Mit dem Beginn der Sommerferien kam er angeflattert, der grüne, exotisch aussehende Vogel. Mit Vorliebe sitzt er in einem Baum in der Nähe des Hofs und zwitschert munter vor sich hin. Mit seinem melodiösen Gesang hat er Familie Pfister auf sich aufmerksam gemacht.

Yvonne Pfister merkte sofort, dass es sich bei diesem Sänger nicht um einen Einheimischen handeln kann. Also hielt man die Augen offen und entdeckte alsbald das grüne Kerlchen im Baum sitzen. Sofort kam bei Pfisters die Frage auf, woher der knapp 30 Zentimeter lange Vogel wohl stammen könnte. Auf ihrer Facebook-Seite starteten sie einen Aufruf. Sie stellten die Frage, ob jemand diesen Vogel vermisse und ob jemand wisse, was es für eine Art sein könnte. Einige User vermuteten, es könnte ein Immigrant aus Deutschland sein, wo inzwischen stattliche Kolonien von Halsbandsittichen leben. Schnell zeigte sich, dass der Vogel sicher nicht aus dem Vogelpark Ambigua in Zeihen stammt.

Eine Anfrage bei der Vogelwarte Sempach verschafft Klarheit. Biologe Livio Rey sagt, es handle sich bei wahrscheinlich um einen Mönchssittich. Diese stammen aus Südamerika und kamen als Käfigvögel nach Europa. Teilweise sind solche Vögel aus ihren Käfigen entflohen und haben freifliegende Populationen gegründet, etwa in Spanien oder Frankreich.

Der Piepmatz könnte also von alleine aus dem angrenzenden Ausland eingeflogen sein. Er könnte aber auch aus seiner Voliere ausgebrochen oder ausgesetzt worden sein. Das Kerlchen kann sich momentan an Körnern und Kernen gütlich tun, was ihm sehr zu munden scheint. Für Yvonne Pfister stellt sich die Frage, ob der Vogel den Schweizer Winter überleben kann.

«Potenziell invasiv»

Laut Vogelexperte Rey kann der Sittich den mitteleuropäischen Winter durchaus überleben. Das muss er vermutlich aber nicht auf sich allein gestellt, denn laut Rey muss im Falle eines ausgesetzten oder entflohenen nicht-einheimischen Vogels der Kanton aktiv werden. Genauer: Die Jadverordnung, Artikel 8, käme zum Tragen. Sie besagt, dass der Kanton dafür sorgt, dass die Bestände von nicht-einheimischen Tieren, die in die freie Wildbahn gelangen, reguliert werden und sich nicht ausbreiten. Beim Mönchssittich handelt es sich laut Rey um eine «potenziell invasive Art», die sich plötzlich sehr stark vermehren kann. Dann sei es aber oft bereits zu spät, um einzugreifen, weshalb es sinnvoll sei, sofort zu handeln und eine Ausbreitung zu verhindern.