Königsfelden
Es ist bewiesen: Kanzel der Klosterkirche ist gut 700 Jahre alt

Historiker sprechen von einer kleinen Sensation: Das Fichtenholz der mobilen Kanzel, die in der Klosterkirche Königsfelden steht, ist rund 700 Jahre alt. Das Resultat freut und erstaunt die Fachwelt gleichermassen.

Marc Reinhard
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Die Kanzel der Kosterkirche Königsfelden

Die Kanzel der Kosterkirche Königsfelden

Christine Seiler

Die Bäume, aus denen die Kanzel hergestellt wurde, sind zwischen 1314 und 1330 gefällt worden. Die Kanzel stammt also definitiv aus der Bauzeit der Klosterkirche.

Historikerin Martina Huggel freut sich: «Es gab zwar immer wieder Vermutungen und Indizien in diese Richtung, aber den endgültigen Beweis haben wir erst jetzt. Die Kanzel - das ist jetzt so gut wie sicher - gehört zur Erstausstattung des Kirchenraumes.»

Die Kanzel wird augeliehen

Anlass zur Untersuchung war die Ausleihe nach Paderborn für eine Ausstellung. Das schlichte Fichtenmöbel wird im kommenden Dezember seine Reise nach Deutschland antreten, jedoch für die Jubiläumsfeierlichkeiten des Klosters Königsfelden im 2012 bereits wieder «zuhause» sein.

Schon 1954 schrieb der damalige Denkmalpfleger Emil Maurer, dass das «bewegliche Tannenholzmöbel» wohl «spätgotisch» sei. Nicht zuletzt die Form der Ornamente auf den Seitenwänden weist darauf hin. Genaueres zum Alter der Kanzel wusste man aber nicht. Die Spätgotik dauerte in der Schweiz bis weit ins 16. Jahrhundert, deshalb blieben die Vermutungen recht vage.

In der üblichen einfachen Formensprache der Bettelordenklöster steht sie bis heute im Kirchenraum und fristet ein eher unbeachtetes Dasein.
Museum Aargau will mehr wissen

Kanbzel aus zwei Bäumen gefertigt

Als das Museum Aargau, Verwalter des Klosters Königsfelden eine Anfrage erhielt, die Kanzel an der grossen Sonderausstellung «Franziskus - Licht aus Assisi» im Diözesanmuseum Paderborn auszustellen, wollte man Sicherheit betreffs des Alters. Zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege veranlasste das Museum Aargau nun beim Dendrochronologen Raymond Kontic in Basel eine Untersuchung.

Trotz anspruchsvoller Aufgabe gelang ihm der Nachweis, dass die Kanzel zwischen 1314 und 1330, also zur Bauzeit der Kirche, entstanden sein muss. «Die Kanzel ist lediglich aus zwei Bäumen gefertigt. Das schränkt die Vergleichsmöglichkeiten mit normierten Zuwachskurven ein».

Prominente Rolle im 2012

Die «kleine Sensation», wie die Erkenntnis im Presse-Communiqué genannt wird, beziehe sich nicht nur auf das recht genaue Zeitfenster. Martina Huggel: «Die mobile Kanzel steht seit bald 700 Jahren im Kirchenschiff.

Es ist erstaunlich und schön für uns Historiker, dass sie in all den turbulenten Zeiten, nach der Übernahme der Klosteranlage durch den Kanton Bern und der Auflösung des Klosters im 16. Jahrhundert, erhalten geblieben ist.»

Das schlichte Fichtenholzmöbel - zwar wurmbefallen, aber recht gut erhalten - ist eine Rarität. In der Jubiläumsausstellung zum Kloster Königsfelden von April bis Juli 2012 ist ihm eine prominente Rolle zugedacht.

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