Brugg
EVP-Mitglieder bilden seit 50 Jahren das kritische Gegengewicht zum Stadtrat

Seit einem halben Jahrhundert gibt es die Stadtpartei der Evangelischen Volkspartei. Mit diskreten Impulsen sorgt sie für sichtbare Spuren. Fraktionschef Johannes Gerber sagt, warum sich die Partei nicht in ein Links-Rechts-Schema einordnen lässt.

Claudia Meier
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zvg

Die Evangelische Volkspartei (EVP) bildet momentan mit drei Mitgliedern die zweitkleinste Fraktion im Brugger Einwohnerrat. Dennoch kann die Stadtpartei auf einige Erfolge in ihrer 50-jährigen Geschichte zurückblicken und ihr Jubiläum diesen Samstagnachmittag mit einem Stadtrundgang und Apéro feiern.

Die Gründung der Ortspartei erfolgte 1965 im Hinblick auf die ersten Einwohnerratswahlen. Die Mitglieder gehörten der reformierten Landeskirche oder den Freikirchen an, waren Arbeiter und Beamte. Ihnen war es ein Anliegen, dass auch Gruppen im Einwohnerrat vertreten waren, die nicht im Gemeinderat Einsitz hatten.

Während 12 Jahren im Stadtrat

Fraktionschef Johannes Gerber erinnert sich: «Die besten Zeiten hatte die EVP Stadtpartei Brugg unter dem Präsidium von Ueli Steinhauer zwischen 1983 und 1997.» Mehrere Aktionen hatten politische Auswirkungen: Zweimal gab es eine Putzete im Freudensteinwäldli, Styroporsammlungen wurden durchgeführt, was in der Folge zu Sammelstellen führte, wo praktisch alle wiederverwertbaren Abfälle abgegeben werden können. Die EVP setzte sich ausserdem für den Ausbau der Busverbindungen nach Lauffohr und ins Westquartier ein.

Mit zwei Umfragen bei allen Haushalten sowie zwei Motionen, die die Realisierung des Bodenackerschulhauses auslösten und zum Mittagstisch sowie zur Randstundenbetreuung auf der Primarstufe in der heutigen Form führten, hat die Partei laut Gerber weitere Akzente gesetzt.

Während dreier Amtsperioden war die EVP mit Margrit Zimmermann-Turgi im Brugger Stadtrat vertreten. «Es war ein Glücksfall für uns als kleine Partei, zum richtigen Zeitpunkt eine ausgezeichnete Kandidatin portieren zu können, die von 1990 bis 2001 Mitglied der Exekutive war», so Johannes Gerber weiter. Zimmermann war von 1994 bis 2001 Vizeammann.

Bevorzugt persönliche Kontakte

Die EVP Stadtpartei Brugg ist die einzige Kleinpartei, die stets im Einwohnerrat Brugg vertreten war. «Andere Kleinparteien kamen und verschwanden wieder», so Gerber. Aufgrund ihrer Grösse konnte sie aber nichts im Alleingang erreichen. Sie musste für ihre Anliegen bei anderen Parteien und in der Bevölkerung Verbündete suchen.

Gerber ist überzeugt, dass es die EVP in Brugg weiterhin braucht, «weil sie nach wie vor unabhängig und keiner Ideologie verpflichtet ist, sondern auf der Basis des Evangeliums als christliche Partei politisiert». Die Partei lasse sich deshalb auch nicht so einfach in ein Links-Rechts-Schema einordnen, weil sie mit jeder anderen Partei gewisse Themen teile: mit den Grünen den Umweltschutz, mit der SP das Engagement für die Benachteiligten und Schwachen, mit der CVP die Familienpolitik, mit der SVP den Einsatz für Werte und Sicherheit und so weiter.

In den Schwerpunktbereichen Bildung, Jugendarbeit, Familienpolitik, Langsamverkehr sowie Umweltschutz will sich die Stadtpartei auch in den kommenden Jahren engagieren. Statt mit «vielen Vorstössen Wind zu machen», bevorzugt die EVP diskrete Impulse und persönliche Kontakte zum Stadtrat. Als Beispiel eines solchen Inputs nennt Gerber die Reinigung und den Neuanstrich der Unterführung Mitte am Bahnhof vor drei Jahren. Zahlenmässig bewegt sich die EVP Stadtpartei Brugg stets zwischen 10 und 20 Mitgliedern sowie rund drei Dutzend Gönnern und knapp 200 Sympathisanten.