Der Tee- und Gewürzladen Tea’n’Spiceria ist unscheinbar. Versteckt liegt er an der Grütstrasse 9 in Brugg. Am Fenster des Ladens klebt ein Papier: «Bitte Eintreten.» Leonore Sichi, die alleinige Betreiberin des kleinen Ladens, begrüsst herzlich. Speziell am Setting: Der Laden befindet sich im Haus der Familie. «So bin ich flexibler und kann sowohl den Haushalt machen als auch das Geschäft von zu Hause aus führen», sagt Leonore Sichi. Ausserdem arbeitet sie daneben noch 50 Prozent im Sekretariat des Flugplatzes Birrfeld.

Die 53-Jährige führt ihren Laden seit 2011. Damit ist für sie ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Zuvor verdiente sie ihre Brötchen nämlich an den unterschiedlichsten Orten und verlor so ihre Leidenschaft für Tee und Gewürze etwas aus den Augen. Nach der Geburt ihrer Söhne vor zwanzig Jahren arbeitete sie nicht mehr und war für ihre Kinder zu Hause. Der Alltag wurde ihr aber zu eintönig und so beschloss sie vor rund acht Jahren, ihren eigenen Laden zu eröffnen und dazu einen Webshop zu betreiben.

Über Bauxit zu Betty Bossi

Sichi wuchs in Solothurn auf. Bereits in ihrer Kindheit stand immer ein voller Krug Tee auf dem Tisch. «Als Jugendliche begann ich zum Frühstück Schwarztee mit Milch zu trinken, da ich Kaffee nie mochte.» In ihrer Schulzeit besuchte sie oft den monatlichen Warenmarkt, der noch heute in der Solothurner Altstadt stattfindet.

Während ihre Freundinnen wie verrückt Schmuck und Kleider kaufen gingen, zogen Sichi schon immer die Tee- und Gewürzstände magisch an. «Ich stellte mir dann vor, aus welchen fernen Ländern diese Produkte stammen und wie sie den Weg in die Schweiz gefunden haben», erinnert sie sich. Nachdem sie die Kantonsschule abgeschlossen hatte, ging sie nicht studieren, sondern machte eine Ausbildung als Direktionsassistentin - vergleichbar mit einer höheren kaufmännischen Ausbildung. Ihre erste Stelle hatte sie schliesslich bei einem Autoimporteur.

Zwei Mal machte sie eine längere Weltreise. In Asien und Ozeanien lernte die Tee- und Gewürzliebhaberin neue Kulturen kennen. Über ihre Lieblingsküche muss sie nicht lange nachdenken: «Die Thailändische. Ganz klar. Die Düfte, Farben und Gewürze sind dort einzigartig.»

Auf ihren Reisen wurde der Traum vom eigenen «Lädeli» auch wieder präsenter; zu tief war sie damals aber noch in der Arbeitswelt. Für eine Bauxitmine in Sierra Leone leitete Sichi den gesamten Einkauf von Zürich aus. Eines Tages besuchte sie die Mine selber vor Ort. «Damals war es noch nicht so gefährlich wie heute.»

Vielleicht hatte sie im bürgerkrieg-geprägten Land auch einfach Glück. Denn nur zwei Jahre nach ihrem Besuch, wurde das gesamte europäische Management vor Ort entführt und drei Monate im Dschungel festgehalten. Sicherheit sieht sicherlich anders aus.

Neustart mit ihrem eigenen Laden

Nach ihrer Tätigkeit für die Mine in Westafrika, begann sie bei Betty Bossi zu arbeiten – ebenfalls im Einkauf. «Ich war für alles zuständig, was das Hausfrauenleben so erleichtert», sagt Sichi lachend. Die Arbeit bei Betty Bossi hilft ihr heute auch für den Webshop. Dort verkauft sie ihre Gewürze, Tees und «Mitbringsel».

Daneben führt sie ihren Laden bei sich zu Hause und bietet ihre Produkte an zahlreichen Märkten, unter anderem in Brugg, feil. Aufgrund von ihrer Arbeit am Flughafen Birrfeld, hat sie keine festen Öffnungszeiten. «Die Leute können mich vorgängig anrufen. Kundschaft, die einfach hineinspaziert, habe ich kaum.» Ihre Haupteinnahmen verdankt sie dem Webshop und den Verkäufen auf den Märkten.

Angefangen hat die Solothurnerin, die seit 1990 in Brugg lebt, mit 12 Teesorten. Heute sind es bereits über 60 verschiedene Tees und unzählige Gewürze, die sie verkauft. Ihre Lieferanten kennt sie alle persönlich. Saisonal bedingt verkauft sie mehr oder weniger. «Am strengsten ist die Zeit vor Weihnachten, in der ich zusätzlich Weihnachtstees mische.»

Der Traum, grösser zu werden

Sichi hat ein Zwischenziel erreicht. Ihre Leidenschaft triumphierte: Sie hat die Passion zum Beruf gemacht. Trotzdem soll ihr Traum weiter gehen: «Einen Laden in der Altstadt zu haben, der läuft, wäre schon sehr schön. Wenn ich aber sehe, wie viele Geschäfte dort eingehen, dann wäre das finanziell für mich einfach nicht lukrativ. Ausserdem hat es wohl schlicht weg zu wenig Teetrinker in Brugg.»

Dieser Traum, mit ihrem Laden zu expandieren, ist das Eine. Das Andere ist das Reisen. «Ich möchte unbedingt einmal nach China gehen und dort eine authentische Teeplantage besuchen.»

Leonore Sichi ist angetan von ihrem kleinen Laden. Ihre Freude an dem, was sie macht, wird sie sicherlich noch zu vielen exotischen Gewürzen und Teesorten führen. Die Zukunft wird es zeigen.