Brugg
Er traf mit Fürzen und Bauchnabelflusen den Nerv des Publikums

Kilian Ziegler gewann den Dampfschiff-Poetry-Slam dank facettenreichem Humor und einer Ode an den Optimismus. Ziegler macht sich dabei auch mal über die Linke lustig, weil ihm SVP-Witze zu langweilig sind – eine Seltenheit in seinem Genre.

Matthias Steimer
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Kilian Ziegler erhielt vom Publikum den grössten Applaus.

Kilian Ziegler erhielt vom Publikum den grössten Applaus.

Matthias Steimer

«Jedes Mal, wenn es furzt, stirbt irgendwo eine Kettensäge». Seine Eier seien unsere Bauchnabelfuseln und äusserlich gleiche es einem Soziologiestudenten. Die Rede war vom Alpaka. Das Publikum amüsierte sich köstlich. Mit dieser grandiosen Nonsense-Geschichte redete sich Kilian Ziegler ins Finale. Die drei Top-Poeten, welche die Jury ins Finale wählte, vertraten komplett verschiedene Stile. Das Publikum hatte schliesslich die Wahl zwischen mannigfaltigem Humor, sozialzynischer Reflexion und Berner Originalität.

Pessimismus und Optimismus

Der mit Abstand älteste Kandidat, Hans Jürg Zingg, begeisterte mit gereimter Wortakrobatik auf Berndeutsch und einem lustigen wie geistreichen Text von einem «Niemerli», das gerne ein «Öpperli» werden wollte. Seine Beiträge fielen am Freitagabend als die eigenständigsten auf.

Martina Hügi trug im Finale ein «schnulzenfreies Liebesgedicht» vor, eine sozialzynische Reflexion über den Liebesentzug in der modernen Gesellschaft. Als es im Dampfschiff plötzlich piepste, bewies die Poetin Spontaneität und baute die Störung flugs in ihren Text ein.

Nach den eher pessimistischen Lebensanalysen von Hügi kam es wie gerufen, dass Kilian Ziegler mit einer Ode an den Optimismus aufwartete. Er sprach von einem 10-Jährigen mit Midlife-Crisis und erklärte, wie man die Dinge auch noch sehen kann: siamesische Zwillinge beim Velofahren? Ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Man soll nicht resignieren – und schon gar kein Reh signieren.

Rare politische Seitenhiebe

Sein Humor glänzte in allen Facetten, vom Kalauer bis hin zur Politsatire. So lernte man am Freitagabend auch den Unterschied zwischen einer SP-Tagung und einer Lehrerkonferenz: An der SP-Tagung hat es mehr Lehrer. Politische Seitenhiebe gegen die Linke dürfen in der Slam-Poetry-Szene als Rarität bezeichnet werden – insofern waren sie sehr erfrischend. «Ich bin nicht rechtsorientiert, aber immer nur Witze über die SVP zu machen, ist langweilig», sagte Ziegler nach der Veranstaltung auf Nachfrage.

Er fühlte sich sichtlich wohl auf der Bühne, brillierte als Showman mit Schreibbegabung, der Abgedroschenes überwindet, der es schafft, eines jeden Humornerv zu treffen. Vor allem dank Letzterem dürfte er gewonnen haben. «Humor ist der Königsweg, Gedanken zu vermitteln», erklärte Kilian Ziegler. Er griff die Siegestrophäe, einen Whiskey, trank einen Schluck und reichte ihn seinen Mitbewerbern weiter.