Gericht
Es war kein Unfall: Aargauer Messerstecher muss ins Gefängnis

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte einen Aargauer Türken wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu 26 Monaten Freiheitsentzug. Bei einem Streit hat der Pizzaiolo in Riniken einem Kosovo-Albaner mit einem Messer ins Gesicht gestochen.

Attila Szenogrady
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Der junge Pizzaiolo hatte einen ihm bekannten Kosovo-Albaner mit einem Küchenmesser erheblich verletzt. (Symbolbild)

Der junge Pizzaiolo hatte einen ihm bekannten Kosovo-Albaner mit einem Küchenmesser erheblich verletzt. (Symbolbild)

Keystone

Der Täter machte vor Gericht vergeblich einen Unfall geltend und wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 26 Monaten verurteilt. Zehn Monate davon unbedingt.

Es war am 28. August 2013, als die Aargauer Polizei am Abend zu einem Restaurant in Riniken ausrückte und einen heute 20-jährigen Türken festnahm. Der Grund: Der junge Pizzaiolo hatte kurz zuvor einen ihm bekannten Kosovo-Albaner mit einem Küchenmesser erheblich verletzt. Die beiden jungen Männer waren um 19.30 Uhr in der Küche des Restaurants (Tannegg) wegen des umstrittenen Besitzes eines Laptops aneinander geraten.

Ins Gesicht gestochen

Fest steht, dass sich der Kosovare nach einem heftigen Wortgefecht nach draussen begab. Worauf der Beschuldigte zu einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser griff, seinem Gegner folgte und diesem zuerst zwei Faustschläge versetzte. Dann zückte er das Messer und machte rund fünf Stichbewegungen in Richtung des Bauches des Opfers. Dieses konnte zunächst ausweichen.

Doch dann stach der Angreifer von oben zu und traf ihn im Gesicht. Dabei schnitt er ihm zwischen Ohr und Nasenspitze die rechte Wange auf. Erst jetzt liess er vom stark blutenden Opfer ab und liess sich nachher von der Polizei ohne Gegenwehr arretieren.

Notwehr geltend gemacht

Aufgrund eines früheren Strafverfahrens in Zürich musste sich der inhaftierte Beschuldigte am Dienstag nicht vor der Aargauer Justiz, sondern vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Sohn des Wirtepaares des Restaurants machte dabei Notwehr geltend. So sei der Geschädigte in der Küche so wütend geworden, dass er sich gefürchtet habe.

Er habe aus purer Angst zum Messer gegriffen, machte er geltend. Den späteren Messerstich bezeichnete er als versehentlichen Unfall. Er habe seinen Gegner weder verletzen noch töten wollen. Wobei sein Verteidiger Jürg Federspiel nur von einer fahrlässigen Körperverletzung ausging und die sofortige Haftentlassung seines Klienten verlangte.

Hohe Strafe wegen Tötungsversuchs gefordert

Völlig anders sah es die Staatsanwältin Patricia Thurner, die wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine hohe Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren forderte. Von einer Notwehrsituation könne keine Rede sein, plädierte sie und erinnerte die Gegenseite daran, dass der Beschuldigte dem Opfer nach draussen gefolgt sei. Danach habe er das Messer als Waffe eingesetzt und den Tod des Geschädigten zumindest in Kauf genommen, erklärte die Anklägerin.

Versuchte schwere Körperverletzung

Das Gericht schlug zum Schluss den Mittelweg ein. In seinem am Mittwoch eröffneten Urteil verurteilte es den jungen Messerstecher wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 26 Monaten. Zehn Monate davon soll absitzen, wobei er bereits 265 Tage verbüsst hat. Zudem soll er dem Opfer grundsätzlich einen Schadenersatz in noch unbekannter Höhe sowie eine Genugtuung von 5000 Franken zu bezahlen. Das von der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach beschlagnahmte Küchenmesser wird eingezogen und vernichtet.