Bözberg/Riniken
Erstmals kommt eine Starkstromleitung in den Boden

Bei der Hochspannungsleitung Beznau–Birr wird Neuland betreten: Ein 1,2 Kilometer langer Abschnitt kommt in den Boden. Es ist das erste Mal, dass die Swissgrid AG, eine Verkabelung im Höchstspannungsnetz projektiert.

Michael Hunziker
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Bei der Hochspannungsleitung Beznau–Birr wird Neuland betreten: Ein 1,2 Kilometer langer Abschnitt kommt in den Boden. Es ist das erste Mal, dass die Swissgrid AG, die Eigentümerin des Schweizer Übertragungsnetzes, eine Verkabelung im Höchstspannungsnetz projektiert.

Laut Swissgrid AG ist die Konzeption dieser Teilverkabelung «Gäbihübel» weit anspruchsvoller, komplexer und aufwendiger als ursprünglich angenommen. Es fehlen nicht nur die Erfahrungswerte, auch über die langfristigen Umweltauswirkungen liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Trotzdem: Ende September dieses Jahres soll die Planeingabe erfolgen.

Teilverkabelung 1,2 kilometer Länge

Vorgesehen ist im Raum Bözberg/Riniken eine rund 1,2 Kilometer lange Teilverkabelung. Beim «Pfaffenfirst» geht die 380-Kilovolt-Freileitung auf die Erdkabelanlage über. Das Übergangsbauwerk Nord wird in den Wald integriert. Die Erdkabelanlage unterquert das Gebiet «Gäbihübel» in der Gemeinde Bözberg und führt unter der SBB-Strecke hindurch Richtung Villnachern. Bei der SBB-Strecke ist das Übergangsbauwerk Süd geplant. Danach wird die Freileitung via Habsburg weitergeführt. Verlegt werden zwei rund 1,5 Meter breite Rohrblöcke mit insgesamt 12 Kupferkabeln und 2 Reservekabeln. Zusammen haben die Übergangsbauwerke fast die Grösse eines halben Fussballfeldes. (mhu)

Für das Bewilligungsverfahren ist die Swissgrid AG zuversichtlich: Es sei eine gute Lösung gefunden worden.

Die Betroffenen seien früh eingebunden worden. Ziel sei es, einen offenen Dialog zu führen und Transparenz zu schaffen, betonte Wolfgang Hechler, Leiter Asset Management und Services bei der Swissgrid AG, am Donnerstag vor den Medien. Und tatsächlich: Diese Woche sind sowohl die Vertreter von Behörden und Verbänden sowie – am Donnerstagabend – die Bevölkerung über das Vorhaben orientiert worden.

Engpass im Übertragungsnetz

Im Zentrum der Überlegungen von Swissgrid stehen laut Hechler die sichere Stromversorgung: der Betrieb und das Bereitstellen eines leistungsfähigen, kosteneffizienten Netzes. Mit der heutigen 220-Kilovolt-Leitung zwischen Beznau und Mettlen im Kanton Luzern bestehe ein struktureller Engpass im Übertragungsnetz.

Aus diesem Grund sei das Netzbauprojekt Beznau–Birr und die Verstärkung der Leitung auf eine Spannung von 380 Kilovolt wichtig und notwendig.

Vier von fünf Abschnitten sind bereits als 380-Kilovolt-Freileitungen genehmigt und realisiert (Grafik). Im Gebiet «Gäbihübel» im Raum Bözberg/Riniken muss – aufgrund des Bundesgerichtsurteils vom April 2011 (Box) – ein Projekt für eine Teilverkabelung ausgearbeitet werden. Zusammen mit Bund, Kanton und Gemeinden sind die zahlreichen Details geklärt worden.

Seit Jahren ein Thema

Der Bau der Hochspannungsleitung ist seit Ende der 1980er-Jahre ein Thema. Nach einem langen Kampf stellte sich das Bundesgericht 2011 schliesslich auf den Standpunkt, dass im Falle von Riniken die Vorteile einer Teilverkabelung überwiegen würden. (az)

Philippe Meuli, Abteilungsleiter Projektierung bei der Swissgrid AG, sprach von einer engen und erfreulichen Zusammenarbeit. Er verhehlte nicht, dass sich im Verlauf der umfangreichen Abklärungen einige ursprüngliche Annahmen, die als Grundlage für den Bundesgerichtsentscheid dienten, als unvollständig erwiesen haben und in wesentlichen Punkten anders zu beurteilen und zu revidieren seien. «Dank Verbesserungen gegenüber früheren Ideen liegt heute ein bewilligungsfähiges Projekt vor», so Meuli.

Als Herausforderung bezeichnete er die Übergangsbauwerke. Für diese hätten landschaftsverträgliche Standorte gefunden werden müssen. Auch den Eingriff im Boden während der Bauphase sei «erheblich».

«Noch wenig erforscht»

Laut Robert Meier vom unabhängigen Umweltbüro Arnal ist das Netzbauprojekt umweltverträglich und hält die gesetzlichen Vorschriften ein. Allerdings: «Die Auswirkungen auf Boden und Vegetation bei der Erdverkabelung von Höchstspannungsleitungen sind noch wenig erforscht», stellte Meier fest. Als Beispiel nannte er die lokale Erwärmung oder die magnetischen Felder.

Mithilfe von Tests und Überwachung will die Swissgrid AG deshalb Erkenntnisse gewinnen, «in welchen Fällen künftig welche Ansätze gewählt werden müssen, um zu den richtigen Entscheiden zu kommen».

Bei einem optimalen Verlauf kann die neue Leitung Ende 2018 in Betrieb genommen werden. Die Swissgrid AG macht aber klar, dass der weitere Verlauf von der Anzahl Einsprachen abhängt.