Porträt
Er versorgt die Schweiz mit Quark und frischem Fisch aus Island

Jon Adalsteinsson ist gebürtiger Isländer und kam zum Studieren in die Schweiz. Heute ist er ist frischgebackener Schweizer und importiert kulinarische Köstlichkeiten aus seiner Heimat.

Carolin Frei
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Jon Adalsteinsson importiert mit seiner Firma Ice-Co Lebensmittel aus Island für Grossisten wie zum Beispiel Coop.

Jon Adalsteinsson importiert mit seiner Firma Ice-Co Lebensmittel aus Island für Grossisten wie zum Beispiel Coop.

Chris Iseli

Skyr? Nein, das ist keine neue Automarke. Skyr ist ein isländisches Milchprodukt, vergleichbar mit Quark. Ohne Fett, dafür aber mit hochwertigen Proteinen. «Für die Wikinger war Skyr ein eigentlicher Lebensretter, der auch in vielen Sagen verewigt ist», sagt Jon Adalsteinsson, der aus Island stammt und mit seiner Familie in Brugg lebt

Noch heute gehört Skyr für Isländer zum Frühstück oder als Zwischenverpflegung einfach dazu – neu auch bei Schweizern. In den grösseren Coop-Filialen findet man ihn, ausser er ist gerade ausverkauft. «Skyr kommt gut an», sagt Adalsteinsson, der das Produkt seit September in der Schweiz vertreibt. Die Isländer verzehren gegen neun Kilo pro Kopf und Jahr.

Skyr wird aus Rohmilch von Kühen produziert. Diese leben den ganzen Sommer durch draussen und ernähren sich von Gras. Diese Milch liefern die kleinen Familienbetriebe an eine staatliche Firma in Island, die den Skyr produziert.

Was verschlägt nun einen Isländer in die Schweiz? «Ursprünglich kam ich vor über 20 Jahren in die Schweiz, um in Lausanne ein MBA-Studium zu absolvieren. Und bin einfach hier hängen geblieben», sagt Adalsteinsson augenzwinkernd. Bei einem Besuch in der alten Heimat fragte ihn der Vater eines Freundes, der Fischer ist: «Junge, kannst du nicht meine Fische in der Schweiz verkaufen?» – «Klar, kann ich», war damals seine spontane Antwort.

Frischer Fisch aus Island

Aus diesem «Gefallen» ist vor 20 Jahren ein Unternehmen entstanden, das von der Schweiz aus isländischen Fisch in verschiedene Länder liefert. Der Fisch kommt fangfrisch ins Flugzeug. So ist gewährleistet, dass er auch frisch auf dem Teller des Konsumenten landet. «Ein Business, dass von meinem Team und mir 24 Stunden Präsenz verlangt», betont Adalsteinsson.

Wenn was schief laufe, müsse man sofort reagieren können. Er nutzt ein Programm, das ihm erlaubt, auf dem Bildschirm zu verfolgen, welche Fischerboote gerade am Fischen sind, ob die Fische schon ins Flugzeug verladen oder schon zum Händler unterwegs sind.

Dorf ist von Firma abhängig

Die Fische kommen alle aus Familienbetrieben. Im 600 Seelen grossen Dorf Patreksfjörður ist jede Familie von den Lieferungen an Adalsteinssons Firma Ice-Co abhängig. «Das nimmt uns in die Pflicht. Wir haben eine soziale Verantwortung gegenüber den Dorfbewohnern.» Beim Gedanken, dass ein ganzes Dorf fischt, kommt die Frage auf, ob das Meer bei Patreksfjörður nicht langsam leergefischt ist? «Keinesfalls. Island hat eines der strengsten Gesetze, was die Fangquote betrifft.

Jedes Kilo, das an Land kommt, wird von den Behörden kontrolliert.» Nachhaltigkeit wird in Island grossgeschrieben. «In Island entstehen viele spannende Produkte aus natürlichen Rohstoffen. Doch leider fehlt es häufig am Netzwerk, um sie zu vermarkten», sagt der 49-Jährige. Auch da ist Adalsteinsson zur Stelle, öffnet Kanäle oder bringt sich gleich selber ein.

So hat er unter anderem geholfen, die Produkte der isländischen Firma Bio-Effekt in der Schweiz zu vermarkten. Eine Firma, die aus Gerste, die auf einem Lavafeld gedeiht, ein Serum gewinnt, das dem Altern der Haut vorbeugt. Damit nicht genug: Mit seiner IT-Firma InfoMentor GmbH hat er den Zuschlag für ein Schul-Projekt bekommen. «Künftig werden alle Grundschulen in Basel-Stadt unser Lernmanagement-System nutzen», betont er stolz.

Stolz ist der 49-Jährige aber auch, dass er trotz all der geschäftlichen Verpflichtungen Zeit für Hobbys und seine Familie hat. Zur Familie gehören Ehefrau Hilma und drei Söhne. Mit dem zehnjährigen Sölvi geht er gerne fischen oder Skifahren. Adalsteinsson ist zudem auf dem Golfplatz anzutreffen, unternimmt mit der ganzen Familie Wanderungen oder Ausflüge mit dem Velo.

Mit seiner Frau besucht er einen Salsa-Kurs und just zu Weihnachten werden seine ersten Gehversuche auf dem Klavier wohl zu einem Ständchen reichen. Tatkräftig Unterstützung erhält er von Sölvi auf der Trompete. Und als Weihnachtsessen kommt – wie könnte es anders sein – auch Fisch und Skyr auf den Tisch.