«Ich habe ein absolut gutes Gefühl, die Leitung der Betriebsgemeinschaft meinen Söhnen Ernst und Martin abgeben zu können», sagt Ernst Beyeler auf die Frage nach der Befindlichkeit. «Sie haben sich in den letzten 20 Jahren aktiv an der Führung des Betriebes beteiligt, und sie kennen die Materie von Grund auf.»

Martin und Ernst Beyeler junior sind für die Leitung der Betriebsgemeinschaft – die an verschiedenen Standorten eine Fläche von insgesamt 85 Hektaren bewirtschaftet, sich vor allem auf die Bereiche Kälbermast, Ackerbau und Eierproduktion spezialisiert hat und auf Direktvermarktung setzt – gut gerüstet. «Ich hatte nie einen andern Berufswunsch, als Bauer zu werden», sagt Martin Beyeler. «Für uns war es selbstverständlich, dass wir jeweils nach der Schule auf dem elterlichen Betrieb mithalfen.»

Gerechte Preise statt Beiträge

Martin Beyeler und sein Bruder Ernst sind sich aber auch bewusst, dass sie sich als Landwirte in einem anspruchsvollen Umfeld bewegen. «Der Landverschleiss bereitet schon Sorgen», stellt Martin Beyeler fest. «Alle reden zwar davon. Viel passiert aber nicht. Die Selbstversorgung des Landes wird zu wenig geschätzt und zu wenig ernst genommen. Bei Importprodukten spielen Transportkosten keine Rolle mehr. Zudem wird die soziale Gerechtigkeit oft ausgeklammert. Freihandelsabkommen sehen da oftmals niedrige Standards für Importprodukte vor.»

Martin und Ernst Beyeler stellen aber auch eine zunehmende Ökologisierung und damit einhergehend eine immer stärkere Verbürokratisierung der Landwirtschaft fest. «Man müsste ein Moratorium für ökologische Leistungen prüfen», sagt Martin Beyeler. «Die Sicherung des landwirtschaftlichen Einkommens erfolgt heute durch unzählige Beiträge. Auch wir erhalten solche Beiträge. Es wäre aber zu wünschen, dass das Einkommen über angemessene Erlöse für die Produkte erzielt werden könnte. Bei gerechten Marktpreisen wäre die Landwirtschaft unabhängig. Beim heutigen System bleibt das Unternehmertum auf der Strecke.

Der Landwirt muss aber Unternehmer sein. Auch wir wollen weiterhin Unternehmer sein. Es besteht in der Landwirtschaft zu wenig Spielraum für unternehmerisches Denken. Wir haben aber das Glück gehabt, dass unsere Betriebsgemeinschaft – unter entsprechendem Einsatz natürlich – gut existieren konnte und gut existieren kann.» Ernst Beyeler stellt trocken fest: «Wenn wir nur gejammert hätten, würde unser Betrieb heute kaum mehr existieren.»

Unternehmerisches Denken sei aber nur ein Faktor für den Erfolg, gibt Ernst Beyeler senior zu bedenken. «Ich durfte Unternehmer sein, und meine Familie hat das mitgetragen. Das hat zum Erfolg geführt. Einen wesentlichen Anteil am Erfolg hat meine Frau Käthi, die mir stets den Rücken freigehalten hat. Ohne den familiären Zusammenhalt wären wir nicht erfolgreich gewesen. Es gab Chancen, aber man musste sie wahrnehmen. Und es brauchte Glück.» Vor 40 Jahren war Ernst Beyeler mit seiner Familie nach Oberflachs gekommen, nachdem er einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb hatte erwerben können. Im Laufe der Zeit konnte der Betrieb auf die heutige Grösse ausgebaut werden. «Die Alternative zum Wachstum wäre entweder der Ausstieg aus der Landwirtschaft oder die Auswanderung gewesen», betont Sohn Ernst. «Beides war aber nie ein Thema.»

«Dafür noch alle Finger»

Ursprünglich habe er allerdings andere Ambitionen gehabt, als Bauer zu werden, stellt Ernst Beyeler senior fest. «Ich bin zwar auf einem kleinen Heimetli mit drei Kühen am Längenberg im Kanton Bern aufgewachsen. Ich wollte aber eigentlich Schreiner werden. Ich war dann in der Schule im technischen Zeichnen offenbar so schlecht, dass mein Lehrer mir abriet und meinte: Bauer könne man ja immer sein.» Ehefrau Käthi gibt dazu zu bedenken: «Dafür hat mein Mann heute noch alle seine Finger.»

Im Laufe der Zeit hat sich Ernst Beyeler auf vielen Ebenen für die Öffentlichkeit eingesetzt. «Dort, wo es eben Leute brauchte», wie er sagt. Seit vielen Jahre ist er Bezirksrichter, er präsidierte die Schweizerische reformierte Arbeitsgemeinschaft Kirche und Landwirtschaft (Srakla), er wirkte im Zivilschutz als kantonaler Instruktor und als Dienstchef in der ZSO Schenkenbergertal oder in der reformierten Kirchenpflege, um nur einige seiner Ämter zu nennen. «Durch meine verschiedenen Tätigkeiten durfte ich viele wertvolle Menschen kennen lernen», stellt er fest. «Ich habe auch gemerkt, dass ohne die Menschen, die neben einem stehen, nichts möglich ist.» Er habe auch die Erfahrung gemacht, dass man zwar stets in die Zukunft blicken müsse, darob aber den Blick zurück nicht vergessen dürfe, sagt Ernst Beyeler. «Und man muss den Mut haben, Anpassungen vorzunehmen, wenn es die Situation erfordert.»

Auch Enttäuschungen seien ihm nicht erspart geblieben, stellt er fest. «Aber ich bin mit meinem Leben rundum zufrieden. Es ist nicht selbstverständlich, dass zwei unserer Söhne auf dem Betrieb geblieben sind. Der dritte hatte sich für einen andern Beruf entschieden. Und es ist wichtig, dass man sich bewusst ist, dass der Familienfriede nicht selbstverständlich ist.»