Es war vor gut dreieinhalb Jahren, als Verena Rohrer, die damalige Geschäftsführerin von der regionalen Standortförderung Brugg Regio, am Kultur- und Tourismus-Apéro verkündete, die Vergabe des Wellness-Gütesiegels für die Region Brugg anzustreben. Dieses liesse sich wirkungsvoll für Werbung – auf Flyern, Broschüren oder Ortseingangstafeln – einsetzen, sagte Rohrer damals und zeigte entsprechende Visualisierungen. Das Vorhaben konnte nicht realisiert werden.

Der Schweizer Tourismus Verband (STV) vergibt verschiedene Qualitäts-Labels für Dienstleistungsbetriebe und Destinationen. Das Gütesiegel «Wellness Destination» zeichnet Ferienorte aus, die laut STV-Website «ihrem Wohlfühl-Gast die Wünsche und Bedürfnisse aus den Augen lesen und ihr Angebot danach ausrichten». Die Vergabe des Gütesiegels ist allerdings an strenge Voraussetzungen und Kriterien gebunden. Zentrales Kriterium ist eine vielseitige Wellness-Infrastruktur mit Schwimmbädern, Saunen, Ruhe- und Begegnungszonen sowie therapeutische und kosmetische Behandlungsmöglichkeiten, die ganzjährig an sieben Tagen pro Woche zur Verfügung stehen. Dieser Punkt wäre mit der Bad Schinznach AG problemlos erfüllt.

Strategische Ausrichtung ist wichtig

Weitere Kriterien sind, dass eine Auswahl öffentlicher Erholungszonen für den Wellness-Gast jederzeit kostenlos zugänglich sein muss und Wellness, Gesundheit sowie Nachhaltigkeit Bestandteile der strategischen Ausrichtung sind. Ausserdem sollten sich die touristischen Leistungsträger (Credo-Betriebe) mindestens einmal jährlich beraten mit dem Fokus auf die Angebotsgestaltung. Ziel sollte sein, einen Mehrwert für den Gast zu schaffen.

Auf Nachfrage der «Schweiz am Wochenende» bestätigt der heutige Geschäftsstellenleiter Thilo Capodanno von Brugg Regio, dass im Jahr 2015 die Bewerbung der Region Brugg, die in Zusammenarbeit mit den verschiedenen lokalen Partnern erarbeitet wurde, für das Qualitäts-Label «Wellness Destination» eingereicht wurde. «Die im Kriterienkatalog ersichtlichen Voraussetzungen für das Qualitäts-Label ‹Wellness Destination› konnten in der Region Brugg leider nicht vollständig erfüllt werden», sagt Capodanno. Welche Punkte damals nicht erfüllt werden konnten, ist nicht klar und aktuell auch gar nicht wichtig. Denn der Kriterienkatalog für die Labelvergabe wird laufend überarbeitet. So wurde etwa ab 2018 noch mehr Wert auf vielseitige Bewegungs-, Ernährungs-, Entspannungs- und naturnahe Angebote gelegt. Mit Blick in die Zukunft sagt Thilo Capodanno: «Die Möglichkeiten einer erneuten Bewerbung werden geprüft.»

Aktuell ist der regionale Planungsverband Brugg Regio nämlich damit beschäftigt, ein neues Standortförderungskonzept zu erarbeiten (die AZ berichtete). Dazu sagt Geschäftsstellenleiter Capodanno: «Die zuständige Arbeitsgruppe wird dieses Konzept 2019 auf die Beine stellen. Wir befinden uns diesbezüglich in der Anfangsphase und beschäftigen uns aktuell damit, wie wir das Konzept erarbeiten wollen.» Denkbar ist der Einbezug von unterschiedlichen Anspruchsgruppen und Organisationen der Region.

Ein Qualitäts-Label wie dasjenige der «Wellness Destination» zu beantragen, könne am Schluss eine mögliche Massnahme – unter vielen anderen – aus diesem Konzept sein, so Capodanno. Doch bis es soweit kommt, müsse zuerst eine gute Grundlage und breite Abstützung durch die regionalen Partner erzielt werden, um das Ziel «mehr Schub für die Region Brugg» zu erreichen.

Mit anderen Worten: Bis die ersten Massnahmen aus dem neuen Standortförderungskonzept umgesetzt werden, dürfte es 2020 werden. Ab dann verfügt Brugg dank der Fusion auch über ein Thermalbad.