Seit dem letzten Wochenende ist bekannt, wer hinter dem zwölfköpfigen Referendumskomitee steckt, das derzeit Unterschriften sammelt gegen die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in den Brugger Quartieren. Einer von ihnen ist Miro Barp. Der 46-Jährige schaffte letztes Jahr als einziger SVP-Neuling die Wahl in den Einwohnerrat.

Seither fasst er auf seiner Facebook-Seite jede Einwohnerratssitzung für die Öffentlichkeit zusammen. Zum beschlossenen Betrag von 272 000 Franken für neue Tempo-30-Schilder, Bodenfarben und das Entfernen von Zebrastreifen schreibt er: «Mit diesem Geld könnten drei Arbeitsstellen während eines Jahres finanziert werden. Noch besser würde es in die Kinder- und Jugendarbeit, die Sportförderung oder einen Kunstrasen investiert.»

Einsatz für Kunstrasen

Wir treffen Miro Barp zum Gespräch im Lesezimmer hinter dem Brugger Stadthaus. Während den wenigen Monaten im Einwohnerrat hat er sich bereits einen Namen gemacht als Verfechter von Vereins- und Sportanliegen. Vor den Sommerferien standen sogar Junioren-Fussballer vor dem Rathaus Spalier, um bei den Politikern für Barps Kunstrasen-Motion zu weibeln.

Doch die Jugendlichen kamen vergebens, denn die Motion wurde aus zeitlichen Gründen gar nicht behandelt. An der nächsten Sitzung zog Barp seinen Vorstoss dann zugunsten einer überparteilichen Motion mit FDP- und SP-Vertretern zurück. Jetzt hat er erfahren, dass der Stadtrat auch diesen Antrag ablehnt. Miro Barp kann das nicht verstehen. Seit über zehn Jahren setzt er sich ein für einen Kunstrasen und eine anständige Sportinfrastruktur in Brugg. Früher als Präsident des FC Brugg und neu als Lokalpolitiker: «Jetzt sind wir mit diesem Thema schon beim dritten Stadtammann.»

Miro Barp bezeichnet sich als Secondo. Er ist in Brugg geboren, bis zum Kindergarten in Unterbözberg aufgewachsen und seither in Brugg wohnhaft. Sein Vater ist Italiener. Als Lastwagenmechaniker begleitete dieser Schwertransporte durch die ganze Schweiz. Die Mutter ist eine gebürtige Bernerin. Untereinander sprachen die Eltern Französisch. «Ich bin zwar mit drei Landessprachen aufgewachsen, beherrsche sie aber nicht richtig», stellt Barp klar.

SVP am deutlichsten

Was hat ihn zum Beitritt in die SVP bewogen? Er erwähnt die Schönheiten sowie Traditionen der Schweiz und der Stadt Brugg, die ihm sehr viel bedeuten. Wasserschloss, Jura-Landschaft, Altstadt, Bruggerberg. Bisher habe er nur ein einziges Jugendfest verpasst, sagt er. Man müsse alles unternehmen, «all dies zusammen mit der Unabhängigkeit der Schweiz und den Freiheiten, die wir hier geniessen dürfen, zu erhalten und an die Jugendlichen und Kinder weiterzugeben».

Und für diese Werte sowie die Bodenständigkeit stehe eben die SVP am deutlichsten ein, begründet Barp die Wahl seiner Partei. «Die Sicherheit, der Wohlstand und die Demokratie in der Schweiz sind einzigartig. Ich setze mich dafür ein, dass die nächsten Generationen nicht darauf verzichten müssen.» Er reise zwar gern, habe aber noch kein Land erlebt, das diesbezüglich so viel zu bieten hat wie die Schweiz, betont der Politiker.

Der dreifache Vater arbeitet schon seit 31 Jahren bei den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) in Königsfelden. Sein Aufgaben- und Verantwortungsbereich hat sich alle paar Jahre verändert. So hat er sich vom Psychiatriepfleger zum Leiter Pflege, Fachtherapien und Sozialdienst Forensik hochgearbeitet. Aktuell ist er als Projektleiter für den Aufbau eines internen Sicherheitsdiensts tätig.

Mit Josef Sachs – dem seit drei Jahren pensionierten, ehemaligen Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie der PDAG – ist Miro Barp befreundet. Zusammen haben sie auf 205 Seiten ein erstes Forensiklexikon verfasst, das im März vom Stämpfli-Verlag herausgegeben wurde. Das Nachschlagewerk war im Nu ausverkauft und wird nun nachgedruckt. Es erklärt in einfachen Worten häufig verwendete Begriffe wie Affekttat, Eifersuchtswahn, Pädophilie und Serienmörder. «Das Buch ist für alle, die sich für Forensik interessieren», sagt Co-Autor Barp.

Förderung sozialer Projekte

Vor einem Jahr hat Miro Barp zusammen mit ein paar Mitstreitern den «Förderverein Events Brugg» (FEB) gegründet. Ziel ist es, Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. Mit dem Erlös sollen sportliche, kulturelle und soziale Projekte gefördert werden. Erstmals aktiv war der Verein bei der Organisation des Public Viewings während der Fussball-WM auf dem Eisi-Platz. Für Miro Barp war es ein Leichtes, sich um die Sicherheit zu kümmern. Durch seine Berufserfahrung in der Psychiatrie, wo er auch Kontakt mit der Polizei hat, und seine Offizierslaufbahn bei den Minenwerfern ist die Sicherheit für ihn ein Dauerthema. Am Stadtfest 2019 will der FEB das nächste Projekt realisieren und mit Einwohnerräten ein Beizli führen.

«Ich habe es am liebsten, wenn unterschiedliche Leute zusammenkommen und sich austauschen, egal ob privat oder in der Politik», sagt Barp. Das Schlimmste sei, wenn man sich in einer Glaskugel bewege. Als aktiver Ultraläufer, ehemaliger Trainer, Jugend-und-Sport-Leiter sowie durch seinen Beruf weiss der 46-Jährige, wie wichtig der Sport für die gesellschaftliche Integration sowie bei Krisen und für die persönliche Entwicklung ist. «Was in den Vereinen von den Trainern an Basis- und Aufbauarbeit geleistet wird, ist unbezahlbar.»

Wenn man den Kindern aber keine Perspektive biete, weil ein Viertel der Fussball-Interessierten mangels Trainingsmöglichkeiten auf der Warteliste landet, müsse sich die Stadt nicht wundern, wenn Jugendliche ihre Freizeit zunehmend in Baden oder Zürich verbringen und als Erwachsene aufgrund der schlechten Erfahrung aus Brugg wegziehen. Dass in grösseren Städten dann Gewalt, Aggressionen und Anonymisierung zunehmen, ist laut dem Projektleiter fachlich begründbar.

Interesse am Amt als Stadtrat?

Auf dem politischen Parkett versteht sich der SVP-Einwohnerrat deshalb in erster Linie als Lobbyist für die Vereine, die seiner Meinung nach zu wenig Wertschätzung erfahren und Anrecht auf eine angemessene Infrastruktur haben. Sein Einstieg in die Politik habe wohl auch mit seiner Persönlichkeit zu tun, bilanziert Barp zum Schluss des Gesprächs: «Die SVP wird in der Öffentlichkeit oft missverstanden.

Dabei trägt die SVP im Alltag viel zum gesellschaftlichen Kitt bei. Das wird leider oft übersehen.» Er selber hat die Erfahrung gemacht, dass Gespräche für das gegenseitige Verständnis helfen: «Wegen meiner SVP-Mitgliedschaft habe ich jedenfalls keine Freunde verloren.» Barp will zu einem besseren Verständnis der Anliegen der Partei beitragen.

Welche politischen Ambitionen hat er sonst noch? Wird er dereinst Bruggs erster SVP-Stadtrat? Jetzt zieht Barp seine Mundwinkel hoch und sagt: «Als ich letztes Jahr in den Einwohnerrat gewählt wurde, nahm ich mir vor, vier Jahre zu bleiben.» Mittlerweile sei er allerdings bereits auf ein Exekutiv- oder Bezirksrichteramt angesprochen worden. Vielleicht tickt er in der Politik gleich wie beim Ultramarathon: «Je länger es geht, umso besser werde ich. Und aufgeben ist für mich grundsätzlich keine Option.»