«Gegenwärtig sieht es danach aus, dass wir die Wasserstoff-Tankstelle in Brugg stilllegen werden», sagt Urs Bloch, Mediensprecher von Postauto Schweiz. Der Grund: Das Pilotprojekt «Brennstoffzellen-Postautos» wird nach fünf Jahren eingestellt. Bloch betont jedoch, dass die Stilllegung kein Rückbau sei und so die Möglichkeit bestehe, den Betrieb zu einem späteren Zeitpunkt, ohne grossen Aufwand, wieder aufnehmen zu können. Für diese Option habe man sich entschieden, um vorbereitet zu sein, falls sich ein neues Projekt mit Brennstoffzellen-Postautos ergebe. Die Wasserstoff-Tankstelle an der Aarauerstrasse werde ausser Betrieb genommen und Massnahmen an der Anlage ergriffen, damit diese sicher ist, auch wenn sie längerfristig nicht gebraucht wird. «Ausserdem nehmen wir die fünf Brennstoffzellen-Fahrzeuge voraussichtlich zwischen Januar und Februar 2017 schrittweise aus dem Verkehr», sagt Bloch.

Die fünf Brennstoffszellen-Postautos, die seit 2011 in und um Brugg in Betrieb sind, verfügen über Brennstoffzellen auf dem Dach. Diese wandeln den Wasserstoff in Strom um. Dabei entstehen keine Abgase, lediglich Wasserdampf wird ausgestossen. Die Postautos überzeugen auch mit ihren geringen Lärmemissionen. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Busse beim Bremsen die Energie zurückgewinnen können, die gespeichert und weiterverwendet wird.

Auch die erste selbst produzierende Wasserstoff-Tankstelle in Brugg, die Carbagas AG und Postauto Schweiz AG gehört, war eine Besonderheit. Denn über die Hälfte des für die Brennstoffzellen-Postautos benötigten gasförmigen Wasserstoffs wurde via Elektrolyse direkt bei der Tankstelle produziert. Nur ein kleiner Teil wurde angeliefert. Nebst Postauto Schweiz waren auch andere Unternehmen beteiligt: Fuhrhalterin war die Voegtlin-Meyer AG, die IBB Gruppe sorgte für Strom und Wasser und das Paul-Scherrer-Institut betrieb viel Forschungsarbeit zu den Brennstoffzellen.

Öko ist zu teuer

Öko ist zu teuer

In der Region Brugg fahren keine Öko-Busse mehr. Aufgrund der hohen Kosten stellte die Postauto AG den Versuchsbetrieb ein.

Kaum Entwicklung sichtbar

«Mit dem Testbetrieb der Brennstoffzellen-Autos und der Wasserstoff-Tankstelle zeigen wir, dass unsere Nachhaltigkeitsstrategie in Energiefragen nicht nur auf dem Papier stattfindet. Wir setzen unsere Ideen um», sagte Daniel Landolf, Leiter Postauto Schweiz, an der Einweihung der Wasserstoff-Tankstelle im Mai 2012. Auch Regierungsrat Urs Hofmann zeigte sich damals vom Projekt überzeugt. «Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern man soll sie selbst gestalten», zitierte er Antoine de Saint-Exupéry.

Diese anfängliche Euphorie wich nun, nach fünf Jahren, der Realität. Ausschlaggebend für das Projektende sei unter anderem nämlich die (noch) fehlende Wirtschaftlichkeit der Brennstoffzellen-Postautos, wie Bloch im September gegenüber der az sagte. «Die Instandhaltungskosten für die Fahrzeuge sind gestiegen und der Betrieb pro Kilometer ist deutlich teurer als bei Dieselbussen. Deshalb waren wir beim Projekt auch auf starke Partner angewiesen», sagte Bloch. Ein weiterer Grund sei, dass man sich durch eine Verlängerung der Betriebszeit keine neuen Erkenntnisse erhoffe. «Leider gibt es derzeit im Brennstoffzellenbus-Bereich kaum eine Entwicklung», sagte er. Deshalb werde die Entwicklung auf dem Markt künftig genau beobachtet.

Brennstoffzellen haben Zukunft

Reto Huber, Geschäftsführer Postauto bei der Voegtlin-Meyer AG, ist sich der Zukunft der Brennstoffzellen-Postautos jedoch sicher: «Wir sind überzeugt, dass dies die Zukunft sein wird.» Voegtlin-Meyer AG wolle weiterhin eine Wasserstoff-Tankstelle betreiben. Nur werde es nicht jene in Brugg sein. «Der Grund ist, dass die Technologie in fünf Jahren schon weiter ist», sagt Huber. «Meine Vision als Geschäftsführer ist jedoch, dass wir in Brugg zukünftig nur noch Wasserstoff-Fahrzeuge haben.»