Thalheim
Exekutive wieder komplett: Neu reitet sie als Gemeinderätin durchs Dorf

Monique Rotzer wurde an der Wahlversammlung fast einstimmig gewählt. Die neue Ressortvorsteherin Schule und Soziales erhielt 88 von 92 gültigen Stimmen. Ihr Vorgänger Remo Seelhofer hatte sein Amt nach sechs Monaten aus privaten Gründen abgegeben.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Monique Rotzer: «Gereizt hat mich das vakante Ressort Schule und Soziales.»

Monique Rotzer: «Gereizt hat mich das vakante Ressort Schule und Soziales.»

Claudia Meier

«Ich bin schon überrascht, wie viele Leute heute anwesend sind», sagt eine Frau am Mittwochabend an einem langen Tisch in der Turnhalle Thalheim. Tatsächlich, die Reihen füllen sich schnell, und die Stimmung ist locker. Der Ausgang der Wahlversammlung dürfte allen klar sein. Es geht nämlich darum, den fünften Sitz im Gemeinderat neu zu besetzen. Der Grund: Der amtsjüngste Gemeinderat Remo Seelhofer gab im Juni nach knapp sechs Monaten seinen sofortigen Rücktritt aus der Exekutive bekannt. Begründet wurde der Rücktritt in der «Thalner Dorfziitig» mit der zeitlichen Belastung, die sich nicht mehr mit den beruflichen Anforderungen und dem Privatleben von Seelhofer vereinbaren liess.

Vor wenigen Tagen flatterte den Thalnern ein Flugblatt für eine Kandidatin ins Haus: Monique Rotzer, Jahrgang 1973, parteilos, seit 2006 mit ihrem Ehemann in Thalheim wohnhaft, seit 2008 Mutter einer Tochter, aktive Reitsportlerin, von Beruf Kinderkrankenschwester mit Weiterbildung im kaufmännischen Bereich. Diskussionen seien nicht zulässig, Erläuterungen zu einzelnen Kandidaten hingegen schon, macht Gemeindeschreiberin Ursula Fankhauser den 92 anwesenden Stimmberechtigten (von 626) klar.

«War sie am Dorffest?»

Ein Mann ergreift das Wort, verweist auf das Flugblatt und darauf, dass vermutlich alle Durst hätten und sich eine kurze Versammlung wünschten. Weitere Namen bringen die Wahlberechtigten nicht ins Spiel. Sekunden später liegen die grünen Wahlzettel auf den Tischen. «Diese Kandidatin reitet doch manchmal mit dem Pferd durch Dorf», so ein Mann. Sein Tischnachbar nickt und sagt: «Ja, praktisch täglich.» «Ich habe diese Frau noch nie im Dorf gesehen. War sie auch am Dorffest?», tönt es aus einer Ecke, während Andere über das Wahlgeheimnis witzeln.

Premiere für einen Deutschen

Für Martin Münch ist dieser Abend eine Premiere. Der Deutsche wohnt mit seiner Frau seit 13 Jahren in Thalheim, ist aber erst seit Dezember eingebürgert. «Ich bin gekommen, weil ich der Kandidatin einen würdevollen Einstieg ermöglichen will. Das gehört für mich einfach dazu.»

Mit einer kleinen Plastik-Wäschezaine werden die Wahlzettel eingesammelt und auf der Bühne ausgezählt. «Das Resultat wird einstimmig ausfallen», sagt eine Frau zu ihrem Mann. Einige spekulieren auf 90 oder 91 Stimmen. Monique Rotzer wird mit 88 Stimmen gewählt. Grossrat und Präsident der SVP-Ortspartei, Martin Wernli, nimmt das Resultat mit Genugtuung zur Kenntnis. «Ich bin überwältigt und danke für das Vertrauen. Ich nehme die Wahl gerne an», so Rotzer und strahlt.

Sie sei zuvor noch nie für dieses Amt angefragt worden, sagt Rotzer, nachdem sie die ersten Gratulationen entgegen genommen hat. «Gereizt hat mich das vakante Ressort Schule und Soziales.» Wirken die häufigen Personalwechsel auf der Verwaltung (die az berichtete) nicht etwas abschreckend? «Nein. Für mich zählt, was kommt.» Auf Thalheims Strassen ist es kurz nach Versammlungsende ruhig. Aus der Dorfbeiz dringt Gelächter.