Car-Unglück
Eurobus-Chef Andreas Meier: «Der Betrieb läuft trotz aller Tragik weiter»

Der Schock nach dem Car-Unglück in Norwegen sitzt nach wie vor tief bei Eurobus-Geschäftsführer Andreas Meier. Gestern war er bei der Beerdigung eines der vier Todesopfer. Derweil ist die letzte Reisegruppe der Saison auf der Nordkap-Route unterwegs.

Manuel Bühlmann
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Eurobus-CEO Andreas Meier.

Eurobus-CEO Andreas Meier.

Tele M1

Der Schock nach dem Car-Unglück in Norwegen sitzt nach wie vor tief bei Eurobus-Geschäftsführer Andreas Meier. Gestern war er bei der Beerdigung eines der vier Todesopfer: «Ein bewegender Moment.»

Noch immer ist unklar, wie es zum Unfall kommen konnte, bei dem vier Menschen ihr Leben verloren und 13 verletzt worden sind. Der Untersuchungsbericht der norwegischen Behörden steht noch aus. Wann dieser vorliegen wird, weiss auch Meier nicht. Nicht äussern möchte er sich zum Gesundheitszustand der verletzten Car-Passagiere, es gelte, deren Privatsphäre zu respektieren. Der Chauffeur ist bei seiner Familie und erhält professionelle psychologische Hilfe. Er sei einige Tage nach dem Unfall von einer Eurobus-Mitarbeiterin in Oslo abgeholt worden und in einem Linienflug nach Hause geflogen, sagt Meier.

Psychologische Hilfe sei auch den anderen Chauffeuren angeboten worden, bisher habe aber keiner darauf zurückgegriffen, sagt Meier. «Der Betrieb läuft trotz aller Tragik weiter.» Einer der rund 300 Fahrer ist derzeit mit einer Gruppe unterwegs in Norwegen – auf derselben Route wie der verunglückte Car. Die letzte Nordkap-Reise für diese Saison. Dass ein einzelner Chauffeur über 8000 Kilometer in 14 Tagen fährt, hat für Kritik von Teilnehmern einer Nordkap-Reise im Juni gesorgt. Sie sprechen von permanenten Tempoüberschreitungen und einem überforderten Chauffeur, der sich auch um Organisatorisches kümmern musste. Er habe sich mehrmals verfahren und sei unter grossem Druck gestanden.

Andreas Meier will nicht in Abrede stellen, dass es zu Fehlern kommen könne. Der Chauffeur der kritisierten Carreise, die rund einen Monat vor dem Unfall stattgefunden hat, sei die Reise zum ersten Mal gefahren, ansonsten aber ein erfahrener Mitarbeiter. Wie die Geschwindigkeit von Fahrgästen empfunden werde, sei subjektiv. Schneller als 100 km/h könnten die Cars aber gar nicht fahren.

Wie die nächste Traumreise Nordkap-Lofoten im Juni 2015 aussehen wird, prüft Eurobus nun. Grundsätzlich infrage stellen will Meier die Reise aber nicht. Sie sei in den letzten 20 Jahren über 100-mal angeboten worden, habe sich bewährt und sei beliebt. Nicht beantworten will Andreas Meier zum jetzigen Zeitpunkt die Frage, ob auf längeren Reisen weiterhin nur ein Chauffeur eingeteilt sein wird: «Um abschliessend etwas zu sagen, ist es zu früh. Eine Gesamtbeurteilung ist erst möglich, wenn alle Fakten vorliegen.» Er wehrt sich aber gegen den Vorwurf, die Reisebegleitung sei wegrationalisiert worden: Ab der Schweiz sei nie ein Reiseleiter mit an Bord gewesen. Eurobus setze hingegen vor Ort lokale Spezialisten ein.

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