Mülligen
Ex-Ammann: «Die wollen sich aus der Verantwortung schleichen»

Für den ehemaligen Gemeindeammann Bruno Baumann sind die Rücktritte der drei Gemeinderäte ein Schnellschuss. Das Schreiben, das die drei Zurücktretenden letzte Woche an die Bevölkerung verteilt haben, enthalte Unwahrheiten.

Michael Hunziker
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Der Stein des Anstosses: Die Wegfahrt auf die Birrfeldstrasse.

Der Stein des Anstosses: Die Wegfahrt auf die Birrfeldstrasse.

Louis Probst

«Sehr überrascht» sei er gewesen, als er von den drei Rücktritten aus dem Gemeinderat Mülligen erfahren habe, sagt Bruno Baumann. Und erstaunt hätten ihn die vom Gemeinderat aufgeführten Gründe, die zu diesem Entscheid geführt hätten. Baumann sass selber insgesamt 20 Jahre im Gemeinderat Mülligen und amtete bis 1993 als Gemeindeammann.

Die drei zurücktretenden Gemeinderäte hielten letzte Woche in einem Schreiben an die Bevölkerung fest, dass sie an der Gemeindeversammlung hätten feststellen müssen, dass ihre Arbeit und Politik nicht gewürdigt werde. Für intensive Diskussionen gesorgt hatte an der Gemeindeversammlung die Verkehrsführung des geplanten Kiesabbaus im Gebiet Langacher, Birrhard.

«Keine Lorbeeren für Gemeinderat»

Bruno Baumann war – insbesondere – von Anwohnern der Siedlungsgebiete Bergacker und Trotte bestimmt worden, an der Gemeindeversammlung über die Problematik der Transportroute zu informieren und anschliessend mit drei Forderungen an den Gemeinderat zu gelangen. Um Beachtung zu erreichen, sei eine Konsultativabstimmung gefordert worden, so Baumann. Das Ergebnis: 134 der 148 anwesenden Stimmberechtigten hätten die Forderungen unterstützt. «Es gab keine Lorbeeren für den Gemeinderat», stellt Baumann fest. «Das Resultat war überwältigend und zeigte eigentlich auch den Stellenwert, den dieses Thema bei der Bevölkerung hat.»

Das Schreiben, das die drei Zurücktretenden letzte Woche an die Bevölkerung verteilt haben, enthält laut Baumann Unwahrheiten: «Die Behauptung, dass die Konsultativabstimmung eine ‹getarnte Misstrauenserklärung› sei, ist falsch und eine Unterstellung.» Auch die Behauptung, dass es «nicht mehr um die Sache ging», stimme nicht. «Es ging den 134 Befürwortenden um die Sache und um nichts anderes», betont Baumann. «Das Protokoll der Gemeindeversammlung kann dies sachlich belegen.» Die Aussage, dass die Arbeit und Politik des Gemeinderats nicht gewürdigt werde, sei ebenfalls falsch, denn die gemeinderätlichen Anträge zu Budget 2013, Schulplanungskredit und Kanalisationsleitung seien praktisch einstimmig gutgeheissen worden, führt Baumann aus.

Ausserdem werde im Schreiben an die Bevölkerung erwähnt, dass der Gemeinderat als inkompetent betitelt wurde. «Auch das stimmt nicht. Diese Worte und diese Aussage sind nie gefallen», sagt Baumann. Und die Behauptung schliesslich, dass zwei der drei Forderungen praktisch schon erfüllt seien, habe nach der Gemeindeversammlung genauso wenig gestimmt wie heute.

«Erhielten keine Informationen»

Es stimme aber, dass dem Gemeinderat fehlendes Engagement in Sache Transportwege aus dem geplanten Kiesabbaugebiet Langacher vorgeworfen wurde, sagt Baumann. Denn: Dreiviertel Jahre sei bei diesem Thema nichts passiert. «Wir Mülliger erhielten keine Informationen.» Und Rückfragen beim Gemeinderat – mündlich und schriftlich – seien unbeantwortet geblieben oder es habe geheissen «Wir sind am Ball».

Für Baumann steht fest: «Die drei Zurücktretenden können nicht mit sachorientierten Niederlagen leben. Statt in sich zu gehen, Lösungen zu suchen und Hilfe anzunehmen, schmeissen sie den Bettel hin.» Er habe da die böse Vermutung, dass der Rücktritt ein Schnellschuss war, «dass die Herren sich aus der Verantwortung schleichen wollen». Seiner Meinung nach wäre es besser, professioneller und fairer gewesen, wenn die Drei den Rücktritt auf Ende der Amtsperiode, das heisst auf Ende 2013, bekannt gegeben hätten. «Damit hätten sie sich selbst und auch uns Mülligern einiges ersparen können», meint Baumann. Kurz: «Das haben die Wählerinnen und Wähler von Mülligen nicht verdient.»

Forderungen: «Endlich agieren statt reagieren»

An der Gemeindeversammlung vom 16. November ist die Gruppierung um Bruno Baumann mit drei Forderungen an den Gemeinderat getreten. Erstens wurde verlangt, dass der Gemeinderat die Durchfahrtsvereinbarung zwischen Holcim und Agir AG nicht unterzeichnet.Zweitens forderte die Gruppierung, dass der Gemeinderat bei den National- und Ständeräten des Kantons Aargau aktiv wird und diese um Hilfe und Unterstützung für eine Werkauffahrt auf die A1 in Richtung Zürich bittet. Und drittens: «Wir fordern auch, dass der Gemeinderat endlich agiert, statt reagiert und der Kiesindustrie und dem Kanton klarmacht, dass andere Konzepte für Abtransport- und später Auffülltransportwege zu erarbeiten sind, als durch die Siedlungsgebiete von Mülligen zu fahren.» Für die Gruppierung steht fest: «Wir Mülliger wollen keinen zusätzlichen Lastwagenverkehr durch unser Dorf und durch unsere Siedlungsgebiete Bergacker und Trotte.»(mhu)

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