Marathon

Extremsportler: «Fredi, Du musst langsam gehen»

Fredi Büchler sieht dem 84-Kilometer-Lauf entspannt entgegen. EF

Fredi Büchler

Fredi Büchler sieht dem 84-Kilometer-Lauf entspannt entgegen. EF

Fredi Büchler, Gründer des 24-Stunden-Laufs, nimmt am Samstag am ersten Double Ultra Triathlon der Schweiz teil. Dabei muss der Sportler 84 Kilometer zurücklegen. Das scheint ihm aber keine Sorgen zu machen.

Er hat schon den 100-Kilometer-Lauf in Biel absolviert; also weiss er, was ein Marathon erfordert - Ausdauer. Und diese, sagt Fredi Büchler, werde erst im Alter erreicht: «Wer jung ist, will sprinten.» Das ist Fredi Büchlers Sache nicht. Der Brugger läuft lange Strecken, weil er nur dann zu sich selber kommen kann. «Laufe ich einen Marathon, habe ich Zeit, in mein Inneres zu horchen. Ein Läufer», bringt der bald 49-Jährige seine Erfahrung auf den Punkt, «sucht nach Zufriedenheit.» In Büchlers Augen blitzt Belustigung auf - der Brugger hat die fragenden Augen seines Gegenübers bemerkt. Kein Wunder, schliesslich ist Fredi Büchler ein Wunder:

Plötzlich wurde alles anders

Ein schwerer Autounfall 1991 hatte sein Leben jäh auf den Kopf gestellt - nicht um das von ihm geliebte Joggen ging es monatelang, sondern ums Überleben. Ja, nickt der sympathische Mann mit den warmen braunen Augen - dieser Unfall habe viel verändert. Fredi Büchler spricht darüber gelassen, ohne Selbstmitleid - voller Einsicht, dass manches seit 1991 eben nicht mehr geht oder falls doch, einfach anders. Das Laufen zum Beispiel.

Acht Jahre nach seinem Autounfall begann Fredi Büchler wieder mit Joggen; zehn Jahre danach hat er wieder einen Ironman bewältigt. Und nun erfolgt am Samstag als Krönung die Teilnahme am International Double Ultra Triathlon in Neftenbach. Dieser wird erstmals in der Schweiz durchgeführt. Dank der Zusammenarbeit mit Plusport (Behindertensport Schweiz) werden auch Stafetten mit Handicapierten teilnehmen. Fredi Büchler erklärt, wie das Ganze abläuft: Celine Martin (ihr rechter Unterarm ist amputiert) schwimmt 7,6 Kilometer; Armin Köhli (beidseitig unterschenkelamputiert) radelt 360 Kilometer und Fredi Büchler (Hirnverletzung) läuft 84,4 Kilometer.

Trainieren «ohne Druck»

Wie macht er das? Da Training für ihn Therapie ist, ist er sich selbst der beste Trainer. Also trainiert er «kontinuierlich, aber ohne Druck, um die Motorik zu verbessern.» Fredi Büchler kennt seinen Körper aus dem Effeff. Wie ein Seismograph registriert er selbst minime Veränderungen. Gibt ihm der Körper ein Signal, hört der Brugger, wie ihm die innere Stimme zuflüstert: «Fredi, Du musst langsam gehen.» Das befolgt er, indem er die Sprinter-Technik anwendet: Vorfusslaufen. Der Fuss prallt bei der Aufsetzphase im Bereich des Grosszehenballens auf. Dann folgt eine kurze Aufsetzbewegung des Mittelfusses bis zur Ferse. Schliesslich stösst der Läufer den Fuss über den Grosszehenballen wieder ab.

Für Büchler ist das Vorfusslaufen ideal, weil eines seiner Beine beeinträchtigt ist. Der Brugger wird auch am Samstag darauf vertrauen, wenn er um 2 Uhr morgens an den Start geht. Es wird stockdunkel sein und Fredi Büchler wird erst viele Runden laufen müssen, bevor der Tag anbricht. In diesen, nur von kurzen Stopps unterbrochenen Stunden, hat er Zeit, um über einen Wunschtraum nachzudenken: Die Teilnahme am Triathlon bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro.

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