Stadtfest Brugg

«Es ist unglaublich, was erreicht wurde» – OK-Präsident zieht ein positives Fazit

Jürg Baur an der Eröffnung des Stadtfests, passend zum Motto «Verfärbt»

Jürg Baur an der Eröffnung des Stadtfests, passend zum Motto «Verfärbt»

OK-Präsident Jürg Baur spricht über Schlaf, Lärm, Zahlen, Dekoration – und auch schon über das nächste Stadtfest.

Brugg kann nicht festen? Von wegen! An zwei Wochenenden hat sich die Stadt unter dem Motto «Verfärbt» in eine einzige grosse Festhütte verwandelt, mit über 60 spektakulären Beizen und Bars sowie einem riesigen Angebot an hervorragenden Konzerten. «Ein so fantastisch verfärbtes Fest hat Brugg noch nie erlebt», sagt nach dem Grossanlass ein strahlender Jürg Baur, OK-Präsident und Stadtrat.

Wie fühlt sich der OK-Präsident nach zwei anstrengenden Stadtfest-Wochenenden?

Jürg Baur (lacht): Glücklich und zufrieden, aber auch etwas müde.

Der Schlaf kam sicher zu kurz in den letzten Tagen?

Ja tatsächlich, über die Wochenenden waren es jeweils nur drei bis vier Stunden pro Nacht. Tagsüber fand ich kaum Gelegenheit, mich auszuruhen. Der Puls blieb immer hoch.

Was hielt Sie am meisten auf Trab?

Es war mir wichtig, vor Ort zu sein, um bei Fragen und Problemen sofort unterstützen zu können. Ich wollte die Sicherheit, dass wir alle Details bedacht haben und vieles wie geplant ablaufen kann.

OK-Präsident auf der Hebebühne: Das Stadtfest Brugg ist eröffnet!

OK-Präsident auf der Hebebühne: die Stadtfest-Eröffnung im Video

Mit Oldtimern, Konfettiregen von der Hebebühne aus und Freibier für die geladene Prominenz zelebrierte OK-Präsident Jürg Baur am Freitagabend die ersten Momente «seines» Fests anlässlich der Eröffnung am Freitagabend, 23. August.

Wie fällt die Bilanz aus über das gesamte Stadtfest?

Es war ein unglaublich farbiges und tolles Fest, mit einem abwechslungsreichen kulturellen und kulinarischen Angebot. Die Stimmung war angenehm friedlich und das Wetter spielte definitiv mit. Es ist unglaublich, was gemeinsam erreicht wurde.

Was stach besonders heraus?

Sehr glücklich bin ich über die Vielseitigkeit. Neben den grossen Konzerten wie denjenigen von Luca Hänni oder Stress gab es zahlreiche genauso gelungene kleinere Auftritte. Den Besuchern war es möglich, sich an der Party zu erfreuen oder sich auch abseits des Gedränges in ruhigeren Ecken aufzuhalten und zu geniessen.

Welches waren Ihre ganz persönlichen Höhepunkte?

Gefreut habe ich mich darüber, dass unser Festkonzept nach den drei Jahren Vorbereitungszeit aufgegangen ist – mit der Unterstützung aller Beteiligten. Ob Beizenvereine oder Helfer, alle zeigten einen unermüdlichen Einsatz. Dafür sind wir unendlich dankbar.

Wie fielen die Reaktionen der Besucher aus?

Wir erhielten viele erfreuliche Rückmeldungen. Man hat Brugg ein solches Fest anfänglich nicht zugetraut. Es gab aber auch ein paar wenige Kleinigkeiten, die bemängelt wurden.

Welche?

Der Lärm durch die verschiedenen Unterhaltungsangebote der einzelnen Beizen war beispielsweise ein Thema. Wir verlangten bei den Beizen immer wieder, dass die Vorgaben der Lautstärke einzuhalten sind. Aufs zweite Wochenende haben wir die oberste Grenze um einige Dezibel verringert.

Hielten sich alle an die Rahmenbedingungen?

Unsere Anweisungen wurden grundsätzlich befolgt, es war eine positive Zusammenarbeit. Ich kann die Beizen für ihr grosses Engagement nur loben. Dank ihnen lebte das Fest. Man denke nur an die imposanten und originellen Bauten.

Hat sich das Konzept mit den Mehrwegbechern bewährt?

Ja, das Konzept hat uns mehr als überzeugt. Die Verschmutzung auf dem Festgelände konnte dadurch um einiges verringert werden und zusätzlich war das System auch ein Bestandteil unserer Nachhaltigkeit. Ein grosser Dank gehört dem Bauamt und der Firma Daetwiler für die saubere Stadt und die Entsorgung. Sie waren unsere stillen und fleissigen Arbeiter im Hintergrund.

Gab es Zwischenfälle?

Nur einige wenige, kleinere Verletzungen oder wenn einmal etwas zu viel Alkohol im Spiel war. Mit den Blaulicht-Organisationen und dem Sicherheitsdienst bestand eine enge Zusammenarbeit, die reibungslos funktionierte.

Was hat Sie geärgert?

Enttäuscht war ich über die geringe Bereitschaft einiger Festbesucher, einen Eintritt zu bezahlen. Für wenig Geld gab es ein unglaublich facettenreiches Angebot und Programm. Am zweiten Wochenende haben wir den Verkauf und die Eintrittskontrollen angepasst und mit Sicherheitspersonal verstärkt.

Kritische Stimmen wurden im Vorfeld laut von Anwohnern und Gewerbetreibenden. Befürchtet wurde, dass ohne Festpass kein Zutritt gewährt wird zum Festareal, das sich über die Altstadt erstreckte.

In den sozialen Medien entflammte diese Diskussion immer wieder. Wir haben von Anfang an kommuniziert, dass Bewohner sowie Kunden der Geschäfte in der Altstadt keinen Festpass kaufen müssen.

Am ersten Wochenende waren die Tages-Festpässe schnell ausverkauft.

Als Brugger gingen wir davon aus, dass viele einen Gesamt-Festpass für alle sechs Tage bevorzugen. Da haben wir falsch kalkuliert. Wir mussten schnell reagieren und sind deshalb auf Kleber ausgewichen.

Wurde das OK auch von der gesamten Anzahl der Besucher überrascht?

Ja, positiv. Wir rechneten mit 40 000 bis 60 000, liegen nun nach einer ersten Schätzung mit rund 70 000 deutlich darüber.

Schreibt das Stadtfest also schwarze Zahlen?

Dazu kann ich heute noch keine definitive Aussage machen.

Nicht nur das kulinarische, auch das kulturelle Angebot war riesig. Waren die Besucher nicht überfordert mit den im Festperimeter verteilten vier grossen Bühnen?

Da müssten wir die Besucher selber fragen – es gab viel positives Echo. Das Fest-OK ist von diesem Konzept mit zwei Hauptbühnen und weiteren Klein- oder Nebenbühnen überzeugt. Mit weniger Bühnen wäre ein solch vielseitiges Unterhaltungsprogramm nicht denkbar gewesen.

Luca Hänni spielte in der Hofstatt, nicht alle erhielten Einlass. Wäre ein anderer Ort – beispielsweise die Schützenmatte – nicht geeigneter gewesen?

Der Andrang war so gross, dass wir die Zugänge aus sicherheitstechnischen Überlegungen schliessen mussten. Die Sicherheit aller Besucher hatte für uns oberste Priorität. Dass gewisse Leute durch diese Massnahme enttäuscht wurden, tut uns leid. Das Ausweichen auf eine andere grössere Bühne war nicht möglich. Ebenfalls wollten wir die Konzerte innerhalb des Festperimeters durchführen. Bei anderen, erwähnenswert ist etwa dasjenige von James Gruntz Trio, herrschte richtiggehend eine Gänsehautstimmung in der einzigartigen Atmosphäre mitten in den Häusern der Hofstatt.

Die meisten Konzerte begannen pünktlich auf die Minute. Einige Auftritte, wie derjenige von Rapper Stress, wurden aber, anders als in der gedruckten Festzeitschrift aufgeführt, um eine halbe Stunde verschoben.

Das ist korrekt. Bei einigen Künstlern veränderten sich die Rahmenbedingungen oder es brauchte mehr Zeit für den Um- und Aufbau. Das wussten wir bei der Planung des Kulturprogramms noch nicht im Detail. Wir versuchten, Änderungen gleich vor Ort so gut wie möglich zu kommunizieren.

Fällt der OK-Präsident nach der grossen Anspannung im Vorfeld nun in ein Loch?

Nein, diese Gefahr besteht bei mir nicht (lacht). Jetzt folgt die Nachbearbeitung. Uns ist die Nachhaltigkeit wichtig. Die Konzepte, die wir erarbeitet haben, sollen bei späteren Anlässen wieder verwendet werden können, den künftigen Organisatoren zur Verfügung stehen: Pläne von den Beizen-Standorten, das Krisenmanagement, das Organigramm und vieles mehr. Gerne möchten wir unser Wissen und die Erfahrung weitergeben.

Farbige Wimpel und Regenschirme schmückten die Stadt, dazu hingen Stadtfest-Fahnen: Was passiert damit?

Für die Dekoration, an der sich auch die Schule beteiligte, besteht Interesse von verschiedener Seite. Wir sammeln alle Anfragen und werden dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Die speziellen Fahnen für unsere Nachbargemeinden gehen wieder an diese zurück als Andenken.

Das Stadtfest Brugg, ist geplant, soll künftig in einem Turnus von sechs Jahren stattfinden. Was kann optimiert werden bei einem nächsten Mal?

Die Nachbearbeitung ist bereits im Vorfeld und während dem Fest angelaufen. Das OK wird die verschiedenen Punkte – vom Festpass-Verkauf über das Unterhaltungsprogramm bis zum Beizenkonzept – evaluieren und festhalten. Ebenfalls nehmen wir die Rückmeldungen aus der Bevölkerung ernst und werden diese in die Evaluation einbeziehen.

Wie sieht das Stadtfest 2025 aus?

Hier kann ich keine abschliessende Antwort geben. Wir haben nach dem Stadtfest 2013 einen weiteren Grundstein für die zukünftige Planung gelegt. Gerne freuen wir uns wiederum auf ein tolles Fest – Brugg hat aufgezeigt, dass wir zum Festen und Geniessen bereit sind. Es gibt übrigens bereits Stimmen die finden, eine Wartezeit von sechs Jahren sei zu lang . . .

Was wünschen Sie sich für das nächste Stadtfest?

Wiederum eine grosse Vielseitigkeit, ein tolles Angebot und dass es ein Ort bleibt für unvergessliche Momente, schöne Erlebnisse und guten Begegnungen . . . und schönes Wetter! (lacht)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1