Obergericht

Er tötete seine Ehefrau mit blossen Händen — Türke bleibt in Haft

13 Jahre muss ein Türke hinter Gittern verbringen, weil er seine Frau umgebracht hat.

13 Jahre muss ein Türke hinter Gittern verbringen, weil er seine Frau umgebracht hat.

Seine Ehefrau wollte sich von ihm trennen, deshalb tötete er sie 2013. Das Obergericht bestätigt das Urteil der Erstinstanz: Er muss 13 Jahre ins Gefängnis.

Noch ein halbes Jahr, und Mustafa (alle Namen geändert) wäre fünf Jahre mit seiner Schweizer Ehefrau Sabrina verheiratet gewesen. Fünf Jahre hätte er durchhalten müssen, um seinen Aufenthaltsstatus in der Schweiz zu sichern und seine Familie hierherzubringen.

Mustafa hatte in der Türkei nach muslimischem Brauch bereits eine andere Frau geheiratet. Mit ihr hat der heute 46-Jährige vier gemeinsame Kinder. Das Letzte zeugten die beiden, als Sabrina und Mustafa in der Schweiz bereits verheiratet waren.

Die zehn Jahre ältere Schweizer Ehefrau realisierte nicht, dass er sie 2009 nur geheiratet hatte, um das Land nicht verlassen zu müssen. «Sie glaubte, in ihm ihre grosse Liebe gefunden zu haben», schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift. Geblendet von Mustafas Versprechungen hatte sich die zweifache Mutter Sabrina innert kürzester Zeit von ihrem damaligen Mann scheiden lassen.

Mustafa schlug Sabrina mit blossen Händen zu Tode

Doch Mustafa hat eine «kleine Frustrationstoleranz», wie ein Gutachten zeigt. Er verliert schnell die Beherrschung. So kam es, dass er Sabrina am 23. Juli 2013 tötete. Sie hatte nach viereinhalb Jahren Ehe erkannt, dass Mustafa sie nur benutzt hatte. Er schlug sie, sie wollte die Scheidung.

Bei einem letzten Treffen – mutmasslich in Sabrinas Auto – soll er von ihr Geld verlangt haben. Als Wiedergutmachung für die Jahre, die er mit ihr verloren hatte. Und für die Tatsache, dass sie sich kurz vor Ablauf der für die Niederlassung C notwendigen fünf Ehejahre von ihm getrennt hatte. Mit blossen Fäusten schlug Mustafa immer wieder auf Sabrina ein. Sie starb einen Erstickungstod, möglicherweise würgte Mustafa die 50-Jährige zum Schluss.

Leichnam lag mehrere Stunden in Auto an Strassenrand

Mustafa stellte das Auto am Erlenweg in Brugg-Lauffohr ab und rief seinen Rechtsanwalt an. Er liess diesen wissen, dass er seine Ehefrau umgebracht hatte. Auch die Polizei rief er an. Als Mustafa festgenommen wurde, hatte er das Blut des Opfers noch an den Händen. Sabrinas lebloser Körper wurde erst Stunden später im parkierten Auto am Strassenrand gefunden.

«Ich habe einen geliebten Menschen verloren», beginnt Mustafa sich vor den Oberrichtern zu rechtfertigen, als er zum Tathergang befragt wird. Seit dem Tötungsdelikt sind sechs Jahre vergangen. Mustafas Tränen und die plötzlich dünn gewordene Stimme wirken gespielt.

«Ich habe alles gesagt bei der Einvernahme, danke Herr Richter», fährt Mustafa fort. Seit 2013 sitzt Mustafa in Haft. Vor zwei Jahren verurteilte ihn das Bezirksgericht Brugg wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und zwei Monaten. Gleichzeitig sprach ihn das Gericht damals vom Vorwurf der Scheinehe frei.

Sowohl Mustafa als auch die Staatsanwaltschaft und auch die Angehörigen des Opfers zogen das Urteil weiter. Mustafa möchte einen Freispruch. Staatsanwaltschaft und Privatkläger verlangen einen Schuldspruch wegen Mordes und eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Die Oberrichter sprechen ihn zusätzlich der Scheinehe schuldig

«Der Beschuldigte ist ein Hypochonder und ein Schauspieler», sagt Staatsanwältin Nicole Burger während ihres Plädoyers. «Besonders stossend fand ich diese Heulerei», fährt Burger fort. Mustafa habe eine ungünstige Kriminalprognose, weshalb die Staatsanwaltschaft auch eine Verwahrung beantragt. «Seit ich in der Schweiz bin, habe ich mich stets an die Regeln gehalten», sagt Mustafa, als er sein letztes Wort vorliest. «Ich vermisse meine Frau jeden Tag», fährt er fort und spricht über die getötete Sabrina. Er habe starke Rückenschmerzen und wolle seine Kinder wiedersehen.

Doch die Oberrichter bestätigen das Urteil der Erstinstanz und sprechen Mustafa zusätzlich wegen der Scheinehe schuldig. Das Urteil: Eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren, wovon ein Jahr reduziert wird, weil das Beschleunigungsgebot verletzt wurde. Mustafa verlässt den Gerichtssaal so, wie er ihn betreten hatte: in Fussfesseln und Handschellen.

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