Sterbebegleitung

«Es ist schön, wenn Menschen ihr Leben in Ruhe abschliessen können»

Elisabeth von Rohr aus Würenlingen leitet seit drei Jahren ehrenamtlich die Einsatzzentrale von Hospiz Ambulant. Sie ist unter der Telefonnummer 079 320 99 15 rund um die Uhr erreichbar.

Elisabeth von Rohr aus Würenlingen leitet seit drei Jahren ehrenamtlich die Einsatzzentrale von Hospiz Ambulant. Sie ist unter der Telefonnummer 079 320 99 15 rund um die Uhr erreichbar.

Elisabeth von Rohr aus Würenlingen leitet die Einsatzzentrale für Hospiz Ambulant in Brugg. «Wir machen das, weil wir den Mitmenschen etwas Gutes tun und die Angehörigen entlasten wollen», sagt sie.

Elisabeth von Rohr weiss, wie es ist, wenn ein Mensch die Augen für immer schliesst. Als Hilfspflegerin auf der Nachtwache im Alterszentrum Brugg blieb ihr jeweils kaum Zeit, den Sterbenden beizustehen, ihnen die Hand zu halten oder das Gesicht zu waschen. Kein Wunder, denn zwei Angestellte waren nachts für 80 Bewohner zuständig. Von Rohrs Wunsch war es daher, eines Tages mehr Zeit für die Sterbenden zu haben.

Als das Hospiz Aargau im Pfarrblatt Freiwillige für die stationäre und ambulante Sterbebegleitung suchte, kam das Inserat für die frisch Pensionierte aus Würenlingen wie gerufen. Das war vor sechs Jahren. Von Rohr wurde zum Gespräch eingeladen und nahm kurz darauf ihre freiwillige Tätigkeit auf.

«Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet», sagt sie am Tisch im neuen Restaurant Süssbach in Brugg. Die 70-Jährige kann sich noch gut an ihren ersten Einsatz tagsüber bei einer Person mit einem wuchernden Krebs im Mund erinnern. Oder an einen Nachteinsatz, wo sie erst nach längerem Suchen hinter dem Haus durch das Fenster zur Patientin ins Zimmer gelangen konnte.

Ambulante Sterbebegleitung

Seit drei Jahren leitet von Rohr zusätzlich die Einsatzzentrale für die ambulante Sterbebegleitung. Insgesamt sind es drei Frauen, die sich das Handy alle zwei Monate weitergeben. Im Januar und Februar war Elisabeth von Rohr an der Reihe. Dann hat sie das Telefon jeweils rund um die Uhr dabei. Kommt die Anfrage vor 15 Uhr rein, schaut von Rohr auf ihrer Liste mit 23 Freiwilligen (20 Frauen, 3 Männer) nach, wer noch am gleichen Tag ab 22 Uhr die Angehörigen eines Todkranken während etwa 9 Stunden entlasten kann. Die Anrufe kommen in der Regel von der Spitex, der Onko-Spitex oder der Familie. Manchmal wird auch tagsüber um Entlastung gebeten, damit Angehörige zum Coiffeur oder Einkaufen gehen können.

Alles, was von Rohr wissen muss, sind Angaben zu Alter, Krankheit und Wohnverhältnis. Auch die Information, ob der Patient noch essen und trinken kann, muss an die Freiwilligen weitergeleitet werden. «Meistens suchen wir jemanden für drei Nächte. Die Freiwilligen vereinbaren die genaue Zeit selber mit den Betroffenen», sagt von Rohr. «Wir machen das, weil wir den Mitmenschen etwas Gutes tun und die Angehörigen entlasten wollen.» Die Freiwilligen stehen im ganzen Kanton unentgeltlich im Einsatz. Von Hospiz Aargau bekommen sie eine Kilometer-Entschädigung.

Im Januar wurden ambulant 623 Einsatzstunden geleistet, was einem neuen Rekord entspricht. Nur an vier Tagen waren keine Freiwilligen gefragt. Deutlich tiefer war die Nachfrage im Februar. 78 Einsatzstunden wurden gezählt. Die Erfahrung zeigt, dass die Hilfe meist unter der Woche gewünscht wird. An den Wochenenden können sich die Angehörigen meistens selber arrangieren.

Muss Elisabeth von Rohr nicht die Einsatzzentrale hüten, sitzt sie ab und zu selber als Freiwillige am Sterbebett. Alles, was sie dann braucht, ist ein bequemer Stuhl. Manchmal verbringt sie die Nacht auch in der Stube und schaut sporadisch nach dem Sterbenden. «Schicken Sie mir ja niemanden, der missioniert», habe es am Telefon auch schon geheissen. Von Rohr lacht und sagt: «Das machen wir grundsätzlich nicht. Ich erkundige mich aber jeweils, ob es erwünscht ist, dass ich mit den Sterbenden bete.» Dazu hat von Rohr meistens ein Büchlein dabei oder sie betet ein «Vater unser». «Man muss schon aufpassen. Das geht wirklich nicht mit allen», sagt die 70-Jährige. Oft verbringt sie die Zeit lesend. Und wenn sie dafür zu müde ist, strickt sie.

Weitere Freiwillige gesucht

Für Elisabeth von Rohr ist dieses freiwillige Engagement befriedigend: «Es ist schön, wenn Menschen ihr Leben in Ruhe abschliessen können.» Die Angehörigen sind sehr dankbar. Das Hospiz Aargau sucht weiterhin Freiwillige jeden Alters. Wer Interesse hat, macht zuerst bei Hospiz Stationär Palliative Care oder einer anderen Pflegeinstitution ein fünftägiges Praktikum. Dort lernt man, den Patienten die Windeln zu wechseln oder sie umzulagern sowie vorbereitete Medikamente zu verabreichen. Weitere Pflegekenntnisse werden nicht verlangt.

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