Villnachern
Er pflegt jeden Tag 300 Wachteln – trotzdem befreien sie ihn vom Stress

Beat Buchle aus Villnachern hegt und pflegt 300 Japanwachteln und verkauft deren Eier – in Bioqualität, ohne aber das Zertifikat zu besitzen. Er erzählt, wieso ihn die Wachteln vom Stress befreien.

Louis Probst
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Für Beat Buchle bedeutet die Beschäftigung mit seinen 300 Wachteln Erholung. Und die Tiere – hier im Stall in Wallbach – danken es ihm mit ihrer unaufgeregten Art und ihren braungesprenkelten Eiern. Chris Iseli

Für Beat Buchle bedeutet die Beschäftigung mit seinen 300 Wachteln Erholung. Und die Tiere – hier im Stall in Wallbach – danken es ihm mit ihrer unaufgeregten Art und ihren braungesprenkelten Eiern. Chris Iseli

Der Besuch im Stall scheint die munteren, knapp taubengrossen, graubraunen Vögel überhaupt nicht zu interessieren. Einträchtig picken sie nebeneinander emsig am Futtergefäss. Einige haben sich ins Aussengehege gewagt. Andere geniessen den Aufenthalt unter einer der Wärmelampen oder räkeln sich im Sandbad. Hin und wieder lässt ein Wachtelmännchen seinen Ruf hören. «Die machen einfach Meis», meint Beat Buchle.

In einem ehemaligen Pferdestall, in dem immer noch Plaketten an den Dachbalken von Ausritten und Turnieren künden, tummeln sich seine rund 300 Japanwachteln. Über einen Durchschlupf können sie nach Belieben ins Aussengehege wechseln. Aber offensichtlich scheinen viele der Tiere – an diesem Tag wenigstens – den Aufenthalt in einem etwas dunkleren Nebenraum, in einer ehemaligen Pferdebox, zu bevorzugen. «Wenn die Temperatur unter vier Grad fällt, legen die Wachteln nicht mehr», erklärt Beat Buchle.

Bezug zu Tieren

Auf die Wachteln gekommen ist Beat Buchle vor sechs Jahren. «Ich bin mit Tieren aufgewachsen, und ich habe selber immer Tiere gehabt», sagt er. Zum Haushalt gehören denn auch Hund und Katze. «Ich hatte auch Streifenhörnchen und Schlangen», erklärt Beat Buchle, der die Berufe des Zimmermanns und des Hochbauzeichners erlernt hat und heute bei der Stadt Brugg als Hausmeister für die Schulanlagen Bodenacker und Umiken sowie für die Kindergärten Bilander und Wildenrain zuständig ist. Dazu stellt er sich seiner Wohngemeinde Villnachern als Gemeinderat zur Verfügung. «In der Schule halte ich zusammen mit der Schule eine Bartagame und Fische. Aber das mache ich nicht nur für mich.»

Die Begegnung mit den Wachteln muss wohl so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. «Ich hatte bei einem Züchter Wachteln gesehen und spontan gesagt: Ich kaufe sie dir ab», erklärt Beat Buchle jedenfalls zum Beginn seiner Wachtelzucht. «Noch bevor ich aber mit der Zucht begonnen habe, hatte ich mich beim Kanton erkundigt. Daraus haben sich viele interessante Gespräche ergeben.»

Leider verlief der Beginn der Wachtelzucht nicht wie erhofft. «Es gab Probleme im Stall», erinnert sich Beat Buchle. «Die Tiere waren ständig sehr nervös. Ich musste sie schlachten.» Er dachte aber nicht daran, so rasch aufzugeben, besorgte sich bei einem Züchter im Fricktal 120 Wachteleier und brütete sie in einem Brutkasten aus. Damit war der Grundstock für die Zucht gelegt.

Fleissige Eierleger

Eier sind das Hauptprodukt aus Beat Buchles Wachtelzucht. «Wachteln sind fleissige Eierleger», erklärt er. «Jedes meiner Wachtelweibchen legt jährlich um die 450 Eier. Allerdings legen die Tiere ihre Eier dort, wo es gerade kommt. Das bedeutet, dass man die Eier suchen muss.» Mit den Eiern beliefert Beat Buchle Delikatessenläden und Metzgereien in der Region. Zudem führt ein Restaurant auf dem Bözberg auf seiner Speisekarte Wachteleier. «Das sind die grössten Abnehmer», sagt er. Für den Direktverkauf hat er einen Kühlschrank an die Strasse gestellt.

Wachteleier seien in der Schweiz noch eher wenig bekannt, stellt Beat Buchle fest. «Meine Kunden stammen hauptsächlich aus Süd- und Südosteuropa. Ich habe Kunden, die eigentliche Wachteleier-Kuren machen.» Aber schliesslich soll schon Hildegard von Bingen, die berühmte Heilerin aus dem 11. Jahrhundert, auf die stärkende Wirkung der Wachteleier gesetzt haben. Vier Wachteleier, so Beat Buchle, entsprächen einem Hühnerei. Man könne die Eier, die zwar eine eher weiche Schale, jedoch eine zähe Eihaut aufweisen, wie Hühnereier verwenden. Gekochte Wachteleier lassen sich aber auch in Essig einlegen und es gibt sogar Wachteleier-Likör. «Die Eier meiner Wachteln werden regelmässig durch die Lebensmittelkontrolle serologisch auf Antikörper gegen Salmonellen geprüft», sagt Beat Buchle und zeigt einen aktuellen Prüfbericht, der die Unbedenklichkeit der Eier bescheinigt.

Bio, aber ohne Zertifikat

Gefüttert werden die Wachteln mit einem speziellen Biolegemehl. «Ich habe aber kein Bio-Zertifikat», sagt Beat Buchle. «Eine Zertifizierung wäre zu aufwendig.» Offensichtlich sind die Tiere, was das Futter anbetrifft, recht wählerisch. «Ich habe festgestellt, dass sie das Futter eines bestimmten Herstellers bevorzugen», sagt Beat Buchle. Zusätzlich zum Legemehl erhalten die Wachteln Gemüse und Früchte – Retouren aus dem Brugger Bioladen, in dem ihre Eier verkauft werden. «Auch das ist Recycling», stellt Beat Buchle fest.

Neben einer grossen Brutmaschine für 250 Eier verfügt Beat Buchle über einige kleine Brutgeräte, mit denen er Schaubrüten für Schulen anbietet. «Das ist ein grosser Erfolg», freut er sich. «Nicht nur für die Kinder, auch für mich selber ist es immer noch höchst interessant zu sehen, wie nach 16 bis 17 Tagen die jungen Wachteln aus dem Ei schlüpfen. Bereits nach sieben Wochen legen die Weibchen die ersten Eier.»

Ein zeitintensives Hobby

«Die Haltung der Wachteln braucht Zeit», stellt Beat Buchle fest. «Man muss die Tiere gut behandeln. Vor allem muss man den Stall sauber halten. Für mich ist die Beschäftigung mit den Wachteln aber Erholung. Wenn ich am Samstagmorgen jeweils im Stall arbeite und dabei das Radio einschalte, ist das für mich Befreiung vom Stress. Man merkt das auch den Tieren an. Sie sind überhaupt nicht aufgeregt, wenn ich den Stall betrete. Die Wachteln sind für mich ein Hobby. Das soll so bleiben.»

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