Draussen war es kalt, drinnen war es warm. Und das nicht nur, weil sich weit über 200 Gäste am Sonntagabend im Salzhaus eingefunden hatten und sich gegenseitig wärmten. Warm war allen vielmehr, weil an diesem stimmigen Ort stattfand, woran im Frühling 2012 niemand mehr geglaubt hatte: Die Wiedergeburt der Brugger Neujahrsblätter. Wie ein Blitz aus heiter hellem Himmel traf die Stadtbewohner damals diese Hiobsbotschaft: Die Brugger Neujahrsblätter sind am Ende; einer 122-jährigen Tradition droht Ende Jahr das Aus.

Begründung: Den Blättern mangle es an interessierten Leserinnen und Lesern. «Wir suchen nach Autoren, betteln um das nötige Geld und am Ende müssen wir sogar noch um Käufer buhlen», hatte damals Beat Kaufmann, Vorsitzender des Redaktionsteams, gesagt und nachgedoppelt: «Ohne Trägerschaft lastet das finanzielle Risiko auf uns Redaktoren. Das können wir nicht mehr verantworten.»

Aus und vorbei?

Nicht in Brugg. In einer beispiellosen Rettungsaktion zogen die Firma Effingerhof AG, die Stadt Brugg und Sponsoren am gemeinsamen Strick. Und siehe da: Die Brugger Neujahrsblätter 2013 erstanden wie Phönix aus der Asche - mit einem neuen Konzept, einem frischen, zeitgemässen Layout und mit einer Fülle von 24, auch so genannten «Nutzwert» bringenden, zukunftsgerichteten Artikeln (zum Beispiel über das Stadtfest und den slowUp 2013). Ein sichtlich freudig gestimmter Stadtammann Daniel Moser sagte: «Der Aufmarsch zeigt, wie wichtig Ihnen allen die Brugger Neujahrsblätter sind. Die heutige Vernissage ist keine Selbstverständlichkeit.» Dieses Wort zog sich wie ein roter Faden durch Mosers kurze, zugleich mahnende Rede. «Die Brugger Neujahrsblätter sind im Frühling beinahe gescheitert.

Weshalb? Auch am Fakt der Selbstverständlichkeit.» Man habe sich daran gewöhnt, dass - wenn wir sie bräuchten - stets sauberes Wasser vorhanden oder ein Arzt in der Nähe sei. Diese Haltung, wonach alles selbstverständlich sei, habe sich auch auf die Brugger Neujahrsblätter erstreckt.

«Es ist gut, dass wir alle geschüttelt und geweckt worden sind: Die Brugger Neujahrsblätter sind keine Selbstverständlichkeit.» Daran erinnerte auch Peter Belart vom Redaktionsteam. Er stellte kurz, aber trefflich und witzig die Autorinnen und Autoren jener 24 Beiträge vor, die in den Rubriken Kunst und Kultur; Gesellschaft; Wirtschaft und Politik sowie Rückblick zu finden sind. Wie wichtig den Bruggerinnen und Bruggern ihre Neujahrsblätter sind, zeigte sich nach Ende des offiziellen Teils: Der Verkaufsstand wurde beinahe gestürmt.