Thalheim

Es ist Metzgete-Zeit – Im Schenkenbergtal lädt man zur herbstlichen «Sauerei»

Regierungsrat Markus Dieth (rechts) folgt der Einladung von Gemeindeammann Roland Frauchiger (links) ins Restaurant Weingarten und lässt sich eine Schlachtplatte schmecken. Mit am Tisch sitzen Kellermeister Heinz Simmen (hinten) und Geschäftsführer Hans Peter Kuhn von der Weinbaugenossenschaft Schinznach.

Regierungsrat Markus Dieth (rechts) folgt der Einladung von Gemeindeammann Roland Frauchiger (links) ins Restaurant Weingarten und lässt sich eine Schlachtplatte schmecken. Mit am Tisch sitzen Kellermeister Heinz Simmen (hinten) und Geschäftsführer Hans Peter Kuhn von der Weinbaugenossenschaft Schinznach.

Blut-, Leber-, Brat- und Rauchwurst sind bekannt und beliebt – trotzdem gilt es, Sorge zu tragen zum schönen Brauch im Schenkenbergertal. Denn Frostschäden setzten der traditionellen Traube zu, deren Wein es zum Festschmaus gibt.

«Vorzüglich!», lautet das Urteil von Regierungsrat Markus Dieth. Zum Start der Metzgete-Zeit ist er zu Gast im Restaurant Weingarten in Thalheim, lässt sich in der heimeligen Gaststube eine währschafte Schlachtplatte schmecken. Diese besteht aus herrlichen, nach alten Familienrezepten zubereiteten Spezialitäten: Blut-, Leber-, Brat- und Rauchwurst, einem Stück Rippli sowie Sauerkraut und Rösti.

Genauso zufrieden am langen Tisch sitzen an diesem Montagmittag Gemeindeammann Roland Frauchiger sowie Hans Peter Kuhn und Heinz Simmen von der Weinbaugenossenschaft Schinznach. Später, nach getaner Arbeit in der Küche, gesellt sich Hausherr René Wassmer dazu.

Er habe diese Einladung sehr gerne angenommen, sagt der gut gelaunte, unkomplizierte Landwirtschaftsdirektor Dieth. Die Landwirtschaft, hebt er hervor, sei ein wichtiger Pfeiler für den Aargau, Naturprodukte wie Fleisch und Wein hätten eine grosse Bedeutung.

Die gastronomische Landschaft hat sich verändert

Im Schenkenbergertal ist die Metzgete ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor, hat eine lange Geschichte und ist weitherum bekannt und beliebt. Oder wie es «Wygärtli»-Wirt Wassmer ausdrückt: «Die Metzgete ist ein lebenswichtiges Standbein für die Thalheimer Gastronomie.» Allerdings gelte es, ist er sich mit Gemeindeammann Frauchiger einig, Sorge zu tragen zu diesem schönen Brauch. Denn die gastronomische Landschaft habe sich verändert, einige Restaurants seien leider verschwunden oder es habe Besitzer- und Pächterwechsel gegeben.

Entstanden in den Fünfzigerjahren, sei wegen guter Nachfrage eine stetige Erweiterung auf heute zwölf Wochen erfolgt, erklärt Wassmer. Seien früher hauptsächlich vier Wurstarten mit Brot serviert worden, könne mittlerweile jeder Gast seine bevorzugten Metzgerspezialitäten zusammenstellen. «Sogar für Vegetarier haben wir inzwischen einige Angebote.»

Das Motto «von der Region für die Region» werde seit je gelebt und gepflegt. Die Sauen für die Metzgete in seinem Lokal stammen vom ortsansässigen Eichhof und werden artgerecht gemästet, fügt der Wirt an. Ein Tier, also bis zu 130 Kilogramm Fleisch, verarbeitet er – pro Woche wohlverstanden.

Vom weissen Sauser gelangt weniger in den Verkauf

Als Besonderheit ist während der Metzgete-Zeit im Schenkenbergertal der frisch gepresste weisse Sauser zu haben. Dieser sei ebenfalls eine Visitenkarte der Region, sagen Geschäftsführer Kuhn und Kellermeister Simmen von der Weinbaugenossenschaft. Zwar wird das exklusive Getränk auch heuer angeboten, aber in geringerer Menge und nicht mehr abgefüllt in Ein-Liter-Flaschen.

Der Grund: «Wir haben zu wenig Ware», bringt es Kuhn auf den Punkt. In den letzten drei Jahren, blickt er zurück, traten zweimal Frostschäden auf, einmal kam es zu einem Hagelschaden. Und in erster Linie produziere die Weinbaugenossenschaft Wein aus den Riesling-Sylvaner-Trauben. Kurz: Vom weissen Sauser in den Verkauf gelangen noch 7000 bis 8000 Liter in grossen Standflaschen für Gastrobetriebe oder Lebensmittelläden. In der Vergangenheit war die Menge, zum Vergleich, auch schon doppelt so gross.

Gut erinnern können sich die Anwesenden an die Sauser-Bummel der früheren Jahre, als das ganze Schenkenbergertal involviert war, hüben und drüben Betrieb herrschte und die Leute scharenweise unterwegs waren und von Restaurant zu Restaurant zogen. Auch in diesem Jahr finden die Sauser-Freinächte – zur Feier der Traubenernte – an drei Wochenenden im Oktober statt, an denen die Gasthäuser länger öffnen dürfen.

Die Sauserzeit und die Metzgete, ergänzt «Wygärtli»-Wirt Wassmer, lassen ebenfalls geniessen, verbunden mit einer schönen Wanderung, einem Ausflug mit dem Velo, einem Besuch der Ruine Schenkenbergertal oder einfach so auf der Durchfahrt. Angeboten wird die traditionelle Metzgete übrigens auch im Restaurant Schenkenbergerhof.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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