Brugg

«Es wird kein Selbstläufer» – trotz 14 Meistertiteln

Martin Nietlispach, Coach der Brugger Judoka, am Finalkampf des letztjährigen Final-Four-Turniers in der heimischen Mülimatt-Halle. AZ ARCHIV/RUBU

Martin Nietlispach, Coach der Brugger Judoka, am Finalkampf des letztjährigen Final-Four-Turniers in der heimischen Mülimatt-Halle. AZ ARCHIV/RUBU

Am 2. Dezember kämpfen die Judoka um den 15. Titel in der Team-Meisterschaft. Mit Ciril Grossklaus fehlt das Aushängeschild und der Olympastarter des Teams.

Die Erinnerungen sind noch frisch. Vor einem Jahr machten sich Coach Martin Nietlispach (30) und seine Brugger Judoka Truppe mit dem zehnten Schweizer-Meister-Titel in Folge unsterblich.

Wer dabei war, schwärmt heute noch von der damaligen Stimmung in der Windischer Sporthalle Mülimatt, vom «Fighting Spirit» der Brugger und ihrem Erfolg im Final gegen Uster. «Es war etwas Grosses», blickt Nietlispach zurück. Den insgesamt 14. Titel holte der Jiu-Jitsu & Judo Club Brugg damals.

Nach einer erfolgreich verlaufenen NLA-Qualifikation greifen die Brugger am Samstag, 2. Dezember, im waadtländischen Renens nach dem nächsten Meisterkübel.

Drei Spitzenleute fehlen

«Es wird kein Selbstläufer», hebt indes Bruggs Aushängeschild und Olympiastarter Ciril Grossklaus (26) den Warnfinger. Anders als vor Jahresfrist gelten die Aargauer keineswegs als Favoriten auf den Gewinn des als Final Four bezeichneten Titelturniers.

Grund für die gedämpfte Erwartungshaltung bei den Bruggern: Sie müssen stark ersatzgeschwächt antreten. Allen voran fehlt Grossklaus, der neue Schweizer Meister steht zeitgleich am Grand-Slam-Turnier in Tokio im Einsatz.

Zudem fehlen die verletzten Michael Kistler und Tobias Meier. «Ohne diese drei Leistungsträger wird unsere Mission Titelverteidigung eine grosse Herausforderung», bringt es Coach Nietlispach auf den Punkt. Eine Herausforderung war bereits die Qualifikation, die die Brugger auf Rang drei abschlossen. «Nach dem letztjährigen Titelgewinn verliessen uns einige starke Kämpfer, die Qualifikation für das Finalturnier stand jedoch nie ernsthaft infrage.»

Obwohl er seit geraumer Zeit nicht mehr kämpfen möchte, stellte sich Nietlispach in den vergangenen Wochen und Monaten sechsmal erfolgreich in der Mannschaftsmeisterschaft auf die Matte.

Dies vor allem zum Schutz der Brugger Nachwuchskräfte. «Wenn ich sehe, dass beim Gegner ein starker Ausländer aufgestellt ist, dann übernehme ich und lasse den Jungen draussen», schmunzelt der Coach. Verheizt werden soll beim JJJC Brugg niemand.

Eine Frage der Philosophie

Apropos ausländische Verstärkungen: Cortaillod, Bruggs Gegner im Halbfinal, wird mit prominentem Personal antreten. Der Brite Benjamin Bletcher ist in der Gewichtsklasse -100 kg internationale Klasse und liegt aktuell auf Rang 18 in der Weltrangliste.

Bei Morges, das im zweiten Halbfinal auf Vizemeister Uster trifft, steht mit dem Ägypter Ramadan Darwish ebenfalls ein ausländischer Topathlet unter Vertrag. Nietlispach: «Diese Vereine verfolgen eine gänzlich andere Philosophie als wir in Brugg. Wir setzen auf unsere eigenen jungen Kämpfer und auf den Teamgeist, der uns seit Jahren stark macht.»

Ausländer zu holen liege nicht nur aus finanziellen Gründen nicht drin. Investitionen in den eigenen Nachwuchs zu tätigen, das sei viel nachhaltiger, so Nietlispach.

Dass die Aargauer auf dem richtigen Weg sind, zeigte jüngst die Brugger Medaillenflut an den Schweizer Einzelmeisterschaften in den Kategorien Jugend, Junioren und Elite. «Wir sind fit für die Zukunft», freut sich Nietlispach.

Auf die Frage, ob er sich selbst fit genug fühle für einen Einsatz am Final Four, lächelt der Geschäftsführer einer Regionalzeitung. «Wissen Sie, ich habe eigentlich nicht vor, selber zu kämpfen. Aber ja: Ich fühle mich fit und werde mich am Morgen vor dem Kampf entscheiden.»

Sollten die Brugger Judoka am 2. Dezember tatsächlich ihren 15. Meistertitel feiern, würden sie erneut Geschichtsträchtiges zustande bringen. Dann wären sie nämlich vor Nippon Zürich alleiniger Rekordhalter.

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