Wer weiss, vielleicht war es dem einen oder anderen Gast nach dieser geballten Ladung an Frauen-Power am Ende des offiziellen Martini-Treff-Programms im Campussaal Brugg-Windisch fast etwas zu viel des Guten. Die Absicht der organisierenden KMU Region Brugg war jedenfalls klar: Für die zehnte Ausgabe des bei den eingeladenen Wirtschaftsvertretern und Politikern beliebten Netzwerkanlasses soll die Frauenquote auf der Bühne 100 Prozent betragen.

Ganz ohne Männer ging es dann doch nicht: Paul Stalder, Präsident KMU Region Brugg, erwähnte in seiner Begrüssung, dass man heute vermehrt Frauen fürs Management suche und er das gut fände. Als zweite Vizepräsidentin des Grossen Rats zeigte Edith Saner aus Birmenstorf auf, wie sie in die Politik kam und welche Erfahrung sie damit machte. «Ich habe gelernt, Niederlagen oder Kritik mit Humor zu begegnen und nicht persönlich zu nehmen», so die CVP-Politikerin, die das Kantonsparlament 2020 präsidieren wird.

Den Mädchen die Haare rasiert

In kurzen Interviews fühlte Moderatorin Nicole Bühler dann drei Geschäftsfrauen auf den Zahn. So gestand Karin Madliger, dass sie «im Alter» zur Frühaufsteherin geworden ist. Die 45-jährige Mutter einer Tochter wird ab 2019 Leiterin der NAB Region Baden und als erste Frau Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung. «Es wäre schon notwendig, dass jeweils mehr als eine Frau am Tisch sitzt», sagt Madliger zur Situation, dass sie in Sitzungen oft die einzige Frau ist. «Wir sollten uns grundsätzlich fragen, wie lange wir es uns noch leisten können, nach dem Studium so viele Frauen zu verlieren.» Für die Zukunft wünscht sie sich echte Diversity. Die Frauen sollten sich trauen, Raum einzunehmen. Sie sollen entsprechende Chancen bekommen.

SP-Nationalrätin und Unternehmerin Yvonne Feri erzählte einige Anekdoten aus ihrer Kindheit. Anders als sie es erlebt hatte, habe sie später versucht, ihre beiden Töchtern zu unterstützen. «Auch wenn sie die Haare rasiert haben wollten.»

Von der Firma ihres Vaters wollte Doris Sommer zuerst nichts wissen. Heute ist sie Mitinhaberin und Geschäftsführerin der 3S Systemtechnik AG und der Mariner 3S AG in Remigen. Sie wünscht sich eine offenere Gesellschaft, in der nicht immer sofort gewertet wird: «Männer dürften sich ruhig zumuten, auch Aufgaben von Frauen zu übernehmen. Gute Partnerschaften sind zentral.» Für die musikalischen Intermezzi sorgte Tanja Schmid mit ihrer männlichen Begleitband und für den Show-Act die ehemalige Miss Schweiz Stéphanie Berger.

Apropos Frauenquote: Diese konnte in den vergangenen Jahren auch unter den Gästen des Martini-Treffs gesteigert werden. Laut Moderatorin Nicole Bühler waren im Jahr 2010 rund 20 Prozent der Gäste weiblich, diesen Donnerstag waren es bereits 30 Prozent. Seit der Anlass im Campussaal stattfindet, können bequem über 300 Teilnehmer begrüsst werden. Am früheren Veranstaltungsort – in der Trotte Villigen – wurde der Sauerstoff bei 230 Gästen jeweils knapp.