch
Fachhochschule vergibt Credits fürs Partyschmeissen – bei Studenten ist das umstritten

An der Hochschule für Technik FHNW gibt es ECTS-Punkte fürs Organisieren des jährlichen FH-Festes. Einige Studenten empfinden das als nicht gerechtfertigt.

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Martin Meyer, der Leiter der Hochschule für Technik findet, dass die Studierenden sich durch die Organisation des FH-Festes nützliche Fähigkeiten aneignen.

Martin Meyer, der Leiter der Hochschule für Technik findet, dass die Studierenden sich durch die Organisation des FH-Festes nützliche Fähigkeiten aneignen.

Msl Eventtechnik Gmbh

Jedes Jahr findet in an der Hochschule für Technik FHNW in Windisch das FH-Fest statt, bei dem die Studenten ausgelassen feiern können. Für diese Party braucht es allerdings auch ein Organisationsteam, dass sich um Sponsoren und die weitere Planung kümmert.

Für dieses Jahr werden noch Mitglieder für das Organisationskommitee gesucht, also sendete die Fachschaft Technik eine Rundmail und betonte, dass es im Rahmen der Organisation der Semesterparty zusätzlich zwei ECTS-Punkte zu ergattern gibt.

Auf der Facebook-Seite «Verspottet: FHNW» führt dies zur Dikussion. Ein User zum Beispiel findet, dass ECTS nicht als Anreiz für einen Freiwilligen-Event missbraucht werden sollten: «Der Job soll aus reiner Freude am Organisieren gemacht werden! ECTS sollte es für schulische Leistungen geben, nicht für Hobbies.» Für ihn stellt sich die Frage, wofür Studierende dann als nächstes Credits bekommen — ECTS fürs Räume putzen oder helfen in der Mensa?

Für die Meisten in den Kommentaren ist es zwar keine Frage, dass die Organisation der Party einiges an Aufwand mit sich bringt, doch wie Davide Casadei meint, rechtfertige der Aufwand keine ECTS.

Was aber sagt die Fachschaft zu dieser Behauptung? Wie «20 Minuten» berichtete, erklärte Martin Meyer, Leiter der Hochschule für Technik, dass die Studierenden sich durch die Organisation des Events sehr wohl auch nützliche Fähigkeiten aneignen. «Man erstellt Event- und Sicherheitskonzepte, setzt sich mit gesetzlichen Grundlagen auseinander und muss sich mit Bereichen wie Marketing, Finanzierung und Sponsoring vertraut machen», erläuterte er.

Laut Meyer, ist die Semesterparty somit auch im Rahmen des freiwilligen Moduls «Praxisorientiertes Eventmanagment» organisiert. Das Ziel dieser freien Module sei es, dass die Studenten auch mal über den mathematischen oder physikalischen Tellerrand hinausschauen.

Ein ehemaliges Organisationskomitee-Mitglied, Sophie-M. Ordelman, kann das bestätigen. Sie könne aus ihrer eigenen Erfahrung heraus sagen, dass der ganze Aufwand, den die Planung der Feier mit sich bringt, sogar mehr als diese zwei Credit-Ponts wert sei.

«Zusätzlich ist es so, dass das Modul von einem Fachdozenten betreut wird, welcher nach dem Fest ein Einzelgespräch mit jedem Organisationskomitee-Mitglied führt, in welchem der Lerngewinn geprüft wird. Ist dies nicht der Fall, erhält man die 2 ECTS trotz organisertem FH-Fest nicht.» Wie sie weiter ausführt, sei das Organisationsteam an diesem Abend ausserdem auch gar nicht am Feiern — für die Mitglieder herrscht bei diesem Anlass Alkoholverbot. (cki)