Selbstversuch
Es gibt einige Hindernisse: So erleben Gehbehinderte Brugg

Janine Müller
Drucken
So erleben Gehbehinderte die Stadt Brugg
5 Bilder
Unüberlegt: Die Situation am Brugger Bahnhof ist für Gehbehinderte nicht zufriedenstellend. Der Lift ist weit vom Busterminal auf der Windischer Seite entfernt. Hat der Bus nur leicht Verspätung, reicht es Gehbehinderten je nachdem nicht mehr auf den Zug. Denn in der Nähe des Terminals gibt es nur Treppen. Noch doofer ist es, wenn der Lift kaputt ist (was häufig vorkommt).
Gefährlich: Nicht nur für Frauen in Highheels, sondern auch für Gehbehinderte ist die Brugger Hofstatt – ganz ehrlich – eine Katastrophe. Die Schritte müssen genau überlegt sein und die Krücken schön auf den einzelnen Steinen platziert werden. Dennoch kann es passieren, dass die Füsse wegknicken, weil die Steine uneben sind. Das ist schlicht gefährlich.
Akzeptabel: Auch wenn sie teilweise etwas uneben sind, so lässt es sich auf den Bsetzisteinen in der Brugger Altstadt relativ gut gehen. Und zur Not kann man auf die geteerte Strasse ausweichen, wenn einem nicht gerade ein Bus entgegenkommt. Die Situation hier ist akzeptabel.
In Ordnung: Gross war die Diskussion im Brugger Einwohnerrat über die neue Pflästerung bei der Aarebrücke. Inzwischen ist eine Musterpflästerung eingebaut. Sie besteht den Test mit Krücken. Die Steine sind (noch?) eben, der Belag hindernisfrei – Stolperfallen gibt es entsprechend keine.

So erleben Gehbehinderte die Stadt Brugg

Michael Hunziker

Seit drei Monaten gehe ich nun an Krücken, das Ende ist für mich glücklicherweise absehbar. Das Ganze hat auch einen positiven Aspekt: Mir ist bewusst geworden, mit welchen Hindernissen Gehbehinderte im Alltag konfrontiert werden. Ein Perspektivenwechsel tut manchmal ganz gut. Entstanden ist ein – nicht ganz freiwilliger – Selbstversuch, wie es ist, als gehbehinderter Mensch in der Stadt Brugg herumzulaufen. Herausgepickt habe ich fünf Orte, die mir als besonders gehbehindertenunfreundlich erscheinen.

Tröstlich für mich: Ich kann meine Krücken bald in den Keller stellen, andere aber sind ein Leben lang auf Gehhilfen angewiesen. Und sie haben in der Stadt Brugg so einige Hindernisse zu überwinden, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Schon nur auf dem Weg vom Bahnhof über den Neumarktplatz in die Altstadt gibt es so einige Stolperfallen.

Die verschiedenen Bodenbeläge sind eine Herausforderung. Als relativ junger Mensch ist meine Koordination in Ordnung, trotz meiner Verletzung. Viel schwieriger dürfte es für ältere Menschen sein, die körperlich meist schwächer sind als eine junge Person. Zudem sehen sie höchstwahrscheinlich schlechter und können so Hindernisse weniger voraussehen.

Die grösste Herausforderung ist der rot gepflästerte Neumarktplatz. Eine kleine Unaufmerksamkeit und die Krücken bleiben an einem Stein hängen oder man stolpert. Die Wellen, Dellen und hervorstehenden Steine sind für Gehbehinderte eine Zumutung. Noch schlimmer wird es, wenn die Steine nass sind. Das Problem am Neumarktplatz ist zudem, dass er stark frequentiert ist. Will man einkaufen gehen, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man über den Platz gehen muss. Dies im Gegensatz zur Brugger Hofstatt, die für Gehbehinderte ebenfalls kriminell ist, aber im Alltag meist umgangen werden kann.

Aktuelle Nachrichten