Brugg-Windisch

Fachhochschule Nordwestschweiz feiert Sonnenmission

Mit dem Röntgenteleskop STIX fliegt eine wissenschaftliche Errungenschaft aus Brugg-Windisch ins Weltall – darauf wurde angestossen.

Viel Stolz ist zu spüren an diesem Mittwochabend auf dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch. Stolz, dass hier vor Ort eines von zehn Instrumenten gebaut wurde, das an Bord der Raumsonde Solar Orbiter voraussichtlich am nächsten Montag ins Weltall fliegen wird. STIX heisst das Röntgenteleskop, das wertvolle Daten über die Sonne liefern soll (siehe Kontext).

An der Weltraum-Party stossen Wissenschafter und Beteiligte am Projekt an, eingefunden haben sich aber auch Interessierte aus der Bevölkerung. Gerappelt voll ist der Raum, in dem Jürg Christener, Direktor der Hochschule für Technik der FHNW, deutliche Worte findet: «Es ist ein riesiger, besonderer, historischer Moment für unsere Institution.» Dass einer Fachhochschule so etwas gelinge, sei nicht selbstverständlich. «Ich bin überzeugt, dass der Forschungsstandort Schweiz und die Industrie davon profitieren können.» Viel Lob findet Christe­ner für die Projektleiter Säm Krucker, Astrophysiker, Forscher und Dozent an der FHNW, sowie André Csillaghy, Leiter Institut für Data Science der FHNW, aber auch für das ganze beteiligte Team. Dafür gibt es grossen Applaus aus dem Publikum.

Solar Orbiter kurz vor Start - Aargauer Forscher "röntgen" die Sonne

Solar Orbiter kurz vor Start - Aargauer Forscher "röntgen" die Sonne

Zum ersten Mal soll eine Raumsonde die bislang nahezu unbekannten Polregionen der Sonne beobachten. Mit an Bord des "Solar Orbiter" ist auch ein an der FHNW entwickeltes Röntgenteleskop namens STIX. In wenigen Tagen soll die Reise zur Sonne losgehen.

Gespanntes Warten und etwas Nervosität

Dieses darf in der Folge drei Kurzvorträgen von Csillaghy, von Andreas Werthmüller (Direktor des Swiss Space Office) sowie von Marina Battaglia (Dozentin Physik, Forscherin im Bereich Heliophysik) lauschen. Werthmüller betont die Wichtigkeit dieses Projekts: «Es ist meines Wissens das erste Mal, dass eine Fachhochschule einen derart wichtigen Beitrag leistet. Die Beteiligten haben vorzügliche Arbeit geleistet.» Als Gründungsmitglied der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) habe die Schweiz ihre Chance genutzt, indem sie dieses Instrument gebaut hat.

Im Anschluss gibt Marina Battaglia – notabene in passendem T-Shirt – Einblick in die Sonnenforschung. Sie erzählt von den Sonnenflecken, die mal auftauchen und wieder verschwinden und dass die Forschung nicht weiss, warum das so ist. Warum der Sonnenzyklus elf Jahre beträgt, sei genauso wenig bekannt. Weitere Fragen sind, wie das Weltraumwetter zu Stande kommt, wie die Pole der Sonne aussehen oder warum die Atmosphäre der Sonne heisser ist als ihre Oberfläche. Mit verständlichen Worten schafft es Battaglia, auch den Laien Einblicke in eine spannende Materie zu geben und zu erklären, wie beispielsweise Nordlichter entstehen. In seinem Kurzvortrag geht André Csillaghy auf das Röntgenteleskop ein und erklärt die Herausforderungen, die zu meistern waren, beispielsweise die extremen Temperaturunterschiede, die Solar Orbiter aushalten muss.

Anschliessend schaltet er die beiden beteiligten Wissenschafter Säm Krucker und Arnold Benz (Senior Advisor der FHNW) aus Florida zu. Krucker und Benz werden in Cape Canaveral vor Ort sein, wenn der Raketenstart stattfindet. «Die Stimmung hier ist gut, wir haben lange auf diesen Moment hingearbeitet. Aber etwas nervös sind wir schon», gibt Säm Krucker zu. Und Arnold Benz meint: «Wir versuchen, die Zeit bis zum Start rumzubringen. Es ist ein gespanntes Warten. Nicht nur auf den Start, sondern auch auf die Daten.»

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