Linn
Erschaffer des Traumgartens: «Menschen und Gärten gehören zusammen»

Im neuen Buch «Traumgärten der Schweiz» von Sarah Fasolin wird Hans Massler und sein Garten porträtiert. Alles begann vor 14 Jahren, als er und seine Frau eigentlich nur die Umgebung etwas gestalten wollten.

Karin Pfister
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Eigentlich wollten Hans Massler und seine Frau Yvonne vor 14 Jahren nur die Umgebung etwas gestalten. Entstanden ist ein Gartenparadies.

Eigentlich wollten Hans Massler und seine Frau Yvonne vor 14 Jahren nur die Umgebung etwas gestalten. Entstanden ist ein Gartenparadies.

Benedikt Dittli

Hinter jedem wunderschönen Garten steckt viel Arbeit und jeder Garten spiegelt auch Charakter und Geschichte seiner Besitzer wider. Im neuen Buch «Traumgärten der Schweiz» werden Gärten und ihre Erschaffer porträtiert. Einer von ihnen ist Hans Massler aus Linn.

Eigentlich wollten Hans Massler und seine Frau Yvonne vor 14 Jahren nur die Umgebung etwas gestalten. Nie hätten sie gedacht, dass das Gärtnern ihr Leben so grundlegend verändern würde. Hans Massler begann als Quereinsteiger, setzte einfach mal die Pflanzen, die ihm gefielen, und merkte bald, dass es so nicht geht. Er lernte dazu, besuchte Kurse und Weiterbildungen, ist heute Besitzer und Erschaffer eines kleinen Paradieses und hat das Gärtnern zu seinem Beruf gemacht.

Die Masslers nennen ihren Garten «Jardin des Sens». 19 Aren gross ist er und beherbergt über 100 einheimische Pflanzensorten, ein Feuchtbiotop und Trockenmauern. Für Schmetterlinge und andere Tiere ein wundervoller Ort.

Die Masslers nennen ihren Garten «Jardin des Sens». 19 Aren gross ist er und beherbergt über 100 einheimische Pflanzensorten, ein Feuchtbiotop und Trockenmauern. Für Schmetterlinge und andere Tiere ein wundervoller Ort.

Benedikt Dittli

«Man spaziert durch verschiedene Gartenräume. Mal entdeckt man unter ein paar Sträuchern, im Dunkeln versteckt, kleine, weisse Elfen. Eine sitzt auf einer umgekehrten Baumwurzel, eine andere spielt Flöte. Mal kommt man an ein paar alten Fensterrahmen vorbei oder steht auf einmal in der «Maison Blanche», einem nur aus weissen blühenden Pflanzen gestalteten Gartenzimmer. Da und dort liegen Baumstrümpfe, alle sorgfältig platziert.» Dieses Zitat stammt aus dem Buch «Traumgärten der Schweiz», in dem 24 Gärten porträtiert werden.

Erster Gartenreiseführer vor zwei Jahren

Geschrieben hat das Buch die Gartenjournalistin Sarah Fasolin. Sie ist in Wölflinswil im Fricktal aufgewachsen, hat in Freiburg Zeitgeschichte und Sozialanthropologie studiert und wohnt heute in Rosshäusern, einem kleinen Weiler in der Nähe von Bern. Vor zwei Jahren hat sie den ersten, die gesamte Gartenkultur umfassenden Gartenreiseführer der Schweiz veröffentlicht. Darin werden über 300 Gärten vorgestellt.

«Vieles blieb ungesagt. Gerne hätte ich über alle Gärten ausführlicher berichtet, aber das ist bei einer solchen Publikation aus Platzgründen nicht möglich.» Auch war sie auf viele einmalige Privatgärten gestossen, deren Besitzer nicht in einem Gartenreiseführer aufgenommen werden wollten.

Das neue Buch bot ihr nun die Möglichkeit, 24 besonders herausragende, aber zum Teil völlig unbekannte Gärten und ihre Schöpfer zu zeigen. Neben dem Garten in Linn werden aus dem Kanton Aargau auch jener des Klosters Fahr und der Privatgarten von Beatrice und Andreas Grünig aus Baden vorgestellt.«Ein Traumgarten ist einerseits eine Anlage, die jeder Betrachter traumhaft schön findet, andererseits kann dies auch ein Garten sein, mit dem der Gärtner sich einen Traum erfüllt hat», so Sarah Fasolin über die Kriterien, nach denen sie die Porträtierten ausgewählt hat.

Paradies hat eine lange Geschichte

In einfühlsamen Porträts, illustriert durch die Bilder von Benedikt Dittli, erzählt Sarah Fasolin die Biografie jedes Gartens und der Menschen, die dazugehören. Und schnell wird klar, dass die Lebensgeschichte und die Gartengeschichte eng miteinander verknüpft sind. Sarah Fasolin: «Zuerst sieht man einfach nur den Garten – ein Paradies –, und dann hört man den Menschen zu und merkt, dass der Garten nicht von Anfang an so war.

Hinter jedem Paradies steckt eine lange Geschichte, in der es auch Niederlagen gab.» Und es sei ermutigend zu merken, dass auch diese Gärtner ihren Weg gehen mussten und viel Geduld brauchten, bis aus ihrem Garten ein Traumgarten wurde. «Menschen und Gärten gehören zusammen», findet die Journalistin.

Sarah Fasolin, die sich emotional immer noch sehr mit dem Fricktal verbunden fühlt, weiss, wovon sie spricht. Seit einigen Jahren gärtnert sie selber. «Ein Garten gibt einem auf verschiedenen Ebenen sehr viel. Neben der Ernte ist es auch ein Ort der Ruhe und des Rückzugs.» Sie sei fasziniert von der Vielschichtigkeit und der Tatsache, dass ein Garten alle Sinne anspricht.

Ihr eigener Garten befindet sich noch mitten im Aufbau. Nebst den Geschichten hat sie von den Porträtierten auch einige persönliche Andenken mit nach Hause nehmen dürfen. «Manchmal bin ich schwer beladen mit Pflanzen, die ich geschenkt bekam, im Zug zurück nach Rosshäusern gefahren.» So ist auch der Garten von Sarah Fasolin eng mit ihrer Geschichte verknüpft und spiegelt ihr Schaffen wider.

«In einem Garten ist vieles möglich»

Das Buch soll Anregungen bieten und Erfahrungen anderer aufzeigen. «In einem Garten ist vieles möglich. Auch wenn zum Beispiel das Gelände schwierig und eigentlich gar nicht für einen Garten geeignet ist, kann man mit der nötigen Kreativität ein Paradies erschaffen.»

Der Garten von Hans Massler in Linn zeige, dass es egal ist, wann im Leben man mit einem Garten anfange. «Es ist nie zu spät, um ein grosses Werk mit Pflanzen zu schaffen.» Zudem habe Hans Massler nicht nur ein grosses Pflanzenwissen, sondern auch ein Gespür für Gestaltung. Er schaffe Atmosphäre in seinem Garten – und gleichzeitig viele Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

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