Bezirksgericht Brugg
Er lud sich Tier- und Kinderpornografie herunter – jetzt muss er zur Therapie

Bezirksgericht Brugg verurteilt 39-Jährigen wegen harter Pornografie – Verteidiger kritisiert langes Verfahren

Claudia Meier
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Seine Frau wusste von nichts. Während Jahren hat M. über deren Internetanschluss Dateien mit verbotener Tier- und Kinderpornografie heruntergeladen und auf dem Computer gespeichert. Das Bundesamt für Polizei erstattete im März 2013 eine Meldung, die Ende April 2013 zu einer Hausdurchsuchung in einem Dorf im Bezirk Brugg führte. Bei der Auswertung der Datenträger wurden 5393 Bilder mit Kinderpornografie sowie 112 Kinderporno-Filme und 59 Tierporno-Filme sichergestellt.

Dem 39-Jährigen von der Dominikanischen Republik wurde mehrfaches Herstellen und Zugänglichmachen sowie mehrfacher Besitz von harter Pornografie vorgeworfen. Am Bezirksgericht Brugg stand M. Einzelrichter Thomas Müller – ohne Übersetzung – Red und Antwort. Der Beschuldigte lud das pornografische Material laut Anklageschrift mittels Suchbegriffen über eine spezielle Software herunter. Die Besonderheit dieses sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerks bestehe darin, dass alle Daten, die heruntergeladen werden und sich im Ordner des Anbieters befinden, anderen Benutzern ebenfalls zugänglich gemacht würden. Zudem sei M. im Besitz von sechs selbstgebrannten DVDs mit insgesamt 59 Tierpornografie-Filmen gewesen.

M. wünscht sich Kinder

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine unbedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen sowie eine ambulante Massnahme. M., kräftig gebaut mit türkisfarbenem T-Shirt, Jeans und einem Cap, das er während der Verhandlung über das Knie stülpte, erklärte dem Richter, dass er das Material nicht selber herstellte und zugänglich machte, sondern dies alles automatisch passierte – und zwar gratis. «Das Programm verbindet die Benutzer automatisch untereinander», stellte M. klar. Er wisse schon, dass es nicht normal sei, solche Bilder und Filme anzuschauen, habe dies aber meistens alleine oder zusammen mit ein paar Kollegen getan. Er habe auch Probleme mit Alkohol gehabt, doch abhängig sei er nicht. Vor ein paar Jahren war auch Kokain ein Thema. «Ich habe aber selber gemerkt, dass mir das nicht guttut, und damit aufgehört», fuhr M. fort.

Von seiner Frau ist der 39-Jährige in der Zwischenzeit getrennt. M. begab sich auf eigene Kosten in eine Therapie, um mit seinen leichten Störungen – zu diesem Schluss kam das psychiatrische Gutachten – besser umgehen zu können. Wenn er Lust verspürte, habe er einen Film geschaut und sich selbst befriedigt, damit sei alles erledigt gewesen, erklärte der Beschuldigte. «Ausgezogen vor Kindern habe ich mich schon lange nicht mehr.» M. hat selber keine Kinder, wünscht sich aber solche. Gerichtspräsident Müller erinnerte M. daran, dass er nur eine Aufenthaltsbewilligung C habe und diese schnell verlieren könnte, wenn es zu weiteren Anzeigen kommt. «Sie müssen ehrlich sein. Eine gute Frau zu finden, ist nicht einfach. Ich gebe Ihnen das als Ratschlag mit», so der Einzelrichter.

Verteidiger zieht Urteil weiter

Der amtliche Verteidiger Franz Hollinger betonte, dass M. das pornografische Material ausschliesslich zum eigenen Gebrauch heruntergeladen sowie aus eigenem Antrieb und auf eigene Kosten bereits erfolgreich eine Therapie hinter sich habe. «M. ist seit vier Jahren nicht mehr straffällig geworden», so der Verteidiger. Er forderte 150 Tagessätze bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren und den Verzicht auf eine ambulante Behandlung. Zudem legitimiere die lange Dauer «dieses höchst einfachen Verfahrens» eine Strafreduktion.

Der Richter sah das aber anders und verurteilte M. zu einer Geldstrafe von 250 Tagessätzen unbedingt und ordnete eine ambulante Therapie an. «Wir sind der Meinung, dass Ihnen das guttut, und deshalb ist auch eine bedingte Strafe ausgeschlossen», sagte Müller. Verteidiger Hollinger kündigte umgehend an, das Urteil ans Obergericht weiterzuziehen.